12.10.19

Das Thema hinter dem Thema (Lesehinweis auf Artikel von Frau Dr. Jasmin Messerschmidt)

Link:
https://www.coaching-magazin.de/fuehrung/mit-coaching-zentrale-persoenliche-entwicklungsthemen-entdecken

Ein verstorbener Freund fragte mich auf offener Straße, wir lernten uns ganz neu kennen:
Er: "Du bist Coach?"
Ich: "Ja."
Er: "So 'business' oder mehr 'psycho'?"
Ich: "Es ist immer 'psycho'."
Wir lachten schallend im gemeinsamen Verständnis ...

Mit dem Coaching-Magazin 3/2019 erschien ein Buchauszug als Artikel von Frau Dr. Jasmin Messerschmidt zum Thema-hinter-dem-Thema, den ich empfehlen möchte. Warum?


Bild: JJ

Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich entdeckte, dass die Jahre meiner Primärausbildung als nicht-direktiver Gesprächsberater (Personzentrierter Ansatz nach Carl R. Rogers) mich dahin prägten, mich mit Psychologie zu befassen. Ich tat das auch schon Jahre vorher, als Arbeitspsychologie und als AKAD-Seminar in Psychologie und Soziologie. Ich hatte hierfür stets großes Interesse. Erst Jahre später wurde ich dann sowohl konsolidierend wie auch assimilisierend Systemischer, integraler Coach.

Doch gerade mit der Erfahrung, eine Coachingausbildung in einem mir noch "fremden" Land mitzumachen, nachdem ich bereits seit über 10 Jahren Coachings in der Schweiz verrechnet hatte - also längst im Markt war, zeigte mir zu meinem Erstaunen, welche enormen Vorbehalte gegenüber dem Thema Psychologie im Raum standen, als es darum ging,
a) sich selber etwas nackig zu machen und
b) minimalste Grundlagen der Psychologie und ihrer Krankheitsbilder rein theoretisch zu erlernen
... es bestanden enorme Berührungsängste (mein Eindruck, meine Worte).

Für mich war das höchst unklar: Wie kann man coachen, ohne sich der Psychologie nähern zu mögen? Eine Frage, die mich über reichlich viele Jahre beschäftigte.

Wenn Ihnen in einem Training das 'Eisberg-Modell' erläutert wird, ist das 'psycho(logisch)'. Die Maslow-Pyramide, das Johari-Fenster, die gebürtigen Entwicklungsstufen, Bedürfnisse, Motivationslehren, Kommunikation, Non-Verbales, Verkaufen, Marketing, Preise,  ... ALLES Psychologie.

Ok, Methoden der Tooligans können einem vom psychologischen Anteil fern halten. Aber genau dann wirken sie wirklich bestenfalls nur kurzfristig, wenn überhaupt. Sage ich mal.

Ich möchte daher den Beitrag von Frau Dr. J. Messerschmidt empfehlen, deren drei Beispiele jene Form von Coaching ideal verständlich beschreiben, die meinem Verständnis von Coaching nahe kommen.

Ich wünsche Ihnen Lesefreude ...

Jona Jakob
Coaching aus Aschaffenburg

Link:
https://www.coaching-magazin.de/fuehrung/mit-coaching-zentrale-persoenliche-entwicklungsthemen-entdecken

22.09.19

Wozu Eventabende mit Coachingthemen besuchen?

Warum besuche ich regelmäßig Abende, an denen jemand ein Thema vorstellt?

Hauptgrund: Um mein Netzwerk zu stabilisieren.
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Welches Netzwerk?
- Meinen Bezug zu den Organisatorinnen und Organisatoren
- Meinen Bezug zu den darbietenden Coaches und Trainer/innen
- Meinen Bezug zu jenen, die Räumlichkeiten möglich machen

Ich schauen nicht so sehr nach dem Thema, schon, doch ich schaue nach den Kontakten, den Freundschaften, den Partnerschaften, den Möglichkeiten. Und das tue ich nicht, um irgendwelche Geschäfte zu generieren, das ist überhaupt nicht nötig, eine solche Denkhaltung ist eher eine "zu simpel erdachte Illusion".

Der Nutzen aus vertieften Beziehungen zum Können anderer Menschen ist es, in der eigenen Beratung mit hoher Selbstverständlichkeit - sprich: Kompetenz - jemand anderes in einem Thema empfehlen zu können.

Es ist von höchster Wirkung, einer Klientin, einem Klienten für Stress, Tinitus, GfK, Teamlösungen, Stimmcoaching, Therapeutisches Ansätze, Hardliner, etc. immer jemanden in der Region zu kennen und aus dem Fundus von Gesprächen und Begegnungen mit ganz anderer Stimme sagen zu können: "Hierfür empfehle ich Ihnen XY, die oder der ist darin von höchster Güte und Gewähr." Noch mehr fällt das auf einem selbst zurück, wenn Klientel dann zurückkommt uns von Erfolgen spricht, die durch die Person gewonnen werden konnten.

Es darf Ihnen kein Zacken aus der Krone fallen, sich mit Fremden in den Kontakt zu begeben. Und drängen Sie sich nicht auf, vielmehr gehen Sie in die Fragen, das Einfühlen, das Erkunden - mehr als oft sage ich: "Ich hab dich immer noch nicht verstanden, ich muss mir hierfür nochmals Zeit nehmen. Noch könnte ich nicht genau erklären, worin du tätig bist." Und dann versuche ich es weiter, bis wir eins sind.

Zu meiner höchst persönlichen Positionierung zählen meine Quellen für fremde Themen. Ist so, als wäre ich eine kleine Pension, die eine vorzügliche Bibliothek ausweist. Das zählt.

Und um etwas zu enspannen: Ich bin in keinem Verband, ich gehe immer noch als Gast an solche Anläße und das nun seit ca. 5 Jahren. Meldet euch also wo an.

Beste  Grüße
Jona Jakob
humannessCoach, Aschaffenburg

10.08.19

Empfehlungsschreiben für Jona Jakob


Empfehlungsschreiben

für Jona Jakob


Jona Jakob wurde 1962 in Bern geboren und lebt heute in Aschaffenburg. Nach seiner Angestelltenzeit in leitenden Funktionen im Marketing zog es ihn in die selbständige Dozenten- und Beratungstätigkeit. Mit 35 Jahren gründete er in Zürich die Firma Consensus Coaching. Seitdem haben sich seine Coaching-Expertise und entsprechend sein Beratungsangebot kontinuierlich weiterentwickelt: Dazu zählt u. a. eine zertifizierte Grundausbildung in Personzentrierter Beratung nach Carl R. Rogers. Mit dem 20-jährigen Jubiläum von Consensus Coaching gründete er in Deutschland 2017 die Firma humanness Coaching. Dabei steht humanness Coaching für face-to-face-Coaching bei komplexen Anliegen und für emanzipierte Lösungskompetenz. Zum klassischen
humannessCoaching sind wenig später die Spezialisierungen entrepreneurCoaching und hochbegabtenCoaching entstanden.



Herrn Jakob lernte ich 2016 kennen, als er sich für die von mir angebotene Weiterbildung zum Personal und Business Coach IHK interessierte. Als Motivation für die Coaching-Ausbildung gab er im Vorgespräch u.a. an, die dem deutschen Coaching zu Grunde liegenden Besonderheiten zu erkunden. In dem Gespräch gewann ich den Eindruck, einem außergewöhnlichen Menschen mit breiter Lebens-und Berufserfahrung zu begegnen. Im Laufe der Ausbildung zeigte sich schnell, dass Herr Jakob über ein fundiertes, integriertes Coaching-Wissen verfügt. Zudem versteht er es, situativ seine Interventionen bzw. seinen Interaktionsstil genau dem Moment anzupassen. Für mich immer wieder beeindruckend ist sein Vermögen, selbst leiseste Schwingungen im Gegenüber wahrzunehmen und darauf sensibel zu reagieren. Diese besondere Rezeptions- und Resonanzfähigkeit findet ihren
Gegenpol in einer erfrischenden Direktheit, die seiner offenen, authentischen und unabhängigen Haltung entspricht. Er ist daher auch ein Sparringspartner per Exzellence. Ich schätze Herrn Jakob als professionellen Coach und vor allem als Mensch. Die Art, wie er sich selbst reflektiert und seine Erkenntnisse mit anderen teilt ist ungewöhnlich, wenn nicht faszinierend. Seine Haltung als Coach und sein Engagement für die Coaching-Profession sind vorbildlich. So hat er z.B. auf der Internetplattform XING Ende 2018 eine eigene Gruppe Coaching - Frankfurt und Metropolregion Rhein Main gegründet, die schon nach kurzer Zeit 127 Mitglieder zählte.

Ich bin sehr dankbar, mit Herrn Jakob einen geschätzten Kollegen in meinem Netzwerk zu haben und regelmäßig Austausch mit ihm zu pflegen. Er zählt für mich zu den Top-Adressen in der Coaching-Berufswelt. Ich kann daher Herrn Jakob aus persönlichen und fachlichen Gründen uneingeschränkt als Coach empfehlen.

Dr. Brigitte Wolter im August 2019

brandinvest® Corporate Coaching
Neugasse 36
65329 Hohenstein
Fon: 06120 97 97 72

Senior Coach DBVC und DBVC Weiterbildungsanbieterin

01.07.19

Wenn dich deine Haltung fest und fern hält.

Es ist im Verlauf von wenigen Jahren nun ein zweites Mal geschehen und zuerst wusste ich gar nicht, was mit mir passiert. Beide Male wurde ich in eine Gesellschaft eingeladen, sagen wir mal mit je 120 Leuten. Der Anlass war beide Male auf drei Tage angesetzt. Die Anlässe waren unterschiedlicher Art, einmal war es Fortbildung bzw. Persönlichkeitsentwicklung, das andere Mal war es ein Fest.

Bei beiden Anlässen fuhr ich hin, fand keine Ruhe, geriet in eine Art Bestürzung und entschied mich trotz hoher Seminarausgaben bzw. vieler Kilometer Autofahrt abzubrechen und den Ort zu verlassen. Bloß weg hier ... beide Male war ich erleichtert, einen Raum verlassen zu haben.

Beide Male gab es in mir kein Gefühl der Ablehnung oder Bewertung dessen, was vorhanden war. Ich steckte einfach in einer Situation, der nichts vorzuwerfen ist. Die Sache bleibt, wie sie ist. Dennoch hatte ich das Gefühl, in etwas zu ertrinken, unterzugehen.

Bei beiden Anlässen brauchte ich mehrere Tage, mir den Dunst von der Haut zu waschen, als steckte mir das Moment wie ein Odeur noch in den Poren meiner Haut.  Und ohne Vorwurf, das kann ja mal passieren. Ich wollte nur verstehen, was geschehen war und was mich wie eine gestochene Tarantel reagieren ließ - Was war?

Es gibt für mich seit meiner Kindheit Momente
- in Cliquen
- in Discos
- in Meetingräumen
- in Besprechungen oder Verhandlungen
- in Gesellschaften
- in (XING)-Gruppen
- in Verkaufsveranstaltungen
- in Events
- in Unternehmensvereinigungen (z.B. Franchisingsystem)
- in Instituten der Erwachsenenbildung
- in Clubs
- etc.

... wo das Gefühl in mir hochsteigt, für etwas VEREINNAHMT zu werden, was ich aber nicht merken soll. Die Situation an sich versucht - ob unbewusst anberaumt, oder schweigend geduldet oder sogar perfide so geplant - "mich zu  kaufen". Ich soll mich wo anschließen. Ich soll wo "mitmachen". Alleine schon, ich soll wo den Mund halten, was für mich ein Legitimieren der Zustände bedeutet. Mitgegangen, mitgehangen. Ich möge BITTE den Kakao schlürfen, durch den man mich ziehen will. Ich soll gute Miene zu einem verwerflichen Spiel machen. Ich soll mit leerem Kopf abnicken, was doch ein Leichtes sei.



Haltung kommt von Halten oder schlicht "Halt!"
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Nein. Geht nicht. Nicht bei mir. Ich trinke diesen Kakao nicht, liebe Gruppe ... keine Ahnung, was euch veranlasst oder treibt, aber mich kriegt ihr hier nicht.

A) Nicht weil ich schlauer wäre oder freiheitsliebender -

B) Nein, ich kann schlicht nichts mehr für euch tun, wenn ich gekauft wurde. Meine beratende Aufgabe wäre futsch. Ich kann dann noch die Küche machen, aber das ist nicht, wofür ich Coach geworden bin.

Wer mich über viele Jahre persönlich kennt würde vermutlich bestätigen, dass ich ein untrügliches Gespür dafür habe, wenn wo etwas unterwandert werden soll. Bei zwei größten wirtschaftlichen Verknüpfungen folgte die Frage: "Das hat doch Sektencharakter - oder?" ... und ja, es zeigten sich dann die Organisationsstruktur, die Mechanismen, der Umgang mit den Zugehörigen und den Abtrünnigen. Später sollten es Gesinnungen sein, Denkhaltungen, die ich nicht annehmen mochte.

Ich bin kein widerspenstiger Hund. Aber ich bin auch nicht benebelt, mich wo unreflektiert bzw. ohne jedes eigenes Bewusstsein und verantworten meines Handelns anzuschließen, nicht einmal in rührige Clubs für Empfehlungsmarketing.

Die Vereinnahmung kann sowohl an Fussballspielen wie an Motivationsevents entstehen - habe vor Jahren bewusst Höller getestet und es geschlagene 40 Minuten ausgehalten, dann war ich dort weg. Es war ja mein Experiment, welches ich verantworte.

Denn es war niemals der genannte Star-Trainer vorne auf der Bühne, der mich bedrängte oder der in ungehöriger Manier versucht hätte, mich zu beeinflussen, ... NEIN, es war sein Publikum. Die Gruppe. Die Gefolgschaft. Das Unreflektierte FOLGENDER HEER'Scharen, irgendwie Soldaten. Schafe.

Ich fliehe aus Situationen, in denen Umstände dazu führen, dass ich mich nicht erwehren kann, selbst mit der kleinen Geste eines gemeinsamen Bieres, von jemandem "PER SCHULTERSCHLUSS VEREINNANAHMT ZU WERDEN". Wenn ich dann merke und empfinde, alleine durch meine (schweigende) Anwesenheit etwas zu legitimieren, was ich für mich ablehne - bin ich weg. Ich dulde nicht.

Sie dürfen meinen Beitrag weiterhin nicht lesen, als würde ich dem Außen einen Vorwurf machen - geht doch nicht. Das Außen, die Menschheit, ist so vielfältig wie sie ist. Sie kann weltweit grausam sein, das war immer so.

Was ich aber durch meine Flucht und damit mit meinem Distanzieren versuche zu retten, dass ist fast so wie ein U-Boot zu verstehen, auf dem in der Tiefe zu viel Wasserdruck lastet und es Gefahr läuft, zu zerbersten. Mit meinem Distanzieren rette ich MICH - nichts weniger. Ich bin das ganze U-Boot, mit allem, was mich ausmacht. Ich mag nicht zerdrückt werden.

Hätte ich keine konsistente Haltung, vom Vater schon ohne Zweifel anerzogen, durch die Jahre trainiert und bei allen bitteren Konsequenzen unbeugsam als UNABHÄNGIGKEIT herausgebildet, sonst fragt gerne meine Millionärs-Ex-Schwiegereltern, wäre ich kein Coach geworden.

Als Coach darf man sich nicht kaufen lassen. Zu nichts. Nicht einmal ansatzweise.

Als ich 1997 meine Selbständigkeit gründete, damals noch in Zürich unter der Bezeichnung 'Consensus Marketing', notierte ich in meine Papiere folgende Zeilen:

Jona Jakob, 1997, zur Geschäftsgründung

Neutralität 
hat nicht zum Zweck,
sich überall andienen zu können.
Beratende Neutralität hat zum Zweck,
die notwendige kritische Distanz zu wahren.
Ähnlich der Umgang mit der Schweigepflicht -
Sie sollte aus einem erkennbaren Profil
des Beraters erwachsen.

Jona Jakob

Ich bin meinem eigenen Radar an Gefühlen und Spürsinn dankbar. Immer wieder.

Und nun wünsche Ihnen gute Verhältnisse und frische Luft zum Atmen.

Herzlich
Jona Jakob
humannessCoach.de | .ch

24.05.19

Bitte nie wieder - Burnout

Es ist ca. 15 Jahre her. Ich steckte mitten in 10 Jahren Eheleben, in Haus und Garten, Selbständigkeit, Erwachsenenbildung. Von meiner Unterschiedlichkeit mit einer mässigen Hochbegabung und vor allem Hochsensitivität hatte ich damals noch keine Ahnung (hat noch 10 Jahre gedauert). Ich war voll der "Dynamiker", wie die Schweizer gerne jemanden bezeichnen, der zu früh aufsteht. 

Eines morgens war es ein bleischwerer Akt, mich im Bett aufzusetzen. Ich sass da in Shirt und Unterhose und war so sehr verschwitzt, dass mir Schweisß von den wirren Haarspitzen tropfte. Aufstehen konnte ich nicht mehr. Der Zustand hielt ohne Aussicht auf ein gefühltes Ende drei Monate an. 

Hat man eine Grippe und man sagt mit dem Volksmund, sie dauert mit oder ohne Medikamente sieben Tage, so kennt man doch, dass man bereits zu sagen vermag: Es ist hinüber, langsam geht es wieder. Nicht so bei meinem Burnout. Auch im dritten Monat tägliche DUSCHNÄSSE, wollte ich mich einkleiden oder die Treppe vom ersten Stock unserer Hauses in Zürich runter in die Küche. Glücklicherweise hatten wir keine Kinder und meine Frau verdiente als Lehrerin genügend, um unser Leben abzudecken. Ich wollte sie wenigstens im Haushalt unterstützen und zog mich an, nahm eine Einkaufstasche und ging die kleine Strasse vielleicht 200 Meter weit Richtung Zentrum. Da kam ein Nachbar von hinten zu laufen und sagt: "Du bist klatschnass, dir muss der Schweiss übern Rücken in die Hosen laufen, so wie die Hosen aussehen." - Im dritten Monat noch. Umkehr. Einfach keine Ahnung, ob das je aufhören würde. 




Später beschrieb ich den Zustand vom Tag des Nicht-mehr-Gehens bis zum unvorhersehbaren Tag-wo-es-wieder-ging als eine ABKOPPLUNG MEINES KÖRPERS VON MEINEM GEHIRN. Mein Körper war wie ausgetreten um sich selber zu retten. Er versagte dem Manager, dem Macher, dem Hyperaufmerksamen den Dienst. Ich kam mir vor wie eine Elektrospielzeug, dem man aus Verzweiflung den Antrieb rausgerissen hatte, als man es nicht mehr stoppen konnte. Es leuchteten noch die Lämpchen, es machte noch "tuuutuuut" - aber sonst war es regungslos und out of order. Warum es nach drei Monaten an einem Morgen wieder ging, kann ich niemandem beantworten, auch heute nicht. Es ging einfach wieder und ich versuchte mich zu schonen. Auch hier wusste ich nicht recht, wie das gehen sollte, mich schonen, denn ich beklagte mich über keine Belastungen. Dass die Mischung von schnellem Denken (Hochbegabung) und massivem Übermass an Wahrnehmungen und Empfindungen mich vermutlich erschöpfte, konnte mir damals noch nicht erkennbar werden (Hochsensitivität ist für mich Sensibilität, die ich wie ein Instrument brauchen / nutzen kann. Ich leide also nicht unter Emissionen, wie zu viel Licht / Lärm / etc. sondern ich habe ein super Radarsystem von hoher Verlässlichkeit - mein Wahrnehmen trifft in den allermeisten Fällen zu). Zu dieser Zeit war ich auch in meiner Entwicklung nicht genug weit, endlich Teile meiner Frühverantwortung erkennen zu können und aufzugeben - ich kümmerte mich seit Kind um jeden Scheiß, für andere war ich eine Art 'Liebling' - niemand hatte etwas dagegen, dass ich so ein Bemühter und Feiner war. 

1. Chance
**********
Was ich glücklicherweise entwickelte: Ein Gespür dafür, dass es zurückkommen würde. Ich beschreibe das heute noch so: 
- Lustlosigkeit und irgendwie träge,
- gepaart mit LETHARGIE, für mich eine Form der Empfindungslosigkeit, 
- z.B. keinen Hunger mehr zu haben oder keinen Geschmack vom Verzehrten;
- Und ganz wichtig - in meinen Worten ausgedrückt: Ein Gefühl, als würden am 
  ganzen Körper meine Nervenenden anfangen zu glühen / kochen. 

Passiert das heute, bin ich drei bis fünf Tage weg - aber richtig weg. Da lasse ich alles Fallen. Da gebe ich möglichst keinem Sinn die Chance, sich noch einbringen zu können: Nix sehen, nix hören, nix fühlen, nix riechen, nix schmecken - nix checken.

Ich musste mir 15 Jahre später von einem Burnout-Präventionstherapeuten sagen lassen, das mehr als 50% der Menschen nach einer ersten bitteren Erfahrung wiederholt in diesen Zustand geraten, als würden sie nie etwas daraus lernen, selbst wenn die Anzeichen der negativen Spirale noch so eindeutig wieder auftreten würden. - Das konnte ich bis heute verhindern. Bitte nie wieder. 

2. Heilung
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Warum "Nie wieder!"? 
Bei all meinen Erkrankungen, die ich mit einem Normalmaß beschreiben würde, nenne ich den Burnout als den größten Schaden (Super-GAU) für meinen Körper. Wenn sich der Körper vom Denken abkoppelt, um sich zu retten, dann ist das eine Mega-Katastrophe, so schlimm, als würden Sie sich de-personalisieren, weil Sie unter dem Schmerz von Folter oder dem Schock wie bei einem Flugzeugabsturz befinden würden. Heftiger geht es nicht mehr. Einen Schritt weiter sind Sie tot, würde ich sagen ... oder gänzlich dem Wahn verfallen. 

War denn nun nach den drei Monaten alles wieder gut? Nein. Meine Erschöpfung dauerte - und das möchte ich nun noch deutlich machen - 

Phase 1: ... für mich klang die Erschöpfung über 9 Monate ab, nach einem Jahr war eigentlich nichts mehr wahrzunehmen, jedenfalls nicht fürs Umfeld, meine Partnerin, die Auftraggeber, etc. Ich funzte wieder vollumfänglich und normal. 

Phase 2: ... doch ich, ich sage Ihnen, dass ich unter all dem heilen Schein gegen vier Jahre brauchte, weg von dem Schaden zu sein. Von Beginn bis weg: 5 Jahre insgesamt. 

Burnout - das will ich nie wieder haben. Basta. 

Als neulich meine Partnerin Anzeichen zeigte, zwang ich sie (ZWANG) aus dem Hauptoffice Ihres Unternehmens ins Auto, es muss 09:3 Uhr an einem Vormittag gewesen sein, und schickte sie für eine Woche fort, was sie, ich bin ihr noch so dankbar, wirklich getan hat. Ich wusste die ersten drei Tage nicht einmal, wo sie steckte - kein Signal. Nichts. Dann der erlösende Anruf. 

Dem Monster und Dämon Burnout Paroli bieten - ist wie gegen die Strömung einer Tiede anzuschwimmen. Ich wünsche mir, dass Ihnen das nie widerfährt. Denn wenn diese Form einen Menschen stärker erwischt ... ich verlor einen Freund, da nicht mehr erreichbar, in seiner Erschöpfungsdepression. Der weltberühmte Jazz-Pianist und Solist Keith Jarrett durfte keine seiner erschöpfenden Solo-Improvisationskonzerte mehr geben, Platten wie das berühmte 'Köln Concert'. Seine Erschöpfungsdepression dauerte sechs Jahre an, bis es eine neue Aufnahme gab. 

Hierzu ein prima Artikel, den ich dank eines Kontaktes über Facebook verlinkt bekam:  https://www.spektrum.de/wissen/burnout-wird-seit-40-jahren-erforscht-und-noch-immer-ist-die-definition-unklar/1646926

Und ja, Burnout ist mE nichts, was man "coachen" sollte. Vielmehr ist es meist ein Moment, jemanden frank zum Arzt und in der Folge zum Therapeuten zu schicken. 

Man kann sich achten ...
Jona Jakob, Aschaffenburg
humannessCoach.de
entrepreneursCoach.de
hochbegabtenCoach.de


12.05.19

Sich konsistieren - Personzentrierte Systemtheorie (nach Kriz)

Es mag verschiedene Gründe geben, warum man sich als Coach immer wieder "prüfen" oder "checken" sollte. Damit meine ich diesmal weniger eine Hygieneprüfung z.B. zum eigenen Verhalten oder Erscheinen.

Ich meine mehr, achtsam für innere Regungen zu sein, wenn einem zum Thema Coaching etwas widerstrebt oder umgekehr: gerne zugeht. Ich kann das nur am eigenen Beispiel aufzeigen, weil gerade in diesen Tagen mir so etwas geschehen ist.

Man kann mich als 57-jährigen Menschen beruflich ganz einfach strukturieren:

Die kräftige Hand:
- Ich bin gewerblich ausgebildet, habe lange körperlich gearbeitet.

Der kühle Kopf:
- Dann war ich viele Jahre Marketingmanager. Unternehmer bin ich heute noch.

Das warme Herz:
- Ich wurde Dozent, Personzentrierter Gesprächsberater, Coach.

Alle drei Lebensarbeitszeiten machen mich aus. Sie prägen mich in ihrer Art und Weise, im Denken, Entscheiden und Handeln.

Wenn man mich nun heute fragt, was ich berufliche mache, und ich mit 'Coach' antworte, legt mich das gefühlt nicht wirklich fest. Mich nicht. Die Fragenden vermutlich schon, da es einfacher ist, mit 1 Wort eine subjektive Vorstellung zu bilden.

Über die Jahre kam unter Coaches immer wieder die Frage auf: 'Woran erkenne ich einen guten Coach?'

  • Meine Lieblingsantwort:
    Daran, dass er sich vom Coachen mind. 3-5 Jahre lang wirtschaftlich am Markt halten konnte. - Eine 'Unternehmer-Antwort', aber Marktberechtigung bleibt Marktberechtigung. 
  • Eine Antwort von einer weisen Kollegin war:
    Ob sie oder er vor der Ausbildung zum Coach eine 'Psychologische Primärausbildung' absolviert hat. Damit sind 3-8 Jahre Vorbildung gemeint, z.B. als Personzentrierter GesprächsberaterIn, als TransaktionsanalystIn, in Individualpsychologie, etc. Eine humanistische Grundlage ist der Gedanke dazu. Nicht nur Business und Organisationslehre. Für mich eine starke Antwort. 
  • Und es gab noch viele weitere Ansätze
    -
    Fort- und Weiterbildung
    - Anciennität
    - Bekanntheitsgrad
    - Verbandszertifizierung
    - Auszeichnungen
    - Klientel und Referenzen
    - tbc. 
Das jüngste Beispiel, wo meine Coachkarriere - und damit meine Coach-Konzeption - auf ein einziges Kriterium festgelegt wurde (bisher; das kann sich noch änder): Ich wurde in eine Coach-Datenbank aufgenommen mit dem Expertenlevel 2 von 5. Dies, weil nur die eine Ausbildung von vor zwei Jahren berücksichtigt wird. Das kann bei schier 15 Jahren coachender Tätigkeit keine Aussage zu mir als Coach sein - das ist eine Aussage zur Qualifizierung nach dem Anspruch eines Verbandes.


Die glückliche Fügung: eine fühlbare Konsistierung


In diesen Tagen gibt mir ein Fachbeitrag in einem Coachingmagazin eine Grundlage, besonders die Primärausbildung zum Gesprächsberater (persönlich: ca. 4-5 Jahre) mit meinen Gewerbejahren, den Managementjahren und last but not least meiner Coachingpraxis, wie auch der Coachingausbildung zum Systemisch-Integralen Personal- und Businesscoach zu verbinden und mich damit ganzheitlich zu machen. Endlich habe ich eine Begrifflichkeit, wie ich als Coach aufgestellt bin und wirke. 



Die Personzentrierte Systemtheorie, nach Prof. Jürgen Kriz, Osnabrück


Seine Systemtheorie ist sozusagen eine Meta-Konzeption verschiedener Theorien und Prägungen. Es kommen hier zusammen:

  1. Die psychischen Prozesse
  2. Interpersonelle Prozesse
  3. Kulturelle Prozesse
  4. Körperliche Prozesse

Diese Konzeption gestattet mir unmittelbar, mich besser wiederzuerkennen und zu sagen: Ja, das bin ich - mit diesem Verständnis arbeite ich seit Jahren unbewusst. Ich trennte nicht das Psychisch-Seelische vom Systemischen und der Körper war in all den Coachings immer bewusst dabei. Ich sehe und verstehe meine Klientinnen und Klienten "so". 

Wenn mich heute jemand fragt, WIE ich arbeite, habe ich eine Antwort: "personzentriert-systemisch". Diese neue Möglichkeit ist für mich wie eine Wohltat, ein gutes Gefühl, welches mich stärkt. Hier meinen lieben Dank an Prof. Jürgen Kriz.

Ich freue mich, heute noch Mitglied der GwG (Regiogruppe Hessen) zu sein, mein Verband für den Personzentrierten Ansatz. Und ich bin Coach gemäss dem DBVC. Ich bin das beides jedoch nicht getrennt, ich bin es als Konsitierung meines Lebens. 


Was will ich mit diesem Beitrag außer meinem persönlichen Effort sagen?


Wann immer Sie die Chance haben, etwas in sich zu vereinen, was zu Ihnen passt, was Sie ausmacht, was Sie stärkt und verdeutlicht, pflegen Sie das transparent und erfassbar in Ihren Auftritt mit ein. Schreiben Sie eine einzelne Website dazu an Ihre Homepage, schreiben Sie einen Blogbeitrag, verfassen Sie sich mit dem neuen Element. Werden Sie weiterhin ...

Mit besten Grüßen
Jona Jakob, Aschaffenburg

22.04.19

Als Coach die elementare Unabhängigkeit nicht "verkaufen".

Eine Beobachtung (und eine aktuell persönliche Betroffenheit) veranlasst, dass ich schreibe. Es geht um die Erfahrung, dass man von jemandem missbraucht werden soll, also Opfer dessen Machenschaften würde. Und das darf Ihnen nicht passieren.

Zum Zweck der Einflussnahme im April 2019 erhalten - aber nicht angenommen. - JJ


Ausgangslage der gesellschaftlich erwarteten Unterordnung:


Aus unzähligen Gründen der Erziehung sind wir Menschen gewohnt und auch massiv darauf festgelegt, im Leben "Obrigkeiten" zu respektieren:
- die eigenen Eltern
- später Lehrer und Prüfungsexperten
- alle Ärzte
- die Polizei
- den Pfarrer
- natürlich den direkten Chef, den Personalchef und last but not least
- die Herrschaften vom Direktorium (m/w/d)
- auch so: Hr. Dr. XY, Frau Prof. Dr. XY,

Ebenso besteht eine Art Unterstellungsverhältnis zwischen Lehr-Coach (als so und so zertifizierte Expertenperson) und als Lehr- oder Junior-Coach. Man kennt seit Kindheit nichts anderes. Und man fügt sich gerne und all zu oft.

HINWEIS: 
In diesem Verhältnis der Unterordnung / Submission, gibt es bedauerlicherweise eine Wechselwirkung und die ist für viele Missverständnisse ausschlaggebend: Nicht nur, dass wir selber dazu neigen, uns erst einmal konform zu verhalten und uns ein- bzw. unterzuordnen, nein, auch die in dem Verhältnis über'stellte Person gewöhnt sich daran sich einzubilden, irgendwelche Rechte zu haben, überstellt zu sein. Das kann ein lebenslanger Trugschluss werden. Für beide Seiten.

Ethik, wenn Sie sich als Coach (m/w/d)  ausgeben


Wenn Sie sich nach einer Ausbildung zum 'Coach' deklarieren, haben Sie ethischen Grundsätzen zu entsprechen, ansonsten verunmöglichen Sie sich selbst sowie den restlichen Stand an Coaches, Coaching selber, und Sie werden zum falschen Fünfziger für allfällige Klientel. Mehr Schaden als mit ethischem Verfehlen kann man kaum anrichten.

In 99,99% aller ethischen Grundsätze und Regeln von Coaches und ihren Websites steht:

- ist unabhängig. 


Unabhängig - was genau soll damit gemeint sein? 


Mit 'unabhängig' sind mindestens die folgenden Punkte gemeint:

  • ist wirtschaftlich unabhängig
  • ist denkend und fühlend unabhängig
  • ist durch nichts und niemanden bestimmt
  • unterliegt keinen Nöten, Zwängen, Süchten oder beeinflussenden Medikamenten
  • ist vom Auftraggeber unabhängig
  • ist vom Coachee unabhängig
  • ist von der eigenen Agentur oder Beratungsunternehmen unabhängig

und last but not least

  • ist von jedweder Obrigkeit, Koryphäe, Instanz oder Expertentum unabhängig
  • tbc. 


Der Konflikt in der Sache: 


A: Es ist leider unendlich schwer, sich von der anerzogenen Sozialisation der Ein- und Unterordnung zu lösen (bei gleichbleibend korrektem Verhalten), die einem sofort und in jedem Fall in eine Abhängigkeit manövriert. Alleine schon, weil man sich selber unachtsam und leider 'schwach' nicht auf Augenhöhe zu halten vermag, Frage des selbstsicheren Selbstverständnisses. Und ...

B: Es ist aber für den Berufsstand als x-wie deklariertem Coach von unabdingbarer Wichtigkeit und Grundlage, eine höchstmögliche Unabhängigkeit mitbringen und herstellen zu können. Ebenso ist diese Unabhängigkeit gegen alle Übergriffe zu proklamieren und zu verteidigen.

Kurz gesagt bzw. gefragt:

Könn(t)en Sie Ihrem Direktor Prof. Dr. XY einfach "Nein!" sagen?, "Stopp! So nicht."? Können Sie das? 

Nach'Frage:

Wüssten Sie zumindest/wenigstens, dass Sie das tun sollten? und können sollten?

Wenn nicht, sind Sie latent gefährdet, sich zu krümmen oder zu biegen, der Gepflogenheit wegen oder für die liebe Harmonie ... auf jeden Fall wegen Ihren Ängsten. Wenn Sie nicht standhalten können, verkaufen Sie allem Teuflischen gerade Ihre Seele. Und ich schreibe: Sie sind dann eigentlich der Ethik-Kommission Ihres Coachingverbandes zu melden, von dem Sie Ihre Ethik-Grundsätze (siehe Ihre Website) abgeschrieben haben. Sie sind zu melden - und die übeltätige Person (m/w/d) ebenso. Nichts weniger.


Woran kann ich Ausnutzung einer potentiell bestehenden Unterordnung erkennen?


Die Täter (m/w/d):
- fragen nicht nach Ihnen, sondern kommen gleich zum eigenen Anliegen
- Sie werden irgendwie überrumpelt
- Sie sollen mal schnell ...
- Sie werden verführt, "Es wäre toll wenn Sie für mich ..."
- Nicht zu selten: Gleich im Befehlston ...
- Immer noch fragen solche Akteure nicht nach Ihnen (keine Wertschätzung)
- Sie erfahren keine Achtsamkeit von der Gegenseite ...
- Sie sollen folgen ... nichts anderes ....
- Sie sollen endlich machen ("Haben Sie jetzt schon ...???"
- Sie erhalten keinen Dank ...
- Sie sollten allenfalls fürs Anliegen weder Kräfte noch Kosten scheuen ...
- Sie haben keine Mitsprache ...
- etc. etc etc.


Wenn die Dinge bereits ihren Lauf nahmen ...


Wenn man sich selber nicht als "Held in Sachen Neinsagen" kennt, dann ist es einer der ersten Tricks, auch nach einer 'Eingangsphase' (etwas läuft schon eine geraume Weile, Sie haben es erst jetzt erkannt) nochmals sozuagen ZURÜCKZUGEHEN und von der Warte aus "Sie, nein!" zu sagen. Und erklären Sie sich bloß nicht. Erklärungen und Rechtfertigungen sind jene Stöckchen, an denen Sie Ihre Übeltäter gleich schon wieder zur Rettung aus dem Wasser helfen. Nein! Ende! Stopp! - basta!.

Sie müssen bedenken, dass solche Übeltäter gewohnt sind, mit ihrer Masche durchzukommen.


Sich nicht instrumentalisieren lassen:


Leider sind wir alle tendenziell zu "Tanzbären" erzogen worden. Und es ist menschlich, das zu tun um etwas Annahme, Liebe, Gefallen und Vorteil zu erhaschen. Aber Coach werden zu wollen, bedingt an dieser Stelle eine ganz eigentümliche EINSAMKEIT.


Wenn Sie unabhängig sein wollen,
bleibt ein Rest von Ihnen einsam.
 

Jona Jakob (c) 2019


Welche Handlungen werden Sie "als Gefälligkeit" nicht (mehr) erweisen?

- Prof. Dr. XY: "Ich bitte, eine Rezension meines neuen Buches zu verfassen ..."
- dito: "Ich habe natürlich nichts gegen eine 5-Sterne-Bewertung bei Amazon"
- Herr Dr. XY: "Schauen Sie mal, ob Sie den Herrn Ab auf Kurs bringen können ..."
- Frau Direktorin CD: "Bitte senden Sie mir Ihren Bericht vom Coaching ..."
- Zahlende: "Ich erwarte von Ihnen als professioneller Coach ..."
- Schlaumeier: "Wir können das ja umgehen, Sie verstehen schon ..."
- Tendenziell Pathologische: "Ich sende Ihnen schon mal den Betrag, damit Sie ..."

... es sind nicht nur Narzissten und noch weiter gekränkte Persönlichkeiten, denen jeder Weg zu ihren Zielen recht ist. Eines der größten gesellschaftlichen "Gifte" für Verfehlungen ist die mögliche Not von Bedürftigkeit von Anerkennung:
- sei dies auf Ihrer Seite, als Junior-Coach (m/w/d), gerne Kundschaft gewinnend;
- sei dies auf Täterseite, auch im höchsten Alter noch, nicht genug bekommend.

Nehmen Sie bloss nie Geld an, selbst wenn es tatsächlich bei Ihnen im Briefkasten lag und Sie nun den offenen Umschlag in der Hand halten. An der Stelle muss Schluß sein. Spenden Sie das Geld oder weisen Sie es auf jeden Fall zurück.

Lassen Sie sich bestechen, für die Ziele einer Ihnen meist eher fremden Person, verlieren Sie, ob entdeckt oder versteckt, jede Berechtigung auf den Status eines Coaches. Wenn Sie käuflich werden, wie geartet das schleichend auch immer sein mag, dann ist da Schluss, Ende, Fin.

Nicht, weil Sie nicht wie ein Ehrlicher Kaufmann / Ehrliche Kauffrau agieren, sondern weil Betrug jenes tödliche "Kryptonit" ist, welches unmittelbar bei Aneignung einem sämtlicher Wirkungskräfte beraubt und einem so als Coach unmöglich macht.

Kurz:

Können Sie einer Person, die Sie in ihrem systemischen Mobile als "überstellt" empfinden, "Nein! / Das werde ich nicht / Lassen Sie das!" sagen? 

Sind Sie genügend unabhängig? 

Und oft am wichtigsten: Erkennen Sie / Können Sie erkennen, wenn Sie für einen falschen Zweck missbraucht/ausgenutzt/instrumentalisiert werden? 


Wenn Sie in einem solchen Fall nicht wissen, wie darauf reagieren, wenden Sie  sich an eine Supervision, an Ihren Verband, an die Lehr-Coaches (m/w/d), an einen Ethik-Rat.


Einmal Coach - immer Coach:


Die oben angesprochene 'Einsamkeit' ist ein alleiniges Verbleiben mit dem, was man "letzte kritische Distanz" nennt. Je mehr diese wächst, desto früher erkennen Sie Schleicher und Vampire. Und desto stärker wissen Sie, wie abwehren. Sind Sie das kaum gewohnt, reflektieren Sie sich oder nutzen Sie Supervision.

Somit bedeut es auch, dass nur Unabhängigkeit für sich proklamieren kann, der nicht nach seinem Vorteil schielt, der nicht seine Macht missbraucht, die/der von einer "günstigen Gelegenheit" die Finger lassen kann. (Ethik: Deontologie).

Denn alles, was zu erreichen sein könnte, lässt sich redlich erreichen.


Mit herzlichen Grüßen
Jona Jakob, Aschaffenburg
https://www.coach-datenbank.de/coach/jona-jakob.html

23.02.19

WEN coachst du? Versuch einer Antwort.

Nicht zuletzt diese Woche fragten mich zwei Eventteilnehmerinnen:

"Du bist Coach?"
"Ja."
"Wen coachst du?"
"Menschen."

... danach geriet ich in stottrige Erklärungen und das machte mich unzufrieden. Also versuche ich, dem Anliegen hier eine stimmige Antwort zu geben. Auch nicht zuletzt, um den beiden Fragenden eine Antwort zu geben, die das Menschsein fördert, nicht einen blendenden Status.

(Coachingprozesse, stets eine VERÄNDERUNG aufgrund von eigener REFLEXION, finden nur dann statt, wenn man mit sich selber um seine Reflexion ringt / kämpft / sucht / findet / strukturiert / formuliert) - mit dem Kopf nicken wird wenig Veränderung schaffen oder in einem hinterlassen. Veränderung ist mehr als Hinterlassenschaft, es ist mE Etablierung, als würde Neuland gewonnen.  It's up to you - anders geht es nicht.)

Zur Ausgangsfrage: WEN coachst du?
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WEN ich coache, hat kaum einen Aussagekraft. Bestimmt könnte man antworten: Private, Angestellte m,w,d, Mitarbeitende, Führungskräfte, Executives, Top-Dogs. Aber was sagt das wirklich? Es sind Menschen. Sie haben alle Gefühle, Bedürfnisse, Schwächen, Ängste und Träume wie Wünsche, Hoffnung, etc. - jeder Mensch für sich hat einfach seine ganz eigene Situation zum jeweiligen Zeitpunkt und möchte dann ein Ziel erreichen. Ziele sind ganz was Persönliches.

raumfuergespraeche.de - Aschaffenburg
humanness-coaching.de - Jona Jakob

In mir sträubte sich im Moment der Frage etwas, mit "Wertmaßen" von Aussagen die Idee von Coaching zu unterlegen: also zu sagen: Ich coache Selbstzahlende, Hochbegabte, meist sehr kluge Köpfe auf Top-Job-Level, die letzten Klientinnen und Klienten verdienten nicht unter 100´000.- Euros im Jahr, blablablubb ... - ich fühlte mich in dem Moment beschämt, mich mit deren Federn zu schmücken. Ich stammelte zwar noch was Hilfloses, in mir wollte ich das jedoch nicht.

Mir widerstrebt das massiv. Man tütet die eigene Klientel dabei gleich ein. So meine Meinung. Wenn ich sowas von anderen Coaches höre, denke ich immer, was ein Schwätzer, gleich die eigenen Vertrauenspersonen an nichtssagenden Äußerlichkeiten und am Geld zu nutzen, um sich selber zu positionieren.

Als ich antwortete: "Menschen", sah ich in zwei stehende Gesichter.

Man könnte schon den Eindruck gewinnen, Menschen als 'Menschen' zu bezeichnen, stelle "zu wenig" dar. Das hat "so" kaum Ausdruckskraft, wie es mir schien. Was soll "man sich" unter dem Begriff 'Menschen' vorstellen?

Dabei ist es der höchste Begriff. Wenn einem an Coaching etwas liegt, wenn man wirklich eine Haltung in der Sache verinnerlicht, bleibt nur das Wort 'Mensch / Menschen'.

(Ich mochte mich in diesem Moment, wo ich über meine Antwort nicht hinaus kam. Ein komplett gescheiterter Elevator-Pitch. Aber eben, wie schrecklich ist es, mit Statusaussagen meiner Klienten einen Leistungsausweis zu benennen? Meine nach Außen "versagend" wirkende Beklemmung ... schöne Reaktion dessen, was ich in mir als Verständnis trage.)

Jetzt lag ja in der Frage ein Ansinnen nach "Vorstellungsmöglichkeit / Orientierung / Einschätzung / Zuordnung / ... nach mehr Sicherheit, gemäß Maslow.

Und das ist wohl das grösste Anliegen aller, die nach Coaching und einem Coach fragen: Was soll das sein? Was wird da gemacht? Wozu soll es gut sein? Etc. Die fehlende Orientierung ist mE immer noch an allen Ecken und Enden auszumachen. Selbst Teilnehmende in Coachingausbildungen haben größte Schwierigkeiten, eine coachende Haltung in ihr mitgebrachtes Weltbild zu integrieren, manche schaffen es gar nie oder gehen, dem philosophischen Höhlengleichnis gleich, wieder ins Schattenspiel der Höhle zurück, weil es am Licht zu grell ist.

Was verändert die Frage? Was gibt dem Anliegen mehr Antwort und Ausdruck?
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Schritt 1:
Man könnte fragen, WAS coachst du?
Und dann entstünden Antworten, die sich mit all den Problemen von Menschen beschäftigen würden, ob als Seele oder als Mitarbeitende, als Karrieristen oder Optimierende, etc. etc.

Doch auch diese Antworten würden einer fragenden Person mE nicht viel bringen, außer vielleicht, man würde die antwortende Coach-Person als "Experten für erfolgreiche Methoden und Skills hierarchisch über den Klienten einordnen. Ein weit verbreiteter Missstand, so meine Meinung. Einfache Antworten bedienen hier einzig einfache Denkweisen - außer Bequemlichkeit bringt das nichts.

Schritt 2:
Fragen Sie idealerweise WOFÜR coachst du?
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Coaching ist dazu da, den betreffenden Menschen (Coachee / Klientin, Klient) SEINE WOFÜRS zu ent'decken, fühlen und bedürfen zu lassen, welche in ihm damit eine Stimme bilden, die in ihm JA sagen mag, um dann Strategien und Massnahmen zu entwickeln, wie die Person das erreichen kann, was verändert werden möchte. 

Vielleicht hätte ich auf die Frage: "WEN coachst du?" antworten sollen:

Menschen + deren Seinsgründe, Reason-whys, raison-d'êtres. 

Dann wird das Wertmäßige im Wort 'Menschen' deutlich bzw. spürbar. Die beiden Teilnehmenden hätte sofort gespürt: Es wäre vermutlich schön, das ganz Eigene in den Fokus zu nehmen, egal wer man ist und was man mitbringen würde. Man könnte kommen, wie man ist. Und hätte für sich einen ganz persönlichen Gewinn.

Spürbar, damit meine ich, man fühlt / spürt im Bauch (s)ein Verstehen, man muss es noch gar nicht denkend verstanden haben.

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Mit dieser Antwort ist man als Coach auch raus aus allem, was nach direktiver Profilierungsstrategie aussehen würde. Es würde sichtbar machen, dass man dem Humanismus zugewandt ist - und nicht dem pragmatischen Verkaufen. Dem Nicht-Direktiven anstatt dem Direktiven, was fern jeder Coachingdefinition liegt.

So kann nun kommen wer mag, ganz ohne Titel, Rang, Auftraggeber und Namen. Nur mit sich, ob arbeitslos oder Top-Management, ob Privatperson oder Job-Funktionär. Es kommen immer "nur Sie".

Und ich, ich kann nun das nächste Mal eine klare Antwort geben. :-)

Danke für die Gelegenheit. :-)

Jona Jakob

... den beiden Fragenden gewidmet. Es war ein schöner Moment vollen Seins.

17.02.19

Das Selbst verwirklicht ... (Reflexion)

Man sagt zum Tod, jemand wäre nie so ganz gegangen.

So könnte zum Leben gesagt sein, man erreiche seine Sache auch nie so ganz. Dennoch meine ich, man sollte dem Erreichten gebührend Platz schenken, es im Leben in den Vordergrund stellen und selbst'bewusst leben.

Seit Wochen beobachte ich mein Sein und Tun und muss sagen, was ich verrichte, arbeite, etabliere ... und auch - last but not least - was ich alles lasse, also nicht mehr tue, das subsumiere ich unter meinem Fühlen und Verstehen von 'Selbstverwirklichung' in der Maslowschen Pyramide der Grundbedürfnisse.

JJ im Kunstwerk 'Trinkhalle' von Martin Abb, Aschaffenburg, 2017.

Ich bin 56, arbeite noch 10 oder 15 Jahre, lebe mit meiner Liebsten in einer tollen Wohnung und habe Aufgaben zu erfüllen, die man getrost mit "dem Schleck" aller Arbeiten bezeichnen darf, denn ich darf so richtig und wirklich 'Dürfen'.

Coach zu sein ist schon so eine Erfüllung. Und seit einigen Monaten bin ich beauftragt, aus der Position einer Geschäftsstelle nach innen und außen Dinge zu realisieren, für die Bedarf besteht. Ich darf dabei netzwerken, Gespräche führen, ordentlich zu Tisch sitzen und bereise mein Bermuda-Dreieck zwischen Frankfurt, München und Zürich.

Abgesehen davon, dass ich arbeitend meinen Lebenserhalt damit verdienen kann, Dinge zu tun, die einen Sinn ergeben und meine ganze Person sowohl einladen als auch fordern, fallen dabei unzählige sättigende Gespräche ab, Handshakes, Verständnis. Das geht nicht ohne storming und norming, es reibt sich das Ganze immer wieder, nervt auch, aber das macht es auch tiefer und fetter.
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Man könnte mit der Selbstverwirklichung den Gedanken verbinden, man sei wer geworden. Vielleicht ein Star, ein Super-Coach, ein Businessleader oder Autor - eine Erfolgreiche bzw. ein Erfolgreicher. Dies ist aber nicht mein Bild von der Selbstverwirklichung.

Mein Bild fängt da an, wo ich mit ca. 45 Jahren erkennen musste, gar kein Alpha-Typ zu sein, obwohl ich und viele andere mir das zuschrieben und heute noch zuschreiben. Ich wirke im Außen so alpha. Aber in Wahrheit bin ich ein Alpha-Beta und damit ein Beta. Ein gehöriger, das mag sein, aber ein Beta. Die Frage hierzu lautet: Bin ich König oder Königmacher? Und ich war mein Leben lang, schon als junger Bub, ein Königmacher. Dieser Faden zieht sich durch mein Leben, der ist unterdessen ein Tau geworden, nicht ganz billig und anstrengend bis herausfordernd alleweil noch. Denn auch als Königmacher bin ich (erneut) ein Macher.

In meiner als Kind angelegten Persönlichkeit bin ich "gebaut", Dinge zu BILDEN. Menschen, Projekte, Produkte, Dienstleistungen, Lehreinheiten, Persönlichkeitsentwicklungen, etc. etc. etc. - mein zentrales Können liegt darin, Kompetenzen, fachlich-, menschlich- und auch mental so zu vereinbaren, so dass sich etwas BILDET. Es wird. Es gedeiht. Entsteht. Kommt voran.

Wenn ich beschreibe, meine Selbstverwirklichung erlangt zu haben und darin wirksam sein zu dürfen, dann meine ich damit, mit Gedanken, Wünschen, Bedürfnissen, Menschen und Dingen mich auseinandersetzen zu können, aus denen/dem etwas werden soll. Wenn das mal schlicht nicht "leider geil" ist?
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Diesen Beitrag verfasse ich nicht um zu bluffen oder mich sonst wie hervorzustellen. Der Beitrag sagt schlicht danke, es freut mich riesig. Denn bei allem Erfolg liege ich auf den letzten 20 cm des 1-Meter-Messstabes. Meine Gesundheit ist ganz leicht aber konkret angeschlagen und die Erfahrung, an einem Tag vor einem Jahr nicht gleich gestorben zu sein, sensibilisiert mich in der Frage. Ich bin ganz klar endlich, was also habe ich in dieser Welt getan, geleistet, erreicht, was ist der Mich-Anteil, die JJ-Note an meinen Geschichten? Habe ich eine und wenn ja, welche soll das sein, so dass ich das von mir selber äußern mag?

Etwas in Bewegung und Entwicklung zu bringen ist vielleicht mein Funksignal in allem Getöse, meine Duftnote. Und ganz eindeutig: Diverses Scheitern waren wichtige Lernschritte. Ich scheiterte unzählige Male, bis hin zu ganz bitter und böse. Das zählt aber nicht. Was zählt ist, dass ich noch im Spiel bin - immer noch. Manchmal erstaunt mich das selber :-)
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Ein zufälliger Umstand lies es letzte Woche dazu kommen, dass ich seit wenigen Tagen den Existenzialismus erklären kann. Einfach so. Ich hab es drauf. Cool. Damit ordnet sich der Humanismus endlich wo ein und wer noch an Gott glaubt, auch mit diesem "Schachzug" weiß ich nun mehr anzufangen. Ich kann der unbeantworteten Frage nach dem Sinn des Lebens, die wegen des 'Absurden' (Camus) niemals eine Antwort erhalten wird, eine Antwort geben, wozu es gut ist, keine Antwort zu finden. Boah, Leute, das macht mich seit einigen Tagen ein gutes Stück vollständiger, ob rückblickend in meinen damals nicht beantworteten Anliegen und Entscheiden, wie in meiner heutigen Haltung, in der ich mich richtig angelegt fühle.

Die Frage, gerade als Coach, ist nämlich: Worauf fußen Sie?

Und ich kann für mein Wesen hierzu eine klare Antwort geben. Das verwirklicht mich enorm. Dazu passt es zu all dem, was ich anstrebe, packe, begleite, verfolge, anstoße oder zumindest mit der Frage ins Auge fasse: Was bewegt?

Ankommen, wo man sich selber spürt, ist wie wenn ein ewig leeres Hungergefühl plötzlich weg ist. Wenn ich das nun bis zum Ableben für mich erhalten kann, Form meiner 'Gartenpflege', dann werden das sehr tolle Jahre. Und wäre ich halt morgen fort, ich wäre heute noch angekommen, Heidegger erfüllt mit seinem Satz vom 'Sein zum Tode' - ich BIN oder WAR dann mal. Das fühlt sich vielleicht gut an, ich sags euch ...

Und Sie, was würden Sie von sich sagen mögen? SIND Sie? Oder eher kaum?

jonajakob.com

Eben: John Coltrane - I'm old fashioned / .. und Abdullah Ibrahim (Dollar Brand) mit 'Chisa'.

20.01.19

Offener GwG Weiterbildungsworkshop: Digitalisierung der Kommunikation (16.2.2019, Frankfurt)

Prof. Dr. Eleonore Oja Ploil
Lehrende am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule RheinMain, Wiesbaden

Frankfurt Skyline. Bild privat Jona Jakob, 2015

Digitalisierung der Kommunikation
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Auswirkungen auf Beratung und Psychotherapie
Fortbildung am 16. Februar 2019 in Frankfurt am Main
in Kooperation mit der  GwG-Region Hessen.

Info-PDF: https://www.gwg-ev.org/sites/default/files/anhaenge/flyer_fb_Ploil_02-2019.pdf 

Zielgruppe:
Die Fortbildung eignet sich für Berater*innen, Psychotherapeut*innen  und Coaches, die sich in ihrem beruflichen Wirken mit den Begleiterscheinungen der Digitalisierung beschäftigen. Sie ist ebenso offen für alle, die Impulse suchen, um dem Thema konstruktiv zu begegnen.

Die Digitalisierung der Kommunikation und ihre Auswirkungen auf Beratung und Psychotherapie
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Durch die Digitalisierung entstehen viele neue Herausforderungen für Berater*innen und Therapeut*innen. Es geht darum, Antworten auf eine Vielzahl von Fragen zu finden, wie zum Beispiel:
• Rollenanforderungen und Person in der digitalisierten Welt: Wie verliere oder finde ich mich selbst in der Vielfalt der Stimmen?
• Überforderung und Hilflosigkeit durch zunehmende Technisierung des Alltags: Wie komme ich damit zurecht?
• Was bedeutet dies für die Begleitung von Menschen in der digitalisierten Welt?
Im Workshop werden wir – neben dem Austausch über theoretische Aspekte – den personzentrierten Umgang mit den vielfältigen Themen rund um die Digitalisierung erfahrbar machen.

Termin:
Samstag, 16. Februar 2019
10:00 -  16:15 Uhr (7 Unterrichtseinheiten)

Veranstaltungsort:
hoffmanns höfe
Heinrich-Hoffmann-Straße 3
60528 Frankfurt am Main
Tel.: 069 67 06 – 100
www.hoffmanns-hoefe.de

Teilnahmegebühr:
GwG-Mitglieder: 95,00 Euro
Weiterbildungsteilnehmende: 75,00 Euro
Nicht-GwG-Mitglieder: 125,00 Euro (inkl. Tagungsgetränke und Mittagsimbiss)

Anmeldung und weitere Informationen:
GwG-Akademie für Personzentrierte Fort- und Weiterbildung
Melatengürtel 125a, 50825 Köln
Tel. 0221 925908-50 Fax 0221 925908-19
E-Mail brandt@gwg-ev.org Internet http://www.gwg-ev.org

Kontoverbindung Sparkasse Köln/Bonn
IBAN: DE34 3705 0198 0020 8329 78
SWIFT/BIC: COLSDE33

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Das ist ein Beitrag aus der XING-Gruppe 'Coaching Frankfurt & Metropolregion Rhein-Main. Wenn Sie sich für Coaching als Fachperson, Unternehmen, Organisation oder als Interessierte/r  umschauen und beitreten mögen, sind Sie herzlich eingeladen. Die Gruppe ist offen, mit einem Klick sind Sie dabei. Willkommen: https://www.xing.com/communities/groups/coaching-frankfurt-und-metropolregion-rhein-main-0516-1106627

30.12.18

Würdigung der Altjahreswoche, die Zeit zwischen den Jahren ...



Mit dieser persönlichen Beobachtung möchte ich kurz vor dem Jahresende die Altjahreswoche würdigen. Jene Woche, dich ich stets mit Besinnung, Rückschau, Vorschau und dem eigenen Ich verbinde. Man könnte die Quo-Vadis-Frage stellen Wohin gehst du? Wohin des Weges? Und bestimmt, man geht immer einen Weg, sogar einen letzten. Als Lebender bleibt die Frage, ob der Weg, den man geht, jener Weg von allen oder vielen Wegen ist, bei dem man sich am wohlsten fühlt. Das Leben ist mE nicht gut oder schlecht. Und noch viel weniger ist jeder von euch oder uns allen gut oder schlecht. Vielmehr ist es mir wichtig, SICH STIMMIG zu fühlen, ein Gefühl, bei dem mir selber wohl ist, und mir niemand daran heran gelangt, es mir von außen zu bewerten, als wäre etwas nicht recht. Dann wäre ich ja schon wieder in der Fremdbewertung verfangen. Nein, sich selber stimmig fühlen - das ist eine Sache, die man ganz edel mit sich selber ausmacht und wenn es gut läuft, möglichst bewahrt.


Liebe Grüsse
Jona Jakob

26.11.18

Idealerweise ist 'Coaching' nur da.

So oft: "Mir ist die Sache mit dem Coaching ein Buch mit sieben Siegeln." / "Ich kapiere es nicht." / "Was ist das eigentlich, Coaching?" / "Und was machen Sie da genau?"

Da Coaching eine Methode ist und diese einen beratenden Effekt herstellt, aber wenn immer möglich so, dass man sich selber die idealste Beraterin / der beste Berater ist, sollte sich Coaching von Beginn weg keiner Situation oder Person überstellen. Coaching hat nicht voranzugehen, zu führen, zu überstellen noch irgendwie ein "Experte-sein" darzustellen.




Wenn Coaching nur 'da' ist, stellt es sich mE am idealsten dar. Niemand hat einen Anlass, es zu nutzen. Niemand hat ein Diktat oder einen (werbenden) Ruf, es zu nutzen. Es steht einem einfach zur Verfügung. Dafür, sich selber zu ordnen, sich selber zu klären, sich selber zu finden und sich selber so aufzustellen, dass man seinen Weg wieder gehen mag und seine Ziele erreicht.

Man kann als Coach nichts tun. Sollte man auch nicht. Ausser eben da zu sein - als Präsenz für den Fall, dass jemand für seine Sache diesen Prozess der begleitenden Hilfe zur Selbsthilfe haben möchte.

Also ist im Idealfall Coaching "nur" da.

Jona Jakob, Aschaffenburg
raumfuergespraeche.de

03.11.18

Selbstdarstellung als "Coach" - man muss sich das schon genau anschauen.

Einleitend: Der Beitrag ist ein  Facebook-Beitrag, den ich aufgrund gemachter Beobachtungen in Facebook verfasste. Ich erlebe diese Selbstdarstellung noch bei LinkedIn, wo sie sich aber in quantitativer Hinsicht wesentlich bescheidener gibt. Und in XING ist davon noch weniger zu vernehmen. Es ist also nicht so, dass gleich überall Missstände herrschen. Zu betonen ist auch die grosse Zahl an Coaches, welche ganz und gar nicht in Internetmedien präsent ist, sich also zurückhält.


- bei Facebook verfasst, J. Jakob, 3.11.2018

Eine der übelsten Meta-Beobachtungen bei Facebook ist die massenhafte Selbstdarstellung von Dienstleisterinnen und Dienstleistern, Coaches, TrainerInnen, etc. WELCHE GERADE IRGENDWO VOR PUBLIKUM AUF DER BÜHNE STEHEN. Noch aufgeilender dann: TV-Kameras und ein Fernsehstudio.

Es scheint ein Bild zu sein, welches für Erfolg steht. Vielmehr aber empfinde ich dabei eine Selbstdarstellung, welche die Person auf der Bühne "zur Führerin / zum Führer" macht. DER oder DIE Ansager, Speaker, Tätschmeister, Zampanos, Coaches, etc. - wichtig möglichst: ein angetackertes Backen-Mikrofon und große, am liebsten drei davon, Leinwände im Rücken.

Ich verbinde mit dem Bild von Leuten der eigenen Gilde Schlimmes. Sehr Schlimmes. Die Selbstdarstellung in den Beiträgen trieft von "Führerschaft". Dabei sitzen wirklich gute Coaches im Publikum, reden Redner bei und mit den Leuten, statt vor denen. Die inhärente Perversion der Überzeugung, man sei wer, wenn man erhöht vor Publikum spreche, besteht nicht in fälschlichem Tun der vortragenden Person - man könnte das bis dahin irgendwie stehen lassen. Nein, das jeder Menschwerdung Ferne oder sich Widersetzende ist das aufs Neue bediente und/oder sich bedienen lassende Publikum. Es FOLGT.

Warum Publikum folgt, kann vielfach sein. Es hat sich frei entschieden, zu folgen. Oder ist einem Werberuf gefolgt. Oder gar anderen Gästen. Es dackelte dahin, um zu konsumieren, sich distanziert und anonym zu halten, versteckt und hinter vielerlei Masken. Fassaden über all dem, was man selber unvermögend nicht hervorzuzeigen vermag. Aus einem Gefühl des Ungenügens (und dabei sind die meisten Menschen durchaus gänzlich in der Lage, zu genügen), ergibt man sich FOLGEND der oder dem RednerIn, welche/r von irgendwas mehr Bescheid wissen soll. Ok.

Was aber bei Selbstdarstellungen als Speakerin und Speaker, als Meisterin und Meister, als Coach IMMER mit von der Partie der Darstellung ist: DIE DA FOLGEN MIR. Man zeigt Abhängige, man führt seine Herde vor, je grösser, desto stolzer. Das ist bei einer/m KünstlerIn, Musikern, Theaterleuten, etc. ganz anders, da die Kunst frei bleibt. Aber bei Wissen, Lehren, Theorien, Methoden, Inhalten oder gar Politik verhält sich das anders. Es entsteht aus einem Vorsprung, einem Mehrwissen, einem Bessersein sofort eine Art Top-->Down des Wissenden gegenüber den vermeintlich Unwissenden. Es vollzieht sich noch vor Beginn der Rede die Subordination - das ALLERLETZE, was in einem sauberen Coachingprozess hervortreten sollte.

Und das sollte mE nicht zu sehr als Selbstdarstellung hervorgekehrt werden. Besonders nicht von Coaches, die damit jeden vertrauensvollen Grundsatz der "Hilfe zur Selbsthilfe" verraten.


Privates Foto von Jona Jakob / iPhone, 2016


Man könnte, so betrachtet auch dem Publikum einen Vorwurf machen, aber es stellt sich seltener "so" dar, stolz darauf, als Teilnehmende wo dabei zu sein (ok, das gibt es auch).

Ein Coach sitzt hinter, unter, bei seinen Leuten, die er auf die Bühne stellt. Er lässt sie reden, zeigen, vorzeigen und auch alle Fragen stellen, die zum Thema zu fragen sind. Und er lässt die Menschen / die Gruppe versuchen, die Fragen und Reflexionen zu beantworten. Sich selber hervortun ist nicht. Es müssten also Fotos als Dokumentation entstehen, welche jene darstellen, die in ihrem Prozess sind, dort oben im Scheinwerferlicht und auf der Bühne. Und Applaus, auch so ein betörendes Gift, sollte bestenfalls für die eigens errungene Erkenntnis und Zielerreichung erschallen, und zwar möglichst von jenen, die das Erreichte dann anerkennen. Das wären dann allenfalls Menschen, die gerade nicht im Saal sitzen, wie z.B. Beziehungspartner, Teammitglieder, ja sogar KundInnen, Mitarbeitende, etc.).

Ganz blöd dann, wenn man als FB-User den Eindruck gewinnt, eine Gruppe von Coaches würde gerade nicht selber merken, bei was für eine Spirale an Übertreffungen sie teilnehmen, immer einen Tacken mehr drauflegend, was man alles und schon gleich wieder "FÜR | WEN | WIEDER | MEISTERN" durfte. Das macht nicht nur die daran Teilnehmenden bis zur Peinlichkeit fragwürdig, nein, das VERRÄT jeden hehren Gedanken an das, was Coaching ist und an sich bleibend wäre.

Coaching ist eine gute Sache. Eine sehr gute Sache. Doch wenn sie von Speakern, Managern, Leiterinnen und Leiter, TrainerInnen ausgenutzt wird, um Reden, Auftritte, Management, Leadership, Zielzwänge, Optimierungen und sonst verführerische Handlungen vom Prinzip FÜHREN FÜR FOLGENDE, missbraucht wird, verrät man mit der Methode und Haltung des Coachings jedes und alles, was ALS Coaching benannt wird.

Dann muss man sich nicht wundern, als Rattenfänger interpretiert und distanziert gehalten zu werden.

Und man sollte sich mE damit ganz und gar nicht hervorkehren.

Jona Jakob
Senior Coach, Aschaffenburg


www.humanness-coaching.de
www.humanness-coaching.ch

21.08.18

Warum man beruflich loslassen, gehen und dann zurückkommen sollte.

Normalerweise streben wir in unserer beruflichen Entwicklung ein stetes Vorwärts an. Höher, weiter, schneller, irgendwie "besser". Das erschließt sich als Handlungsweise erst einmal: der nächst höhere Job, die wichtigere Aufgabe, der grössere Titel, alles gepaart mit Einkommen, Status, Rang und Optionen. Eigentlich ganz normal.

Doch wenn ich auf meine Berufslaufbahn blicke, 10 - 15 Jahre vor einer Beendigung, ich werde nächstens 56, dann würde ich aus Überzeugung und guten Gefühlen heraus darlegen können, warum ich nicht unwesentlich "stets im Heute der Besser meines Gestern bin".

Der "Bessere" ist nun nicht der Gesetztere, Höhere, Verdienendere oder Karrierist. Der Bessere bezieht sich auf eine bestimmte Souveränität über meine Kompetenzen. Ich bin nicht quantitativ der "Bessere meines Gesterns". Aber ich bin qualitativ der Bessere.

In nicht zu wenigen Kinofilmen sieht man Szenen, wo ein Schüler, ein Junior und Anfänger seine Schule, sein Dojo, sein Kloster sozusagen als Novize oder Mönch verlassen muss. Man verwehrt ihm die Heimkehr, sendet ihn raus, schickt ihn auf Wanderjahre. Man zwingt ihn förmlich, den Hort zu verlassen, einzig auf sein Können und seine Person sich stützend.

Es ist aber kein Rauswurf aus negativen Gründen. Es ist ein Entlassen, ein Stoßen aus dem Nest, damit man eines Tages zurückkehrt, als reife Persönlichkeit und Erfahrene/r. Nicht zu selten wird so eine zurückgekehrte Person zum Meister, Lehrer, Vorbild und neuer Trainer der Jungmannschaften.

Man ist dann - zurückkehrend - im Heute 

der Bessere seines losgelassenen Gestern.




So alle 10 Jahre haben sich meine beruflichen Kernaufgaben verändert. Dazu gehören auch mitten im Leben 10 Jahre Lebenskrise, die ebenso einen persönlichen Reifungsprozess und eine Erfahrung darstellen. Sie gehören zu meiner Karriere dazu. Aber es waren auch 12 Jahre als Dozent, 20 Jahre als Berufsprüfungsexperte, 12 Jahre als Coach. Und jetzt fragt man mich, ob ich die Entwicklung für ein Unternehmergruppe mit 10 bis >100 Leuten gestalten mag. Das entwickelt sich aktuell zur neuen Kernaufgabe.

In dieser Aufgabe ist alles wiedervereint, worauf ich "zurückkommen kann". Ich verstehe Berufsfachpersonen des Gewerbes, Handwerker, Hilfskräfte, Lehrlinge. Mir sind aber auch Juniors nicht unbekannt. Junge Meister, die ihre ersten Führungserfahrungen machen müssen, um Bauleiter oder Projektleiter werden. Und ich bin in Gruppen, wo Gründerinnen und Gründer ihre Anliegen vorbringen. Unterdessen stelle ich Leute an oder begleite den Prozess von Arbeitgebern und Arbeitssuchenden. Und letztendlich stehen Menschen im Zentrum, ob als Einzelperson oder als Gruppe, ob als junge Berufsleute oder reife Unternehmerinnen und Unternehmer. Ich bin in dieser Aufgabe als Entwickler einer Unternehmensgruppe nicht minder wieder Coach, ob Face-to-Face oder in Fragen der Executive. Nicht weniger bin ich Manager, taktisch, operativ und nicht zuletzt strategisch. Und auf alle Fälle bin ich wieder Unternehmer.

Ich mag es sehr, wenn ich die souveräne Qualität von jemandem spüre, die/der es lassen könnte, da plus ultra - darüber hinaus.


Alles was ich vereinbare ist von meinen einst zurückgelassenen 'Gestern' getragen. Gehe ich heute in ein Coaching, ich bin der bessere Coach. Verlangen die Dinge Ertrag, Wirtschaftlichkeit und Gewinn, bin ich der bessere Manager und Unternehmer. Backe ich abends Schnitzel - habe ich doch als Schweizer Koch angefangen - backe ich bessere Schnitzel.

So mag jeder äußerliche Schritt nach vorn für jemanden wichtig sein und auch gut aussehen. Aber 'gut werden' und 'von Güte sein' sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich mag es gefühlt sehr, wenn ich die souveräne Qualität von jemandem spüre, die/der es lassen könnte, da plus ultra - darüber hinaus. 

Jona Jakob, Aschaffenburg
Senior Coach & "Beauftragter" :-)


P.S. Dieser Beitrag ist Daniel Steim aus Horgen gewidmet, unserem Präsident des Yacht Club Horgen. Als ich 2006 von ersten Coachingaufträgen sprach, sagte er: "Du weißt, das Wichtigste, wenn du Coach wirst ist, dass du es sein lassen kannst." Ich verstand ihn zwar, aber ich hätte viele Jahre lang niemandem erklären können, wie das gehen soll. - Danke, Dani.

05.05.18

Anstand hat man - oder man hat keinen.

Kann man in der Rolle als Global Player und Automobil-Weltkonzern entscheiden " ... ehrlicher, offener und anständiger ..." (VW Chef Herbert Diess) sein zu wollen?

Sein Wort in Gottes Ohr, würde der Volksmund sagen. Mir aber blieb die BILD-Schlagzeile im Hals stecken. - Nach Matthias Winterkorn folgt in der Konzernleitung  von VW, ausgesprochen VOLKSwagen, Matthias Müller und nach diesem seit wenigen Tagen Herbert Diess. Die BILD zitiert Herr Diess mit den Worten:

"VW muss anständiger werden." (VW / Herbert Diess)

Die Frage lautet:

Kann man das? Kann man "willentlich anständiger" werden?

Mein Gedanke ist, dass man den Wert 'Anstand / Anständigkeit' nicht wirklich willentlich und damit pragmatisch höher oder weniger hoch praktizieren bzw. leben und damit vorleben kann, gerade nicht als Weltautomobilkonzern. Was Herr Diess ausgesprochen hat, ist die Schimäre an sich. Im Ungesagten äussert Herr Diess, "wir werden aber schon Anteile praktizieren, welche unehrlich, intransparent und nicht anständig sind - vielleicht etwas weniger als bisher, aber doch schon" . So lässt sich das in seine Worte hineininterpretieren.

Wer mir sagt, dass er sich bewusst entscheidet, mehr oder weniger "... ehrlicher, offener und anständiger" sein zu wollen, der sagt mir damit unausgesprochen: Alles, was weniger als das Höchstmögliche in der Sache ist, ist bewusst unehrlich, verheimlicht und intransparent gehalten.

Jetzt könnten Sie mir per Johari-Fenster-Methode erklären, dass es menschlich sei, Anteile des Ichs (ob als Person oder Organisation) a) nicht sehen zu können (Blinder Fleck), b) nicht zeigen zu wollen (Fassade), c) sich nicht bewusst zu sein (Unterbewusstsein). Und das werden meine Fragen und Darstellungen auch nicht widerlegen. Das bleibt so.

Aber im Bewussten, jenem vierten Teil, der aus Fremd- und Selbstwahrnehmung beiden Seiten bekannt ist, kann Herr Diess oder sonst wer eine Äusserung in Sachen Anstand machen, die den Wert Anstand pragmatisch verkommen lässt?

Denn wenn ich als Konzernchef mit dem Wert Anstand willentlich umgehe wie ich will, mal anständiger, mal unanständiger, je nach Bedarf, habe ich in schier unerträglicher Weise mehr schlechte Haltung erlangt, als es einer Vorbildlichkeit zuträglich würde - vielmehr drücken Herrn Diess Worte aus, wie unsäglich macht- und "massregelungsbetont" diese sich von Oben herab in einer unterschwellig verlogenen Demut beugen. Wenn VW sich herablässt, "anständiger" werden zu wollen, wie noch soll man seine Kinder erziehen? Wie sitzt so jemand Sonntags betend in der Kirche?

Bild: Jona Jakob, Mai 2018 / (c) humanness Coaching, Aschaffenburg

Ich schiesse hier nicht auf Hrn. Diess oder VW, die sind gerade aktuell die Beispiele für ein verzerrtes Werte- und Haltungsmanagement, einem Fundament, auf dem wir uns weltliches Miteinander in Vertrauen bauen können sollten. Doch wer damit jongliert, verspielt damit die Sockelwirkung eines jeden Fundamentes, alles fängt an zu wackeln.

Und an dieser Stelle, ob ich (JJ) als Coach, ob als Gedankengerüst (Philosophie) fürs Werte- und Haltungsmanagement, ob als Konzern für globale Verantwortung oder ob als Leader in der Rolle des Konzernvorstandes (Verantwortung) ... mir scheint es nicht möglich, Anstand mal mehr oder weniger haben zu wollen.

Anstand hat man - oder man hat keinen. 

Dies sei nicht zur (vor)verurteilung von Hrn. Diess oder VW geschrieben. Dies sei geschrieben, um sich zu fragen, wie man es für sich selber halten will. Will ich damit je nach Situation umgehen, "wie viel anständig" ich mich verhalte? Oder will ich mein Leben, unser Miteinander und die Arbeit mit Anstand verrichten, bei dem ich mich nach bestem Wissen und Gewissen daran halte, auch wenn es mir mal zum Nachteil gereicht?

Ich danke Ihnen, wenn Sie sich für sich selber mit der Frage beschäftigen mögen.




Nachtrag zu Deon - Pflicht: 

Wenn man anstelle des (neoliberal unterwanderten) Pragmatismus in seiner Haltung verbleibt, also in sich eine Art Pflicht sieht, sich in Fragen zu Anstand nicht jeden Tag neu zu fragen, sondern den Wert Anstand unhinterfragt aufrecht HÄLT (Haltung), kann sich im Feld der 'Deontologischen Ethik' wiedererkennen. Für eine konsequent anständige Haltung gibt es durchaus einen wohl vertretbaren gedanklichen wie bewusst wählbaren Boden und der laviert nicht, auch nicht bei eigenem Nachteil.


03.04.18

Als Coach: Über das Nachdenken nachdenken ...

Vor zwei Tagen stehe ich im zugewandten nachbarschaftlichen Gespräch mit einer Frau, die vermutlich mein Alter hat, so um 55 rum. Es geht mir dabei um unsere Jahrgänge und die Zeit, welche wir beide in der Weltzeit erlebten:

  • Nachkriegseltern
  • 68er Revolte in Deutschland
  • Hippiezeit, Aufbruch
  • Sexuelle Befreiung
  • Emanzipation
  • Intellektuell getriebener, deutscher Terrorismus
  • Mondlandung, Autobahnen, Farbfernsehen, Muhamed Ali ...
  • DER SPIEGEL mit Augstein
  • etc. 

Erst in den 90ern - dreissig Jahre später - das Internet, die Bildschirme drängen sich vor, Börsenhype, Ego nach Schirrmacher - die ganze Selbstoptimierung.

In unserem Alter stehen zwei Generationen am Start oder im Gedränge des arbeitsamen Alltages, welche mit deren 'Zeit der Weltentwicklung' leben. Das bedeutet aber auch, dass sie allenfalls Dinge nie, nicht oder so nicht wirklich erfahren haben.

Und dann stellt im Gespräch die Frau folgende Frage - die mich seither beschäftigt:


"Ich habe mich immer gefragt, ob die (diese beiden Generationen) je gelernt haben, nachzudenken?"

Die Frage ist mE ein Hammer. Gab es für diese Generationen Anlass, nachzudenken? Und wenn ja, von welcher Natur? Wie wurde, wie wird gedacht? Nachdenken, wie notwendig ist das noch? Und wie gelenkt wird es?

Denn wenn uns Algorithmen aus den Berechnungen, mit Ursprung aus dem Kalten Krieg (Schirrmacher), immer nur die 'Optimierte Variante' errechnen und "erkennen" lassen, das Mehr, das Meins, das Haben und Wollen, dann denken wir nicht mehr wirklich, sondern verschaffen uns nur noch den Vorteil (ohne das inhaltlich hier zu bewerten).

Wenn wir aber nur noch das Positive, das Bessere, das Gewinnende und Habende bzw. Besitzende, den Erfolg, den Gewinn und die Optionen im Blickfeld haben, gibt es

a) wirtschaftlich wie politisch keinen Anlass noch nachzudenken und
b) keine Idee, keine Vorstellung für sich oder fürs Gemeinwohl in einer Weise zu denken, welche eine Gesamtschau betrachten würde: Man sucht keine Kritik, kein Negatives, keinen Zweifel, keine Selbstkritik, Moral, Ethik, etc. etc.

Im Not'bedingten Aufbruch der 60er- und 70er-Jahre waren die Zersetzung, die Dekonstruktion, das Nein und die Ablehnung das Mittel, sich aus seiner Lage zu befreien - ja das Denken an sich war der Sprengstoff seiner Zeit. Man erteilt der Lage eine intellektuelle, also erdachte Absage und hatte hierfür entlarvende wie transparent machende Argument bis hin zur philosophischen Schule, Lehre und Sprache. Man war damals "hellwach".

Das könnte mit der Frage der Nachbarin nun in Frage gestellt sein, für 20-, 30- und 40-Jährige, welche im Schutz von Konsum, Marketing, Arbeitsmarkt und der Gesellschaft, last but not least per Smartphone, Internet, Apps und all der Algorithmen, nur den Anteil suchen, der fürs Leben die Optimierung darstellt.

Bild: iPhone von Jona Jakob, 2017, Ägypten Tolle Stühle, in denen ich mich wohl fühlte.

Als Coach, der fast ausschliesslich mit der Reflexion der Klienten arbeitet, sah ich es für selbstverständlich an, dass man als Mensch das Bedürfnis verspürt, mindestens im Coaching nachzudenken - aber vielleicht nun nicht? Oder jemand "kann das nicht", weil einfach nie vorgelebt, gefunden, gesucht, erlernt. Das wäre ja möglich.

Klar, man denkt an all das, was man noch zu tun hat und versucht, ein möglichst geachteter Mensch für andere zu werden, ob in Job, Liebe, Geldsachen oder heute auch in Fragen der Gesundheit, Natur, Gesellschaft. Aber eben, man optimiert "nur" seine Lage, getreu dem neoliberalen Grundsatz: Schaut jeder für sich, geht es allen besser.

Aber Nachdenken ist das noch lange nicht! (JJ)

Und so meine ich, die Frage schuf in mir als Coach ein Bewusstsein ob meine Klienten

- nachdenken mögen
- nachdenken können
- Nachdenken kennen
- auf welche Weise sie nachdenken
- in welcher Zeit die Weise des persönlichen Nachdenkens entstand
- ob es Ängste gibt, nachzudenken
- ob es Sinnlosigkeit gibt, nachzudenken
- ob einfach alles "klar" ist - es kein Bedürfnis gibt, nachzudenken

Das Denken bzw. die Reflexion ist eine Art Kunst und Können, wie ein Instrument spielen, Dinge aus mehreren Perspektiven, Betrachtungsweisen, Werten und Orientierungen und mit der Kenntnis unterschiedlicher Schulen betrachten und für sich selber einordnen zu können. Man muss das nachher nicht für sich annehmen - aber unterscheiden sollte man es können, um etwas freier entscheiden zu können. Denn sonst folgen Sie unbewusst nur dem Algorithmus, der in uns allen bloss rechnet.

Die Frage, zumindest für den Coachingansatz steht also zuerst:

Mögen Sie überhaupt nachdenken? Und können Sie das?
Und angenommen Nein, was schafft das für eine Situation?

Dass ich annehme, was ist, ist schon richtig. Aber neben den Klienten und Klientinnen, die so sind, wie sie sind, ist das Nachdenken ebenso ein Vorhandenes - und ebenso sein zeitlich ganz Eigenes. Danach sind wir dann schon bei der Philosophie - dem schier Ewigen.

Man muss die Frage annehmen und sich ihr stellen, denke ich: Hat jemand nachdenken gelernt - in seinem Leben schon erfahren?

Das ist keine Vermessenheit, das ist wertfrei und damit bedenkbar.  Oder möchten Sie mit falschen Vor-Gaben als Klient - da falsch "angenommen" - ver'kannt werden?



09.02.18

Coach werden - Zwischen "Schein" und Sein

In den letzten Jahren wollten viele Coach werden und haben Ausbildungen absolviert. Nun sind viele als Coach zertifiziert. Sonst passiert nicht viel.

Ich schreibe meine folgenden Gedanken aufs Coach-Werden und Coach-Sein hin, aber natürlich kann ich das für viele andere Menschen, die der Selbständigkeit ihr UnternehmerInnentum schulden aufzeigen und beschreiben:

... der Selbständigkeit das UnternehmerInnentum schulden ... 


1: Man/Frau möchte Coach werden
Okay. Sie wählen eine Ausbildung und absolvieren diese. Nun sind Sie zertifiziert, haben aber einen Teil des Rückhaltes von Lehrcoach, Trainern, der Lehrgruppe verloren. Vielmehr stehen Sie Erwartungen Fremder gegenüber, die Sie meist nicht wirklich zu erfüllen vermögen. In Begegnungen steht eher noch eine Hypothek mehr in Ihrem Leben. Das beschreibe ich mal so, um zu dramatisieren. Ich nenne es den Gap zwischen "Schein" und Sein. Wie Sie das Wort 'Schein' lesen, muss nur Sie beschäftigen.


2: Sie schulden Ihrer Selbständigkeit das UnternehmerInnen'tum
Damit aus dem fachlichen Coachingpaket von Haltung, Verständnis, Werten, Profil und Methoden nun Geld wird, wird Ihnen gewahr, dass neben dem wohlfühligen Zuwenden als Coaching UnternehmerInnentum eine ganz andere Kondition darstellt. Ein massives Paket an  Format, Wissen, Rechten, Pflichten, Belegen, Dokumentationen, Dokumenten, Digitalem, Geistigem Eigentum, Marken, Brands, Webadressen, Impressi, Programmen, Social Networks, Kontakten, Abgrenzungen, etc. etc. etc. - Das meiste davon frisst erst einmal Geld. Gut, das hat die Ausbildung auch getan. Was sich aber noch nicht bewahrheitet hat:
- Sie haben noch Euro 0.-- als Umsatz erarbeitet, Sie haben damit null Erfahrung
- Oder Sie haben doch 300.-- bis 2000.-- Euro erwirtschaftet, was ja kein Gewinn ist
- Und selbst wenn der Betrag höher liegt, die investierten 10'000.-- bis 20'000.-- haben Sie nicht rekapitalisiert. Kein Return-on-Invest, auch keiner in Sicht.
- Und schweigen möchte ich von den Opportunitätskosten, welche Sie in den letzen sechs Monaten an verpassten Einkommen in Ihrer Lage erzeugten. Rechnen Sie einfach, Sie hätten die letzten sechs Monate netto € 3000.-- auf dem Konto gehabt, plus Ihre Steuern bezahlt, die Krankenkasse wäre gedeckt, etc. etc. Hier fehlen innerhalb von nur sechs Monaten nochmals 25'000.-- Euros. So teuer war Ihr UnternehmerInnentum schon.

Sie MÜSSEN (es gibt hier kein SOLLTE, und schon gar kein ENDLICH). Sie müssen UnternehmerIn sein. Sie müssen ein Unzahl neuer Gefühle und Ängste übergehen, Dinge, vor denen man sich sehr oft sein Leben lang bewahrt hat. Ein Beispiel: Sie möchten Ihre privaten Angaben nicht publizieren, sich etwas bedeckt halten. Ja, aber in jedem Impressum hat Ihr Name, Ihre Adresse, haben Ihre persönlichen Kontaktdaten, Telefonnummer und eMailadresse zu stehen. Sie müssen sich rechtlich nackt und greifbar machen. Das tun die Telekom-Vorstände auf Ihrer Handyrechnung auch, sonst schauen Sie ganz unten auf der Rechnung.



Und damit sind wir beim dritten und mE wesentlichen Punkt:

3: Sie müssen Farbe bekennen - oder: Welche Hemmungen verhindern Sie?

  • Ich kann nicht aussprechen, wie meine Firma heißt ...
  • Ich mag niemandem sagen, ich sei Coach
  • Ich getraue mich nicht, den Preis für die Stunden zu sagen ... 
  • Ich wage mich nicht, die Person in diese Räume einzuladen ...
  • Mir fehlen Methoden, Kenntnisse, ich bin nicht gut genug ...
  • Nee, ins Internet mag ich nicht ...
  • Facebook, bloss nicht ...
  • Jaaa, ich bin bei XING, aber ehrlich, ich mag da nichts schreiben ...
  • Ich finde es ja soo schwierig, etwas über mich selber zu sagen / texten
  • Ich kann doch diese nicht / doch das nicht / doch jenes nicht / ...
  • Das würde ich mich erst recht nicht getrauen ....
  • Du meinst, ich sollte zu dem Thema einen Vortrag halten? Nie im Leben! ...
  • Ich kann doch nicht 150.-- Euro die Stunde nehmen ...
  • Von Internet / eMail / Website / Domains etc. habe ich keine Ahnung
  • Die Bilder vom Smartphone hat immer mein Mann am Computer bearbeitet
  • Ich will meine eMailadresse bei web.de oder gmx.de nicht wechseln, dann verliere ich ja meine Kontakte
  • Ich will gar nicht felixmuster@beispiel.de als eMailadresse notieren, dann wissen ja alle, dass ich eine Webadresse habe. 
  • Ich bräuchte ja dann eine Website - und was schreib ich da hin?
  • Wie, ich soll die Kundin mahnen? Das kann ich nicht. 
  • Es ist mir immer schon schwer gefallen,  'Nein' zu sagen ...
  • Ich habe ja soo Angst ...
  • Ich schäme mich, ob diesem / ob anderem / ob jenem / ...
  • Ich kenne ja niemanden ... 
  • usw. usf.


Das sind HEMMUNGEN. 


Das ist kein Nichtwissen!
Das ist nicht unüberwindbar!
Das sind keine Argumente etwas nicht zu tun!

Aber es sind menschliche Hemmungen. Banale Hemmungen, alleine den Mund schon nur aufzutun. Oder jemandem in die Augen zu schauen.

Man muss für die Punkte 2 und 3 Verständnis haben. Jedenfalls für den Menschen, der darin steckt, obwohl dieser sich als 'Zert. Coach' ausweist. Und ob man selber davon betroffen ist, also genau in dieser Situation steckt oder ob man jemanden kennt, dem es so oder ähnlich gehen könnte, es ist ok.

Aber damit zwischen der Dienstleistung der coachenden Zuwendung und dem abzurechnenden Geschäft so langsam Euro für Euro der Geldfluss wächst, müssen viel mehr als jede Coachingkompetenz Standhaftigkeit und konsequente Handlungsbereitschaft (über sich und seine Gefühle hinweg) in Selbständigkeit erfolgen.

Sie MÜSSEN. Sie müssen sich einstellen und bereit sein, sich für die Rolle der Unternehmerin, des Unternehmers herzugeben, mit allen Schweissausbrüchen und Zitterpartien. Es wird sich dann schon einspielen, Sie werden erfahrener. Aber Coach werden heißt, Unternehmerin, Unternehmer zu werden. Selb'Ständige eben.
Und das ist hier keine Predigt oder ein Jakobscher Imperativ. Das ist viel grösser und von allgemein geistiger Gesetzmässigkeit:

Das ist Gesetz - Systemisch inhärentes Naturgesetz! BWL!


Was ist mir wichtig: Ihre Hemmungen
Hemmungen stellt man nicht einfach ab. Hemmungen sind ein allzumenschliches Thema, von der Selbstdarstellung, über Intimes, bis hin zum Geld, die Familie und Krankheit wie Tod. Hemmungen sind schützende Konditionierungen.

Wenn diese Sie verhindern, fragen Sie einen Coach.

Wenn Hemmungen Sie als Unternehmerin, als Unternehmer, als StartUpper, als Franchisenehmerin, als Selbständige und Geschäftende oder verantwortliche Führungsperson verhindern, behindern, verzögern, beklemmen, verunmöglichen - fragen Sie einen Coach.

Ist der unabhängig und sicher genug, weiss dieser, was er mit Ihnen schaffen kann - und wann es allenfalls auch etwas Therapie braucht (nicht mehr sein Kompetenzbereich - also ab zum Therapeuten: für Ängste / Phobien zum Beispiel). Aber wenn Sie Hemmungen wie Richard Gere haben, zu tanzen, dann gehen Sie zu einem Menschen, der Sie in seinem Vermögen einfach annimmt. Aber ändern Sie sich. Sonst fragen Sie Stars nach Lampenfieber ... - die haben noch nach 30 Jahren Lampenfieber. Dann wird man eben professionell.

Hemmungen machen UnternehmerInnenhandeln nicht zu selten so kaputt, dass nichts wird, oder das Ergatterte doch untergeht.

Und bei allen Coaches, die von Erfolg, vom Glück, vom Leistung und Optimierung Ahnung und Kompetenzen haben - für Hemmungen suchen Sie sich besser einen Coach, der vom Menschlichen, von Schwächen Ahnung hat, allein weil er sich selber hierfür nicht schämt.

Danke.






26.12.17

Für Ihr Coach-Jahr 2018 alles Gute

Den Blog, den Sie gerade lesen, den widme ich dem Coach-Da'Sein bzw. dem Coach-Werden. Mir bleibt, wie Ihnen, keine Wahrheit noch ein Rechthaben. Was mir bleibt, ist meine Subjektivität und irgendwoher Wahrgenommenes. Dennoch wage ich eine Aussage in die nahe Zukunft:


Die Figur des 'Coach' korrigiert sich als Angebot im Markt massiv 
und wird in 2018 spürbar seltener, auch teurer, werden. 



Warum meine ich, dass dies so kommen wird?
Mein erster vager Eindruck ist es, dass seit bald einem Jahr die Angebote für "Neurolinguistische Programmierung - NLP" stark rückläufig sind. Ich mag mich nicht erinnern, wann ich letzte Angebote wahrgenommen habe, wo es in 2016 davon nur so hagelte. NLP-Coaching an einem Wochenende oder in wenig Zeit an sich. Es scheint mir, vorbei zu sein. 

Zweite Beobachtung: Der Coachingbegriff wird aktuell zur Hauptsache mit Führungsaufgaben verwendet, also mit unternehmens'verfremdeten Zielen und Mehrleistung. Mit dem Coachee haben diese Ziele meist sehr wenig zu tun. Es geht um noch mehr Leistung, Motivation, Resultat und Gewinn. Es mag vielleicht noch um einfühlsameres Führen gehen, aber wozu dieses genau gut sein soll, steht noch nicht exakt auf einem Blatt, kann auch dieses missbräuchlich verwendet werden. Schelm, wer böses denkt. Coaching als Führungs- und Kommunikationsfähigkeit ist mE der aktuelle Stand der Dinge. 

Warum war bzw. ist beides so erfolgreich in den Unternehmen verbreitet, ob NLP oder Führung? Weil es dem reinen Coachinggedanken entwichen ist. Es hat sich beides auf mehrfach pragmatische Weise verselbständigt und bedient sich auch gegenseitig: Die Unternehmen wollen die Ziele bestimmen, die Trainer wissen methodisch, wie diese (direktiv) zu erreichen sind. Spüren Sie, wie Sie als Mensch dabei erneut nicht gefragt werden? Okay, vielleicht im Coaching, da wurde Ihnen und Ihren Scrum- oder VUCA-Problemen mehr empathische Aufmerksamkeit geschenkt und Sie fühlten sich ein Stück bereiter, Ihre Knotenpunkte mitzuteilen, sie in die Teamarbeit einzugeben, Ihren Beitrag damit zu leisten, Agilität zu schaffen. - Aber wurden wirklich Sie gefragt? 


Das Verschwinden vom Markt, welches ich prophezeie ist durch eine alte Erfahrung bedingt: 

Was "man lernen kann" geht vergessen! Oder man müsste es, wie seit bald 100 Jahren Verkaufsschulungen in unzählig sich wiederholenden Sales-Trainings wiederholt und wiederholt und wiederholt auffrischen. Egal, ob als frisch gecoachte Team-, Projekt- oder Abteilungsmitglieder oder als deren Führerschaft. 

Erlernbares ist zu simpel und nie wirklich emanzipierend - es ist einem fremd und nur Mitttel zum (unternehmerischen und damit fremden) Zweck: 
  • Es lässt sich in Lehrbüchern niederschreiben
  • Es lässt sich als Ratgeber verkaufen
  • Es lässt sich in Checklisten fassen
  • Es lässt sich in Methoden binden
  • Es lässt sich in Vorträge und Präsentationen zeigen
  • Es lässt sich kaufen
  • Es lässt sich auf aktuelle Unternehmensziele hin anpassen und zusammenstellen
  • Es lässt sich coachen
  • Es lässt sich trainieren
  • Es lässt sich lernen
  • Es lässt sich prüfen
  • Es lässt sich führen
  • Und damit lässt es sich auch gleich wieder gerne vergessen
Das Meiste von dem, was aktuell im Zusammenhang mit dem Begriff Coaching verkauft und angewendet wird, ist für die Beteiligten auf "Lernstufe" kleingemacht, folienformatig und in Einheitshappen zu verarbeiten. Man kann darin richtig fleissig sein. Man kann es auch gewichtig printen und aushändigen (in sogenannten 'Showordnern', wie mich mal einer aufklärte). Hat man mit 'Coaching' einen Aktenordner voll verarbeitet, muss es das Richtige sein. Du meine Güte - denn Erlerntes ist in der Regel zu mehr als 90% Vergessenes. Alleine wie unsere Gehirne arbeiten, ist es nicht abwendbar, dass all das Methodenfutter ins Brackwasser schwemmt, uns abhanden kommt und uns bei neuen Problemen nicht mehr einfällt - weder als Betroffene noch als Führungskraft. Es mag Ausnahmen geben. 


Was bedeutet das für den Begriff Coaching und was bedeutet es für Menschen, die gerne Coach werden möchten?

Bild: Shutterstock, lizensiert / Text: J. Jakob
Es bedeutet, dass etwas ganz anderes geschehen muss, damit jemand Coach wird und Coach ist, und das, was dieser Mensch dann praktiziert, auch Coaching ist, wie es die Lehre vorsieht.

Coaching ist keine Ausbildung oder deren Zertifikat. 

Coaching ist eine Haltung, also eine bestimmt erarbeitet
Sicht- und Denkweise, die man als verinnerlichte
Haltung und Lebensweise lebt.

Jona Jakob, 2017 



Der Unterschied, der 2018 weiter sich auswachsen wird, ist, dass Coaching eine Haltung ist. Eine Haltung ist eine lebensbestimmende Einstellung. Da kann man nicht mal eben duschen und sich dabei möglichst nicht nass machen. Wer ein Coach werden will (m/w), wird sich mit Haut und Haaren und seiner restlichen Lebenszeit engagieren müssen - oder er/sie wird nicht wirklich Coach. Das macht den meisten gerade nach Ausbildungen und Zertifikaten Angst

Angst, sich lösen zu müssen, mit Eltern brechen, mit Anerzogenem, mit Konventionen. Man muss irgendwie dauernd vorbildlich wirken, muss selbständig denken können, man muss schon in einer Vorschusshaltung und ständigen Bereitschaft aufstehen. Nichts ist mehr selbstverständlich und schon gar nicht tragend. Die Wege sind selber zu beschreiten, die Worte selber zu formulieren, das Zuhören über die eigenen Gedanken zu stellen. Und ist man am Tag fertig, ist ein von-der-Seele-Plaudern auch nicht drin. Man darf sich nicht mehr kaufen lassen, selbst eine reiche Zahl an alten Identifikationen sind abzulegen, um neutral sich anzubieten und über Allem ist beständig eine Art Hygiene, Authentizität und Klarheit zu wahren. 

Es eröffnet sich dahinter eine verlockende Freiheit und Lebensqualität, es ist aber auch eine hohe Zahl an Ängsten und Unsicherheiten der Ablehnung und der Missverständnisse zu überstehen, Dinge, vor denen man sich nicht zu selten ein Leben lang verschont und verstohlen hat, von einem monetären unabschätzbaren Darben mal ganz abgesehen. Warum sollte man das nun ändern möge? Ich kann Ihnen keine Antwort geben: Sie werden Coach mit Haut und Haaren oder halt nicht, was auch ok ist. 

Was aber im Markt von Angebot und Nachfrage dieses Sein-oder-Nichtsein klären und bereinigen wird, ist der Umstand, dass eine verinnerlichte Haltung - ob als Coach oder im eigenen Prozess als Coachee - nicht vergessen werden kann

Eine Haltung ist nichts Gelerntes. Eine Haltung ist eine Einstellung, ein gewaltiges Willens- und Gefühlsding, eine Kraft und Unabdingbarkeit - es geht einem einfach nicht anders, als in dieser Haltung, man wäre ohne diese Haltung nicht sich selbst. Sowas geht nicht mehr weg. Im Gegenteil, das festigt und vertieft sich. Und es ist mehr und mehr in keinem Moment mehr zu verhandeln. Diese Haltung wird es sein, welche Coachs zu Coachs macht und sie auszeichnet. Diese Haltung wird es sein, welche Coachees spüren lässt, sich verändert zu haben, mehr sich selbst werdend, eben als Mensch, als eigene Person - und selbst wenn für das Unternehmen, dann doch nicht dessen wegen, sondern weiter einzig aus einem selbst heraus. Auch das: Das kann nicht in die Vergessenheit der schnellen Politur geraten, es geht in die Gene, die DNA und macht einem. Das ist dann da. Und das Geld wert. 

Und das macht für alle dann den Unterschied in 2018. Sage ich mal so. 

Sie segeln dann auch - und wissen ohne mit der Wimper zu zucken, wie das ganz vorne genau geht. Sie kennen sich dann und wissen daher dann, was genau Sie brauchen. 

Für dieses und die kommenden Jahre Ihrer Wege wünsche ich das Beste - werden Sie Coach.

Mit herzlichen Grüssen

Jona Jakob

P.S. Meine Liebste und ich schauen zu gerne Castingshows, DSDS oder TVOG. Und dann treten junge Menschen auf, die ganz toll singen. Okay. Aber wenn eine Musikerin oder ein Musiker auf die Bühne tritt, merken wir das immer sofort. Singen und in seiner Haltung ein/e MusikerIn sein, das sind zwei gänzlich andere Dinge. Der Satz: "Ich liebe Musik - ich möchte davon leben können," reicht nicht. 

P.P.S. Wenige Meter meinem Büro gegenüber arbeitet ein junger Mann in einem Cafe. Er ist ein sogenannter "Barista". Sie mögen vielleicht denken, kann sich ja gleich "Kaffee-Coach" nennen oder so. Ich liess mir ein paar Wochen Zeit und beobachtete, dass der Kerl in seinen jungen Jahren nicht einen einzigen unkonzentrierten Handgriff macht, vom Wischlappen, bis zu Hebeln und Knöpfen, Tassen, Gläsern, Kännchen, Milch, Wasser, Bohnen, Dampf und weiß der Herrgott noch was alles. Er komponiert, er spricht mit dem Kaffee, er dirigiert den feinen Milchschaumstrahl aus dem Kännchen in den Schaum des Espressos. Und er weiß einfach alles über Kaffee, Milch, Wärmegrade und Wasserhärte. ALLES. Trinke ich dann meinen Cappucino, war das schier eine kleine Mahlzeit, so fett und mundig, wie hier Kaffee und Milchschaum eine Symbiose bilden. Der Mann hat das niemals nur gelernt - der Mann hat in der Sache eine übernommene, also verinnerlichte Haltung, das ganze Team inklusive. Diese Haltung wird der junge Mensch nie wieder ablegen können, auch wenn er später mal wo Musikplatten auflegt oder ein Boot steuert. Nie wird er die Sorgfalt vermissen lassen, die hervortritt, wenn man mit Haut und Haaren und mit seiner ganzen Seele sein Werk verrichtet, einer demütigen Pflicht gleich. Haltung. (Cafe Karacho, Aschaffenburg)