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10.01.17

Was hilft zu unterscheiden, wenn man sich mit seinem Angebot als Coach deutlicher positionieren möchte?

Es gab eine kleine Anzahl von Anstössen, so dass ich mich mit der folgenden Betrachtung beschäftigte:

Es gibt Coaches, die nicht genau sagen können / die es nicht auf den Punkt bringen, was genau sie anbieten. Und selbst wenn auf deren Website Angebote stehen, bleibt mir doch der Eindruck, sie selber würden nicht wirklich hinter den Sachen stehen, die dort aufgezählt sind.

Ich meine, begleiten kann ich jeden, auch ganz ohne Ahnung. Doch wenn ich einen Coach beauftrage und bezahle, dann soll der zwar mich machen lassen (Hilfe zur Selbsthilfe), aber dennoch möchte ich lieber eine erfahrenen Coach als einen unerfahrenen. Sie verstehen mich nicht? - Hier ein Bild:

Sie buchen einen Bergführer für Ihr Besteigungsziel. Natürlich kann Sie wer begleiten, der vom Gehen Ahnung hat. Doch selbst wenn dieser Bergführer/Coach nur hinter Ihnen geht und Sie wirklich coacht, möchten Sie vermutlich doch jemanden, der selber mehr als Sie klettern und besteigen vermag. Sie möchten also neben der coachenden Methode DOCH einen Experten in der Sache selbst - und zwar keinen Theoretiker, sondern einen erfahrenen Praktiker bzw. einen praktisch Erfahrenen, einen 'in der Sache Bewanderten'. 

Jetzt haben Sie eine Coachingausbildung abgeschlossen und haben das Problem (Annahme), bei der nächsten Begegnung nicht genau antworten zu können, wen oder wobei Sie coachen. Sie finden die Worte nicht, Sie finden die Angaben nicht, Sie haben keinen Durchblick, wie man das alles unterscheiden könnte und was davon genau auf Sie zutrifft, damit es authentisch wirken würde.

Hier möchte ich in diesem Beitrag mit einer Einteilung in zwei Dimensionen die Betrachtungen unterstützen und eine Möglichkeit bieten, eine Transparenz herstellen zu können:

Die zwei Dimensionen meiner Coaching-Positionierung


Sie finden im Markt der Coaches und Trainer zwei Typen, die sich wirklich unterscheiden:

a) jener Typ, der in der Tiefe von Methoden Experte ist; oder

b) den Typ, der in einem oder mehreren Feldern Experte ist

Zu c): Hier ist der Bereich, wo jemand allenfalls undefiniert und damit nicht erkennbar erfolglos verbleibt - es ist die Schnittmenge von Coaching, Methoden und Feldern. Und bedenken Sie: Wenn Sie das schon kaum auseinanderhalten können, wie soll der wenig kundige aber potentielle Coachee oder ein Unternehmen erkennen können, was Sie anbieten?

Alle Aussagen in dem Beitrag gelten für alle Geschlechter. 



Jetzt denken Sie allenfalls zuerst an andere, erfolgreiche Coaches, die Sie kennen - welcher Dimension würden Sie deren Angebote, die sie gut nachgefragt anbieten und bezahlt erhalten, zuordnen?

Wenn Sie diese Profile erkennen und nachfühlen können, dann beginnen Sie, Ihre eigenen Bereiche, Erfahrungen, Kompetenzbereiche zu sammen (Zettel: notieren und aufhängen, dann ordnen und weniger relevante wegnehmen).

Oft ist es eine Laune des eigenen Wesens und der persönlichen Bedürfnisse, in welche Richtung man sich als Coach mit seinem Geschäft aufstellen und weiter entwickeln mag. Auch bestimmen alte Erfahrungsbereiche sehr oft, was einem schon ausmacht. Es ist nicht so, dass da nichts vorhanden ist.

Aber nicht ganz einfach geht es meist jenen Coaches, welche von allem viel haben. Die möchten dann vielleicht alles einsetzen - keine ideale Idee. Zumal: bedenken Sie auch, was Sie als Einzelkämpferin und Einzelanbieter für einen Auftraggeber zu leisten vermögen, ob quantitativ oder qualitativ: Es ist nicht wirklich ideal, dann als Beginner das überfordernde Thema 'Unternehmensnachfolge' anzugeben. -

Diese Vorgehensweise erlaubt Ihnen mit der Zeit doch noch, sowohl in die Tiefe wie auch in die Breite anzubieten, also zum Beispiel: Habe viel Erfahrung in erfolgreichen World-Cafés und demokratischen Dialogprozessen, auch bei 200 bis 600 Anwesenden (in die Tiefe). Damit einher geht meine Kompetenz im Vertrag, der Aufstellung und der Realisierung, also dem Umgang mit Organisationen, Parteien, Kirchen, Vereinen, Schulen, Unternehmen. (Feldkompetenz: Gruppen - in die Breite).

Woran Sie sich zusätzlich orientieren können, was Feldkompetenzen angeht:

  • In den meisten Fällen liegen hierfür Primärausbildungen vor: Studium, Fachausbildung
  • In vielen Fällen liegen Berufserfahrungen vor: Jahre im Management, Projekten, Teams
  • In vielen Fällen zeigt sich, dass man sich darin selber weiterbildete: z.B. Heilpraktiker
  • Last but not least tragen eigene, aber verarbeitete, Schicksalsschläge zu Kompetenzen
  • Prägend: Aus welchem Haus komme ich? Bildungsbürgertum? Kirchliches Zuhause?..
  • Referenzen: Neben Namen und Unternehmen die konkreten Leistungen und Projekte nennen
  • Erfahrungen: 100-Km-Lauf, Atlantiküberquerung, Gipfelbesteigung, Brücke gebaut, etc.
  • Bewerten: Jeder Erfolg, aber auch jedes Scheitern stellen eine brauchbare Kompetenz dar
  • Auf alle Fälle: Alles was Sie je lehrend / unterrichtend vermittelt haben

Welche Theorie kann mir zusätzlich helfen, mich profilierter aufzustellen?


Die EKS-Theorie (siehe Wiki: Engpasskonzentrierte Strategie - EKS). Sich als Coach zu 'profilieren' bedeutet, KLARER am Markt erkennbar zu werden, worin man bewandert ist. Es bedeutet nicht, grossspuriger aufzutreten. Es geht also nicht darum, was Sie von sich alles herzeigen möchten, sondern darum, wie klar für einen positiven Entscheid .. oder wie falsch einem die Zuhörenden eintüten.

Ich hoffe, mit den beiden Dimensionen eine Möglichkeit anzubieten, die erlaubt, sich selber zu reflektieren und aufzustellen. 

Herzlich
Jona Jakob
Zürich, Bern Frankfurt

Vorangegangene Blogbeiträge, welche diesen Beitrag ergänzen: 

Eine Coachingausbildung ist keine Kompetenz
http://exhalat.blogspot.de/2013/10/eine-coachingausbildung-ist-keine_15.html

Warum meine angebliche Zielgruppe nicht meine Kundschaft wird - oder wie doch -
http://exhalat.blogspot.de/2014/02/coach-sein-warum-meine-angebliche.html



01.10.16

Die Zusammenhänge der Abgrenzung von Coaching

Einleitend ist Coaching erkenntnis- und zielorientierte Hilfe zur Selbsthilfe. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich veranschaulichen, wie komplex sich diese Definition im Feld der Coachinganfragen durch potentielle Klientinnen und Klienten darstellt:

Ich unterscheide Business und Personal Coaching

  • Business Coaching:
    Hier sind die Gründe, bzw. ist die Berechtigung für ein Coaching relativ gegeben. Es gibt meist den hohen Stellen'Wert der Anstellung an sich. Es gibt Ziele des Coachees zur Optimierung. Allenfalls gibt es versteckte Intentionen des Auftraggebers. Aber last but not least geht es beim Coachee um seine Anstellung, Position, Optimierung und nicht zuletzt um 1-2 Jahreseinkommen (Coachingvalue Jahreseinkommen = Annahme 60'000.-- plus pro Jahr).
  • Personal Coaching:
    Hier sind die Gründe, warum jemand aus eigenem Entscheid die Idee von einem Coching aufgreift wesentlich komplexer, dreidimensional und möglicherweise versteckter. Die Not oder Problemstellung kann von der anfragenden Person perspektivisch verzerrt werden und ein Coaching müsste abgelehnt werden. Dennoch werden - wenn nicht distanziert nüchtern - Coach und Coachee gerne verleitet und verführt, ein Coaching zu vereinbaren und dieses wird in der Folge meist ohne grossen Erfolg in einer Art Sackgasse verenden, da unbefriedigend.
    Bei Personal Coaching ist damit zu rechnen, dass Anfragen aus .. oder umgekehrt, hin zur psychisch-therapeutischen Betroffenheit neigen. Es ist dann besonders Achtung zu schenken, ob es sich beim Kundenanliegen um ein Coachingthema handelt, wenn von Krankheiten, Handycaps, Betroffenheiten und Eigenarten die Rede ist. Ebenso wenn frühere Medikamente oder Therapien ausgesprochen werden. Ganz besonders auch, wenn eine ganze Leidensgeschichte präsentiert wird. 
Wichtiger Hinweis für auftragerteilende Unternehmensverantwortliche und auch Coaches:
Mir ist leider noch selten wo deutlich hervorgehoben worden, dass jeder Mensch, der bei der Arbeit ein Coaching angeboten bekommt, nicht einfach unter 'Business Coachee' zu laufen hat. Jede und Jeder, bis hin zum Vorstand, kann - auch im Kontext der Arbeit und seiner Position - tiefgründig und seelisch von Dingen betroffen und dadurch verknotet bzw. blockiert oder beeinflusst sein, die allein mit 'Werten' und dem verbreiteten Verständnis von 'Business Coaching' nicht genügend umfassend abzufangen sind. Kurz: Jedes vermeintliche Business Coaching kann vielmehr ein Personal Coaching sein ... und einen Coach verlangen, der a) den Umfang des Auftrages (qualitativ bzw. kompetenz- oder psycheorientiert) zu prüfen hat und b) der im Fall einer qualitativen Psycheorientierung selber die notwendig profunde Bildung für den Seelenanteil auszuweisen hat. Es kann also mehr als sehr wohl sein, dass ein 'Personal Coach' gefragt ist, der psychologische Ausbildungsanteile und Erfahrung im Umgang mit solcher Klientel bzw. mit solchen Coachings hat. Ein Beispiel wäre: ein Coaching für einen Hochbegabten Erwachsenen mit dem Coachingziel: Optimierte Sozialkompetenz. Hier braucht es einen entsprechenden Coach, ansonsten der Klient unverantwortbar wahrgenommen und eher verscheucht oder nie wirksam erreicht wird. 

Coaching ersetzt keine Psychotherapie - oder wie schwierig es ist, Coaching abzugrenzen:

Auf den meisten Coaching-Webseiten oder -Unterlagen finden Sie den Ethik-orientierten Satz: 
  • Coaching ersetzt keine Psychotherapie
Das scheint auf den ersten Blick eindeutig. Aber in der Praxis hat sich mir gezeigt, wie trickreich und wie schwierig es ist, 
  • .. das Kundenanliegen professionell zu durchschauen und zu prüfen bzw. abzugrenzen
  • .. das erkannte Anliegen in seinen Dimensionen und Tragweiten einzuordnen und
  • .. last but not least für den Menschen der anfragt die richtigen Worte für eine Klärung zu finden
Aus diesem Grund hatte ich das Bedürfnis, die diversen Aussagen und Wertvorstellung, aber auch die Tiefen von Seiten der anfragenden Menschen in einer Darstellung zu erfassen, die ich unten vorstelle: 


Die Coachingabgrenzung 


- grafisch dargestellt von Jona Jakob, 2016

Die Coachingabgrenzung Jona Jakob - Alle Rechte vorbehalten - 2016


Was versucht diese Grafik alles auszuweisen?
  1. Coachbarkeit bzw. Selbstbestimmungskompetenz:
    Auf der Horizontalen finden Sie die Achse, welche die 'Coachbarkeit' eines Klienten darstellt. 'Coachbar' ist jemand, dessen Selbstbestimmungskompetenz für die Hilfe zur Selbsthilfe intakt ist. Dabei habe ich die anfängliche Idee um einen Aspekt erweitert: Man kann skaliert von 0-10 'coachbar' sein - aber man kann auch von 0 bis Minus-10 (linke Seite) weit weg von 'coachbar' sein.
  2. Auf der Vertikalen stelle ich dar: Wie hoch ist der 'Coaching-Value'?
    Mit Coaching-Value meine ich, wie sachlich / monetär / schicksalsmässig / gesundheitlich WERTVOLL ist das Anliegen bzw. das unbewältigte Anliegen ... oder anders gesagt:
    - Was wäre mit einer Lösung an Schaden zu verhindern (z.B. Fehlentscheid / Konsequenzen)?
    - Was wäre an Substanz zu erhalten? (z.B. Erhalt von Beziehungen / Verhältnissen / Projekten)
    - Was wäre zu gewinnen? (z.B. neue Stelle / mehr Einkommen / Entwicklung / Gesundheit)
    Wenn es Ihnen schwer fällt, das so zu sehen, weil sich in Ihnen etwas weigert, dann fragen Sie sich: Wie würde das Ihr Anwalt / deren Anwalt einschätzen?
    Auch hier zeigt sich: nicht jeder Wert ist die Investition eines Coachings wert. Es lohnt sich nicht, was z.B. dann der Fall ist, wenn ich jemandem in 10 min einen Input am Tel. liefere, damit die Person weiterarbeiten kann. Problem gelöst - weiter geht es. 
  3. Quadrant links-unten:
    Kein Coaching. Die Klienten in dem Feld sind aktuell in einer Situation, die man als 'nicht-coachbar' einschätzen muss. Es darf hier kein Missbrauch stattfinden. 
  4. Quadrant links-oben: 
    Die anfragenden Menschen sind aktuell nicht coachbar, aber das Anliegen bzw. ein möglicher Schaden könnte wertvoll bzw. teuer sein. Dann kann ich als Coach das Coaching ablehnen, aber dennoch honorarfrei kurz versuchen, mit Ratschlägen, Hinweisen, Kontakten oder Ideen dem Menschen einen Weg zu zeigen, sich anderswo Rat, Hilfe oder Unterstützung zu holen, damit kein Schaden entsteht oder eine Lösung gefunden werden kann (z.B. sich Unterstützung beim Arbeitsamt zu holen)
  5. Quadrant rechts-unten:
    Wie schon unter 2. notiert: Der Aufwand für ein Coaching ist nicht gegeben. Dann kann man das Problem kurz aus der Welt schaffen - per normalem und nichthonoriertem Gespräch, von Mensch zu Mensch. Ok, wenn Sie Telefoncoaching in 10-Min-Abrechnung anbieten, dann sollten Sie das aber vor der Problemklärung mit dem Klienten vereinbart haben, also dessen OK und Zustimmung für die Honorierung erhalten haben. 
  6. Quadrant rechts-oben: 
    Das ist der Coaching-Quadrant. Hier ist jemand intakt in seiner Selbstbestimmung und das Anliegen hat einen natürlich hohen Coaching-Value - es lohnt sich und wird zum investierten Gewinn, ein Coaching zu vereinbaren und gegenseitig den Beitrag zur Lösungsentwicklung zu leisten. Hier entsteht ein Win-Win. Hier ist man als Coach ethisch korrekt und als professioneller Berufsmensch stimmig aufgestellt. Und hier sind die Gewinnfelder, die Entwicklungsmöglichkeiten, die Lösungsfindungen für den Klienten realistisch erarbeitbar und ganz und gar möglich. Hier fühlt sich das alles gut an. 
Wie gesagt, mir persönlich war es ein Anliegen, den Sachverhalt darzustellen. Ich gewinne damit Sattelfestigkeit für Erstgespräche, für Finten, für seelisch erschwerte Anliegen, für eine präzise Abgrenzung - denn auch handicapierte oder sonst betroffene Menschen können korrekt angelegte Coachingprozesse absolvieren! - aber man muss das als Profi klären und getrennt halten KÖNNEN. Und man muss stets die richtigen Worte bzw. Sprache für alle Menschen haben, ganz besonders, wenn der "kaufbare" Coach drei von vier Bereichen abzulehnen hat. 

Ich hoffe, ich kann damit dienen. 

Mit besten Grüssen

Jona Jakob

Zur Person:

Zu Coaching:

03.08.16

Betroffenheit und/oder Bedürftigkeit - Wenn Coaches antriggern oder seelisch hungern

Am 1. August publizierte ich im 'Blog für Cochees' einen Beitrag, dass Coachees, die zu bedürftig sind, eigentlich nicht coachbar, da sie im Moment nicht mit genügend intakter Selbstbestimmungskompetenz gesegnet, sind.

Link: http://individuare.blogspot.de/2016/08/zu-hohe-bedurftigkeit-verhindert-ihre.html

Bedürftige interagieren so, dass nicht unser Miteinander gedeiht, sondern die eigene Notlage genährt wird.
    Auf diesen Beitrag hin fragte ein Leser:

    ... & wenn der Coach - oder die Coachin - selbst "bedürftig" ist?


    Was ist, wenn Coaches BETROFFEN sind?


    Ich unterscheide 'betroffen' von 'bedürftig' - zuerst 'betroffen: 

    Es kommt nicht zu selten vor, dass Personen durch eine Schicksal-mässige Betroffenheit ExperteIn, Coach, TherapeutIn oder VortragsrednerIn werden. Z.B. bei
    • Burnout-Betroffene
    • HB-HS-Betroffene
    • Mobbing-Betroffene
    • Gewalt-Betroffene
    • Krankheit-Betroffene
    • etc. 

    Das mag auf den ersten Blick "verständlich" wirken, ist aber genau zu trennen: 
    Steckt die 'begleitende' Person noch in einer hohen Betroffenheit des Themas, ist sie selber nicht wirklich 'distanziert', jedenfalls nicht zu diesem Thema:
    • weder zu sich und den eigenen Empfindungen und Reaktionen
    • noch zum Thema an sich, wenn es wo aufkommt
    • noch dann zu fremden Menschen, allenfalls Klientel, welches mit dem Thema ankommt

    Diese fehlende Distanz und Geklärtheit lässt "Coaches oder eben sonst wie Themen-Fachspezifische" antriggern und sie sind somit im Thema und ihren eigenen Dingen befangen und verfangen. Sie geraten in Emotionen und damit in etwas, das dringend unterschieden werden muss: Sie identifizieren sich mit den Klienten - und das sollten sie NICHT. 

    Das ist nicht einfach zu verstehen noch zu beschreiben. Sie müssten das Thema erfahren haben, es kennen, eigene und fremde Erfahrungen mitbekommen haben, aber diese Erfahrungen müssten verarbeitet und geklärt sein, ganz im Sinn von: "Das ist nicht mehr meine Baustelle / mein Thema." Nur so können Sie wertfrei und doch empathisch für jemanden präsent sein, ohne im Coach-Klienten-System Energie und Präsenz auf sich selber zu ziehen.  

    In dem Setting ist es normal und korrekt, dass man zwar für jemanden präsent ist, aber man nicht seine 'Dinge' übernimmt. Die müssen bei dem bleiben, der daran arbeitet. Natürlich würde das Klientel noch so gerne die Dinge übernehmen lassen, ist es anstrengend genug, die Betroffenheit zu haben. Am liebsten würden sie sie abgeben und nix mehr damit zu tun haben. Aber genau diese Zuwendung wäre komplett falsch und unprofessionell und ein Schaden für die Auftraggeber, welche auch bezahlen. 

    Kurz: Man muss das Thema ALS BETROFFENHEIT von der Backe haben - sonst betrügt man die Klientel um den Nutzen einer Wirkung. Das ist ein wirklich heikler Punkt, da man genau an dieser Stelle 
    • a) die eigene Auftragslage aufbessern kann, anstatt abzulehnen
    • b) die Klientel sofort anspringt und einem erwählt, weil es sich gemeinsam schöner weint und heult
    • c) dieses falsche Miteinander eine um so höhere Trüglichkeit empfinden lässt, da sie emotionaler und näher wirkt und einem dabei verführt. 

    Deshalb befürworte ich auch keine Fremdzahler in Personal-Coachings. Also wenn z.B. ein Partner oder Eltern sagt/sagen: "Komm, ich zahle dir das Coaching, du hast ja gerade kein Geld in deiner Arbeitslosigkeit." - Da läuft das Gift der Verführung (Entzug der Selbständigkeit = Minderung der Selbstbestimmungskompetenz) schon ins Boot, wenn man es nicht strikte unterbindet. Entweder zurückweist oder den Klienten auffordert, selber fürs Geld aufzukommen, ansonsten er/sie sich schon an der Stelle nicht SELBSTBESTIMMT und sich damit - auf Kosten anderer - sich was vormacht, ohne wirklich die Verantwortung (für sich und das Coaching) zu übernehmen. 

    Hinweis: Jeder Jung-Coach geht durch eine solche Phase, aber nur teilweise und meist mit sehr geringem Verfälschungsfaktor. Zudem sollten hierfür 5 - 10 erste Gesprächssitzungen reichen, um in seiner eigenen Reflexion, was er oder sie als Jung-Coach im letzten Gespräche bewirkt aber auch angerichtet hat, gleich hygienischer zu werden. Diesen Prozess haben wir aber auch bei einem Jung-Gewerbler, Frisösen, Köchen, Kundendienstler, Vertriebler. Eine Latenz eines solchen Effektes wäre wohl auch bei einem jungen Gründer zu entdecken und zu finden - auch dort ist viel Raum, den Auftrag an sich zu ziehen und mit nicht-professionellen Anteilen cachierend und lavierend bezahlt zu bekommen. 

    Aber dem gegenüber gibt es leider Menschen, die aus ihrer Betroffenheit nie wirklich rauskommen und die als Coach, Trainer, Tierliebhaber und Helfer eigentlich zu meiden sind. Solche Menschen haben den Hang 
    • zu Missionieren
    • sind Überzeugungstäter
    • gerne mal RechthaberInnen
    • lavieren zwischen nährenden und unnahrhaften Energiequellen
    • wirken unsicher
    • weichen selber der Reflexion aus, haben eigene Ausreden, stellen sich nicht

    Tipp: Wie kann ich als Jung-Coach damit umgehen? 

    Was man tun kann: Wenn man latent noch betroffen / oder Jung-Coach ist, kann es einem immer mal passieren, dass man wegen der Aussagen eines Klienten aus der Fassung gerät. Beispiel: Die Klientin erzählt, dass sie sich von ihrem Mann trennen möchte und da mitten drin steckt ... und nun gerät die Jung-Coachess in den Trigger und fängt an zu weinen, weil sie davon selber stark betroffen ist. Sie kann vor zu geringer Distanzierung vom eigenen Schmerz den Schmerz der Klientin so sehr nachfühlen, dass die starke Reaktion folgt und sie selber anfängt zu weinen.. Sie konnte aber vor dem Coaching nicht ahnen, dass die Klienten mit dieser Information rausrückt. 

    Was nun tun?
    1. Sich kurz entschuldigen und die Meta-Ebene des Gesprächs suchen. (Meta-Ebene = Helikopterebene: Mit Klient übers Gespräch sprechen.)
    2. Vor sich selber hart prüfen, ob das Coaching (bei einem nächsten Termin) fortgesetzt werden kann - wenn nicht sicher, dann es besser sein lassen. Sich also aus dem Auftrag verabschieden - das ist eine verantwortungsvolle Orientierung für den im Moment zurückbleibenden Klienten.
    3. Damit auch deutlich aussprechen, diese Sitzung nicht zu verrechnen. Klienten reagiern oft mit: "Doch, verrechnen Sie nur, das geht ok." Nicht machen. Bei sich bleiben und nicht verrechnen. Es geht um die Wiederherstellung der verlorenen kritischen Distanz. Also nun nicht in der Bedürftigkeit der eigenen Krise die Gegenangebots-Hilfe annehmen. Selber verkraften. 
    4. Lerne: Man muss IMMER bereit sein, ein Coaching abzubrechen und nicht zu verrechnen. Das gehört zu den Grundlagen der Ethik und der Selbstbestimmung von Coach und Coachee.

    Was ist, wenn Coaches BEDÜRFTIG sind?


    Die obigen beiden Beiträge beziehen sich darauf, wenn Coaches oder TherapeutInnen BETROFFEN wären, also antriggern könnten. 

    Aber es geht im Sinne der Leserfrage auch darum, was ist, wenn jemand coacht, der im Übermass also stark bis hin zu krankhaft/pathologisch BEDÜRFTIG ist nach
    • Zuwendung, 
    • Annahme, 
    • Akzeptanz und 
    • Bestätigung
    • Star-Allüren
    • Aufmerksamkeit

    Da ist die Antwort eindeutiger: So jemand sollte nicht jemand anderen "begleiten" (coachen oder therapieren). Das darf mE ethisch und wegen der Funktion des Coach-Klienten-Systems, die intakt bleiben muss, NICHT angeboten oder gemacht werden! 

    Warum? Die unterschwellig laufende Bedürftigkeit, welche in diesem Fall den Coach oder Therapeuten nähren soll (eine Art Befriedigung) stell nicht weniger dar, als einen klaren Missbrauch des Coach-Klienten-Systems bzw. -Verhältnisses.  

    Hat zum Beispiel jemand eine Persönlichkeitsstörung, wie z.B. einen ausgeprägten Narzissmus oder sogar eine Boarderline-Persönlichkeit, sollte es mE nicht weiter erlaubt sein, Klienten anzunehmen. Ob Narzissmuss oder Boarderline, es müsste abgeklärt und fachlich belegt sein, aber so jemand sollte mE nicht noch so tun und reden und schreiben, wie es ginge, wenn es einem selber nicht geht, dass man die eigene Bedürftigkeit nicht wirklich wegbringt, auch nicht für die wenigen Stunden mit dem Klienten. Beide Krankheitsbilder sind erwiesener Massen lebenslänglich manifest. 

    Der letzte Absatz mag meine subjektive Meinung sein, aber man möge mir sonst gerne erläutern, wie das doch sauber funktionieren kann, ohne dass dabei der zahlende Klient um sein Recht auf Wirkung betrogen bzw. beraubt würde. 

    Dass es im Aussen doch vorkommt, ist mE zu bestätigen, das gibt es. Menschen mit entsprechenden Persönlichkeitsstörungen sind HÖCHSTTRAINIERTE SchauspielerInnen. Gerade weil sie seit vielen Jahren sehnsüchtig nach Zuwendung streben und gleichzu cachieren müssen eine Art 'Vampir' zu sein, sind sie manipulative und wort- wie schriftgewandte, wie meist sehr schmeichelhafte Wesen, die einem mit ihrer Aufmerksamkeit so betören können, dass man zu gerne in gegenseitiger Bestärkung auf das verfälschte und krankhafte Angebote reinfällt. Man merkt anfänglich nicht, dass man in die Fänge einer Krake gerät.

    Eigentlich sind beide Opfer und ziehen sich darin an. Kein schönes Erwachen. Die Entlarvung solcher Personen ist auch schier nicht möglich, da Kritiker oder Kläger durch solche Personen gerne juristisch mundtot gemacht werden. Die fahren dann mit Drohungen und Verleumdungen auf, um auf keinen Fall aufgedeckt zu werden. An der Stelle kann es ungeahnt aggressiv werden. Nicht zu selten verlassen Klienten und TeilnehmerInnen von Kursen und Ausbildungen solche Auftragsverhältnisse mit einem Schock, oft mit juristischen Streitereien und last but not least einem argen Trauma in der Erfahrung durch begleitenden Fachpersonen, sprich 'Coaches'. Sich neu anzuvertrauen kann dann schwierig werden. 

    Ich danke für die Anregung, diese Betrachtungen niederzuschreiben. Ebenso hoffe ich, anderen in der Sache mehr Sicherheit oder Aufmerksamkeit ermöglichen zu können. Für Coaches oder angehende Coaches bedeutet es, die eigene Lage und Situation zu reflektieren, allenfalls mit jemandem zu besprechen und zu klären. 

    Mit besten Grüssen

    Jona Jakob
    Zürich Bern Frankfurt