05.04.17

Rezension zur Neuerscheinung: 'Ich will Coach werden' - Buch von Frau Dr. Brigitte Wolter (Budrich Verlag / amazon.de)

Man hält einen exzellenten Reiseführer in der Hand und meint dann, die Reise werde eine leichte.

Ich las das Buch mit mehr als 10 Jahren Praxiserfahrung in Zürich und acht Jahren Coaching in Frankfurt am Main. Ich erwischte mich mehrfach bei einem „Pahh!“ oder einem „Ffttt…!“, ganz einfach, weil das kritisch erfasste Thema, Coach werden zu wollen, von Frau Brigitte Wolter jene Erfahrungen in mir anklingen liess, an denen ich über die vielen Jahre am meisten zu leiden hatte und auch am schwersten mit mir rang. Coach zu werden hat mehr von mir abverlangt, als ich das vermitteln könnte.

Mit Einwilligung der Autorin und des Verlages. / Bild: Jona Jakob

Das Buch enthält mE alles. Vielmehr enthält es so viel Essenz der Essenz, dass man als Einsteigerin oder Anfänger vielleicht nicht zu erkennen vermag, wie weit die Tragweite einzelner Kapitel, Informationen, Sätze bis hin zu einzelnen Worten gehen mag. Wenn ich aber das Gelesene mit meiner Selbsterfahrungen zum Coach vergleiche, kann ich getrost bestätigen: „Jammer nicht, in dem Buch stand / steht alles drin.“

Meine mir wichtigsten Stellen sind:
  • Hinweise auf das Nicht-Direktive im Coachingverständnis
  • Auszüge mit Bezug zu Carl R. Rogers wertfreien Annahme und Personenzentrierung
  • Dass profunde Coaches nicht nur über eine Coachingausbildung verfügen (Sekundärausbildung), sondern meist über viele Jahre länger dauernde Grundausbildungen der humanistischen Psychologie (PCA / TA / GT / HPP / etc), bezeichnet als Primärausbildungen.

Obwohl die Geschäftswelt und nicht zuletzt der Mensch selbst gerne Scheu vor reflektiven Berührungen in Sachen der eigenen Psyche hat („Ich will hier keinen Seelenstriptease veranstalten!“), ist ein ‚Coach‘ ohne eine humanistisch geprägten Grundschule der Psychologie irgendwie ohne Fundament. Im Aussen mag das weit von sich gewiesen werden – aber alleine das millionenfach vermittelte ‚Eisberg-Modell‘ stellt eindrücklich dar, dass mit jedem Menschen eine Untiefe an Seelischem mit einher geht. Es wäre ein arger Witz so zu tun, als könnte man den psychologischen Anteil aus Coachingprozessen ausschliessen. Es gibt für erfolgreiche Coaches mE kein Drumherum, Coaching basiert auf einer psychodynamischen Kombination von Mensch, Sache, Erkenntnis und Lösung. Und darauf weist das Buch hin, ob von Frau Dr. Brigitte Wolter beschrieben, als auch in Form zitierter Zeilen des DBVC.

Und achten Sie sich – das Buch sagt deutlich:
  • Ich verdiene sehr lange nichts – und wenn doch mal, reicht das nicht.
  • Eine Coachingausbildung garantiert nichts.
  • Woher Sie Kunden gewinnen, ist eine zweite aber ganz andere Kunst.
Ich könnte hier hinschreiben, dass ich niemandem empfehle, Coach zu werden. Doch lieber schreibe ich, von welch fantastischer Freude und grossem Erleben es ist, jemandem nach Jahren zu begegnen, die bzw. der „damals noch“ davon sprach und heute spürbar jener Mensch wurde, die bzw. den ich für einen Coach halte. Man steht vor der Person und fühlt sich wohlig als auch gesehen, angenommen und bestätigt.

Coaching ist keine Wirtschaftstheorie, die man beratend in den Markt drückt. Coaching ist die Kunst einer persönlicher Haltung,
die von Menschen am Mensch selbst nachgefragt wird.

Jona Jakob


 Die Aufgabe und das Gelingen liegen also ganz bei Ihnen. Im Werk von Frau Wolter – lieben Dank dafür – steht alles drin. Die Frage ist nun nicht, ob Sie es verstehen, sondern ob Sie das alles in sich zu erkennen vermögen. Wenn Ja, ... 

Bild: (c) bei Jona Jakob, privat

Go ahead!


Link zur Homepage von Frau Wolter: brandinvest.com

07.03.17

Als Coach werben mit 'Mitteln / Methoden / Strategien' - Erweist die Coachingbranche damit ALLEN einen Bärendienst?

Kann man mit Methoden, mit Mitteln, 10-Punkte-Plänen oder Apps für Coaching werben? Oder tun wir der Klientel und last but not least der Coachinggilde einen Bärendienst damit?

Ich schreibe gegen Windmühlen an, wenn ich erkläre, gerade Coaches sollten nicht mit 'Mitteln und Methoden' werben. Es gibt andere Wege, auf sich aufmerksam zu machen, aber was wir nicht tun sollten, ist mit Aussagen werben wie
  • Ihr 10-Punkte-Leistungsprogramm mit Erfolg
  • Lernen Sie danke XY-Methode ihr persönliches Potential kennen
  • Dank der ABC-App glücklicher und zufriedener
  • etc. 
Solche Werbebeiträge sollten tunlichst gelassen werden - denn sie sprechen gegen zwei Grundsätze von Coaching: 

a) Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe - der Coach sollte ohne eigene Absichten oder Strategien bei den Anliegen des Klienten bleiben und

b) Es sind keine Versprechungen zu machen, weder für Erfolg, Glück, Leichtigkeit oder sonst etwas.

Doch täglich und zuhauf wird so geworben. Was erzeugt das bei genauer Betrachtung? 

1. Es erzeugt ein nie gewolltes Top-Down, der Klient wird dem Experten unterstellt. Der Coach weiss schon, "was für dich und deine Problemchen gut ist". 

2. Es geht damit einher, dass sich die Klientel von Anbeginn unterstellt, folgt und sich damit nicht wirklich in authentischer Eigenheit emanzipiert, sprich: entwickelt. Die Klienten ändern sich, aber nicht im humanistischen Sinn. Sie werden vielleicht sogar "besser" - aber wozu genau? Für mehr Geld, Karriere, Materiellen Gewinn, Leistung? Aber wird die Klientel auch Mensch im Sinne der Individuation? 

Man könnte genau so gut zum Arzt gehen - dem Gott in Weiss, ein eingefleischt anerzogenes Verhältnis seit der kindlich/elterlichen Erziehung, seit der Schüler-Lehrer-Erfahrung, dem Lehrmeister, den Offizieren im militärischen Dienst, dem Arzt, dem Rechtsanwalt, den Behörden, schier allen. Was bekannt ist, wird weiter gepflegt, nämlich folgendes gebürtiges Verständnis als Ordnung eines nicht bewusst gemachten Weltbildes:

Ich bin nicht ok - Du bist ok!

Dieses immer wieder sich einschleichende Verhältnis nährt sich parasitär von zwei Seiten gleichzeitig und verschlingt eine unvorstellbare Quantität und Qualität an eigentlich möglich lebbarem Leben:

c) Das meist unbewusste aber lebenserfahrene (Selbst-)Verständnis, ich bin die unerfahrene Person und du bist die/der Experte, alleine in den ersten 20 Lebensjahren zur genüge verankert, scheint zwar auf den wachen Blick hin "nicht so schön" - doch der guten Ordnung halber und auch wegen der bequemen Einfachheit wegen, stellt dieses Unterstellungsverhältnis eine enorme Komfortzone für Unselbständige dar. Du bist die Lokomotive und ich bin der Wagen - bitte zieh mich. 

d) Aus nicht zu knapp eigener Unsicherheit, wie man emanzipiert lebt  (und es als gebackener Coach tunlichst tun sollte - so das Gebot) übernimmt man, eitel oder selbstgefällig wie man ist - also irgendwie nicht wirklich fähig, wenn man ums Goldene Kalb Coachingmethoden tanzt -, den "Expertenstatus". Man/Frau "stellt sich über" - das ist nicht nur ein Fauxpas, das ist der Verrat an der Sache 'Coaching' selbst. Da folgt das missbrauchte Prinzip den Gedanken Julien Bendas und dem Verrat der Intellektuellen. Man scheppert laut mit seinen "heilsamen Mittelchen", getüncht im Anstrich des positiven Denkens sowieso - und verdreht einfach mal die Verhältnisse, verkennt dabei jede Realität des Lebens per se. 

Man scheppert laut mit seinen "heilsamen Mittelchen", getüncht im Anstrich des positiven Denkens sowieso - und verdreht einfach mal die Verhältnisse,
verkennt dabei jede Realität des Lebens und 
damit den gegenübersitzenden Menschen per se. 


Nicht zuletzt erzeugt das jene Sekunde betroffenen Schweigens, wenn mich jemand fragt, was ich arbeite und ich sage, ich sei Coach! Gleich zuckt die Person gegenüber zusammen und versucht mit einer Strategie der Ablehnung nur EINES: Sich in der gerade noch geruhten Position mir gegenüber bewahren zu können. Sage ich 'Coach', vermittelt das sofort das Gefühl von "Ich Experte - Du niemand". Damit ist die Sache kaputt. Richtig kaputt. Bin ich als Coach wach genug, lehne ich so jemanden ab, weil der, (siehe unter c) oben), gerne "in ein Coaching kommen würde" als läge er/sie sich dabei gemütlich auf den Massagetisch eines Wellnesstempels. Coach, mach mal. 

Das, liebe Berufskolleginnen und -kollegen, ist in sich sein Untergang. Und wenn nicht, laufen doch Millionen von Euros über die Tische und der Markt brummt, erzeugen wir anstelle von Menschen, die sich selbst verantworten und tragen, die unabhängig und emanzipiert bewusst leben wollen und dank selbstkompetenter Entscheide ihr Leben formen und gestalten, erzeugen wir optimierte Lämmer - aber weiterhin nur Lämmer. Der Methodenkasten als Elternersatz für Erwachsene, eine Art neue Bevormundung per se - denn gibt es diese gute Methode, sollte man sie schon nutzen.

Aber das ist das Gegenteil von Coaching. Basta. 

Coaching ist eine wunderbare Chance


Coaching ist eine wunderbare Chance - aber für die Menschen als Klientel, nicht für die Methoden, Mittel, Theorien und Wissenschaften. Diese haben sich zurückzuhalten, bis der Coachee äussert, an dieser oder jener Stelle Bedarf zu haben und ein Angebot zu wünschen. Erst dann sollte ich als Coach Möglichkeiten aufzeigen, Zugänge als Input anbieten (nicht intentiös auf Erfolg bedacht aufdrängen - auch nicht als "gut gemeint für die Klientschaft") allenfalls Brücken bauen. Coaching bleibt aber: die Klientin bzw. der Klient baut sich seine Brücke selber. 

Wie also kann ich ein Werbeposting in Fachblättern, Foren, Netzwerken und der digitalen Welt hervorstellen, welches ungefragt mit Gedanken und Verführungen wirbt, welche noch nicht eine Silbe nach den Anliegen des Kunden gefragt haben und was der braucht? Weiss ich als werbender Coach nun schon im Voraus, "was Du brauchst"? Oder soll ich im Sinne des 80er-Jahre-Marketings einfach "mal" ein paar Bedürfnisse wecken, die in dir schlummern? Werde ich fahrender Heilwasserverkäufer, wie damals im Wilden Westen? Heil'Praktiker?


Liebe Leserin und Leser

Wenn Sie selber ein Coaching als Begleitung für sich in Betracht ziehen, können Sie sich in allen Punkten stets fragen: 
  • "folge" ich den Angaben, Aussagen und Angaben, die mir zu einem Coach vorliegen? oder
  • "entscheide" ich aus eigenem Antrieb, wonach mir ist und was ich gerade brauche?

Liebe Coachingkolleginnen und -kollegen

Sind wir uns noch im Klaren? Sind wir allenfalls einfach nur pragmatisch für den finanziellen Erfolg? Oder kann es sein, dass wir uns einen massiven Bärendienst erweisen? Denn was genau waren die (nicht zu leicht nachvollziehbaren und komplexen) Gründe, warum Ärzte, Rechtsanwälte und Therapeuten nicht für sich werben durften? Hatte es da nicht sein Gutes dabei? 

Und stünde es uns selbst nicht an, bedacht und mit hohem Bewusstsein für ein humanistisch würdiges Menschenbild so zu werben - was durchaus möglich ist, zum Beispiel mit Ihrer Authentizität oder Transparenz, Greifbarkeit, etc - dass die Möglichkeiten des Menschen vor vorausgehenden Einflüssen bewahrt werden - wenigstens so weit, dass die eigene Entscheidungen fällen? 

Und last but not least: Wie sehr verstecken Sie sich als "Expertin bzw. Experte" hinter Ihren Methoden / Mitteln / Strategien und Plänen? Wie viel 'Pseudo' ensteht damit sogleich? Fehlt Ihnen das Format, sich zurückzuhalten, bis der Klient in den Ring tritt? Muss das Top-Down aufrecht gehalten und manifestiert werden? Stresst ein Sein im Gleichstand auf Augenhöhe? Haben Sie innere Panik falsch interpretiert zu werden, wenn Sie in lethologischer Haltung verbleiben? Sind Sie es eigentlich, der/die die Methode "braucht"?

Wenn Sie, was ich nicht bezweifel, Expertin und Experte sind - das ist in den meisten Fällen der Branche solide vorhanden - dann würde es Sie als solche doch eher auszeichnen, mit den notwendigen Werbebotschaften so umzugehen, wie es unser aller zugrunde liegende Gedanke, was Coaching per definition ist - und WOZU! - nämlich dann so zu werben, dass Klienten in eine eigens erweckte Reflexion geraten und dabei aus freien Stücken auf den Gedanken kommen, wo und mit wem Kontakt aufzunehmen. Es würde aus dem Sollen ein Wollen. 

Das Goldene Kalb 'Coachingmethode' - Echtes Expertentum nimmt sich da weg und unterlässt das so ideal wie möglich. Echtes Coach-Expertentum fordert seine Klientel heraus, kritisch zu bleiben, Abstand zu wahren, sich bei der Investition selber zu verantworten. Echtes Coach-Expertentum nimmt die Hand vom Rockzipfel, an den man sich so gerne klammern würde, ob als Coachee klammernd am Coach, ob als Coach klammernd an seinen Methoden. 

Wissen Sie, ich möchte wo sitzen und gefragt werden: "Was arbeiten Sie?" und dann mit "Coach" antworten, so dass ein gutes Verständnis und eine entspannte Akzeptanz im Raum steht. 

Oh ja, andere Wege sind anstrengender, bestimmt, da gebe ich Ihnen Recht. Nur: Wozu sollte der Klient aus seiner Komfortzone aufbrechen, wenn Sie als Coach nicht mehr tun, als gerade mal den einfachsten Weg wählen und hierfür die fachlich notwendigen Verhältnisse verdrehen? Der Klient merkt den Beschiss, kauft, zahlt, ändert nix und gibt der "unfähigen Branche" die Schuld. Hat er Recht. 

Mit besten Grüssen

Jona Jakob
Zürich Bern Frankfurt Aschaffenburg



21.02.17

Vorsicht Auftragsannahme: "Ein Coaching soll es zum Schluss noch richten."

Dieses Posting befasst sich mit Gedanken, ob ein Mensch in sich selber stabil sein kann oder nicht. Gibt es ein Fundament, auf dem die 'Coachbarkeit' gewährt wird - oder verdrängt der potentielle Coachee, dass er/sie sich da etwas vormacht?

Nicht jede Lebenssituation, in der ein Mensch sich erlebt, ist 'coachbar'. Das ist nicht meine Meinung, sondern das misst sich an ethischen Grundsätzen, die einen Coach und Coaching vom Zweck von Therapien und Therapeuten unterscheidet.

Coachbar ist, wer eine intakte Selbstbestimmungskompetenz mitbringt, eine Form von Unabhängigkeit, ganz besonders von einer inneren Stabilität, die vorhanden sein muss und die jeder Mensch nur mit sich alleine ausmachen kann.

Dieser Beitrag beleuchtet die Thematik hinsichtlich der / (meiner) Situation, Coachings anzubieten. Nicht für jeden Menschen ist dieses Angebot nutzbar - spätestens ich als Coach habe die Verantwortung, momentan nicht coachbare Menschen darauf hinzuweisen, was als Coaching ethisch korrekt angeboten werden darf und was ich abzulehnen habe. Und ja, diese Menschen haben in dem Moment noch keine neue Lösung, falls abgelehnt.


Erkennungsmerkmal I: 
"Ich bin meine Baustelle. Schon seit eh ..." - und ich habe keinen Gedanken daran, nicht mehr mein Thema zu sein, weder für andere noch für mich selbst.
  • Das geht nicht.
  • Das wird nie von Erfolg gekrönt sein.
  • Das täuscht und belügt einem selbst
  • Kein Coach sollte hierfür die Hand reichen, sonst wäre das ethisch nicht haltbar 

Erkennungsmerkmal II: 
"Ich bringe (als Problemorientierung / allenfalls als Komfortzone) gleich meine ganze Krankengeschichte mit." Gleich werden alle Therapien, Ärzte, Medikamente, Behandlungen und Selbsterfahrungen aufgezählt. Eben: was man schon alles gemacht hat - nun soll das Coaching die letzte Rettung werden. Ist menschlich verständlich, geht aber nicht und gehört sich auch nicht. Spätestens hier sagt ein professioneller Coach STOPP.


Erkennungsmerkmal III: 
"Ich bin sooo schlau, ich kann alles hinterfragen, besonders mich selber - und auch Sie, Herr Coach, vermutlich schaffe ich es auch, sie zu zermalmen und so neu zu bestätigen, dass ich ein hoffnungsloser Fall bin." Ja, klar. Dann brauchen Sie sich nämlich mit fremder "Schuld"-Zuweisung nicht zu bemühen, aus Ihrer Unfassbarkeit / Unbrauchbarkeit / Instabilität herauszukommen.
Hinweis: Es entsteht dabei das Karpmansche Opfer-Täter-Dreieck.

Aber das sind die Ziele eines Coachings
  • Brauchbarkeit
  • Verwendbarkeit
  • Einsatzfähigkeit
  • Selbsterhalt
  • Berufstätigkeit
  • Einkommensfähigkeit
  • Stabilität
  • Kontinuität
  • Wachstum
  • Realisierung
  • Selbstkompetenz
  • Sozialkompetenz
  • Selbststeuerungskompetenz
 ... last but not least eine höhere Form von "Problemlosigkeit / Funktionieren". 

Mit der Drama-konzipierten Krankengeschichte erklärt jemand der Welt, dass es mit mit seiner Person "nicht geht".

Das lässt sich auch nicht coachen oder weg'coachen. Es geht nicht. Bleibt ok. Ist menschlich. Kann echt so sein, was mir auf jeden Fall leid tut. Und das muss vielleicht sonst wie betreut, geholfen, gestützt und begleitet werden. Aber nicht per Coaching. Coaching bleibt Hilfe zur Selbsthilfe, wo jemand seine Selbstverantwortung in die eigenen Hände nimmt. Bildlich gesprochen: 

Das Schiff muss schon schwimmen, 
wenn jemand neue Segel setzen will. 

Was kann erkannt werden? 


Ob für Coaches oder besonders für Coachees die Betroffen sind:

Wenn der Mensch zur Welt kommt trägt er im Normalfall ein Grundvertrauen in sich. Es ist klein und fein, aber es ruht dort wie im Babyschlaf. Dieses Urvertrauen wächst normalerweise mit dem Menschen sein Leben lang mit. Aber: es kann jederzeit aus der Ruhe geraten oder so schwer gestört werden, dass es aus seiner Verankerung ausbricht.

Das Urvertrauen ist unser inneres Fundament. Ein Fundament ist ein schwerer, passiver Sockel, auf dem gebaut werden kann. Man baut darauf Häuser, Türme, Windräder oder Maschinen. Viele Fundamente sind nicht nur Betonsockel, sondern innerlich durch Armierungseisen verwoben und elastisch eingegossen. 

Jetzt kann es sein, dass dieses Fundament bei einem Menschen in einen Zustand gerät, den ich mal 'Pudding' nenne. Das Ding ist darin nicht 'funktionstüchtig', als dass es 'weich' wurde. Es könnte auch gebrochen sein, gerissen, abgebröckelt. Aber nein, unser Fundament eines Coaching-Suchenden ist weich geworden. Es wackelt und rubbelt, schubbert.  Es gerät in ein Schwingen. Alles, was darauf gebaut wurde oder gebaut werden soll, erzeugt ein Unvertrauen in sich selbst, weil unten der Boden schwimmt. So beschreibe ich das mal. Selbst wenn das Fundament oben und im Aussen den Menschen noch zu tragen vermag, wirkt dieser auf einem:
  • fahrig
  • nervös
  • umtriebig
  • sprunghaft
  • provozierend bei gleichzeitigem Rückzug
  • im Ja-aber-Modus
  • im Ich-weiss-ich-weiss-aber-es-ändert-sich-nichts-Modus
  • etc. 
Der Grund hierfür ist aber nicht, dass man einen schlechten Tag hat. Der Grund liegt darin, dass von den aufgezählten Eigenschaften 4-6 gleichzeitig auftreten, weil diese meist gedanklich hinterlegten Reaktionen alles, aber auch wirklich alles hinterfragen und anzweifeln. Und so zweifelt ein solcher Mensch sich selber an, bis das Fundament weich wird und die Bestätigung einer Form von 'Defekt' sich ganz besonders darin bestätigt, dass nun "auch noch" das Fundament anfängt zu wackeln. 

Ich verurteile das nicht und bewerte es auch nicht. Aber ich schreibe den Beitrag, weil das von der Idee 'Coaching als Chance' nicht getragen werden kann. Nochmals: es geht nicht - kein Coaching kann in dieser Situation irgendwas "richten".

Wenn also das seelische Fundament, das Selbst- oder Urvertrauen eines Menschen durch diesen nicht stabil gehalten werden kann, ist ein Coaching - egal in welchem Themenbereich / Situation / Kontext - zwar realisier- und bezahlbar, aber es wird nicht wirken. Man kann mit dem Geld auch was Essen oder Shoppen gehen.

Denn nicht zu selten, werden a) die Inputs und b) besonders gerne die Selbsterkenntnisse - also die eigenen Gedanken - erneut in Zweifel gestellt, hinterfragt, für nicht haltbar erklärt und so dreht sich die Pudding-Wubbel-Spirale weiter. Der Absturz und Frust ist vorprogrammiert.


Wo ist eine Umkehr? Was kann ein Coach aufzeigen?:


Der Gedanke ist, den Wunsch in sich zu finden, nicht mehr sein eigenes Thema sein zu mögen. 

Jedenfalls nicht mehr das bisher 'alte' Thema. Der potentielle Coachee müsste in sich wollen, von der Baustelle abzulassen, sie nicht mehr zu thematisieren und auch aus der Baustelle keine weiteren Schlüsse mehr zu ziehen. Ein Coachee müsste sich wünschen, endlich in sich Ruhe zu haben, was mit einer Stille und irgendwie "Lahmheit" vonstatten geht. Alles wird normal. Damit wird es auch irgendwie unscheinbar, unaufgeregt und allenfalls etwas langweilig. Fertig Nervenbündel - Fertig Selbstzweifel. 

Wenn also jemand für eine Krankengeschichte "hätte", müsste dieser Mensch Kontakt aufnehmen und nur sagen: "Ich will wieder arbeiten und eine Beziehung leben können." Basta. 

Die Vorgeschichte dürfte nicht wirklich in seine neue Zukunft mit rein - die müsste, wie ein Hund, draussen bleiben - und das muss der Coachee in sich klar so halten wollen. Weil er sich sagt: Basta, ich bin stabil, ich frage mich nicht zugrunde, ich bewahre in mir Werte und Qualitäten und ich bin nicht labil sondern stabil. Auf dieser Basis will ich mit einem Coaching die Eigenschaften und Einflüsse meiner Situation und Entwicklung kennen lernen und mich noch besser aufstellen und selbst bestimmen können. Ich nehme mir meine Zeit, ich bezahle den Aufwand selber und ich baue jetzt auf. Ohne die alten Geschichten. 

Als Autor brauche ich nicht von Dingen zu schreiben, die betroffene Menschen dennoch gefangen halten. Und das will ich auch nicht. Als Fachmann bin und will ich aber davon schreiben, was in der Anlage, im Setting des Coaching bzw. des Coach-Klienten-Verhältnisses und last but not least dem Coaching-Vertrag nicht geht. Fehlt das stabile innere Fundament des Klienten, fängt das Fundament des Coachings an zu Pudding zu werden ... und das alleine schon gefährdet auch mich. Als professioneller Coach will ich das nicht. Für Sie nicht. Für mich nicht.


Was Sie mich als Coach im Vorgespräch zumindest fragen können: 


a) Bringe ich die Voraussetzungen für ein Coaching mit? 

b) Und wenn nein oder vielleicht nicht, wer oder was kann mir dann eine Begleitung, Massnahme oder Hilfe sein?

Solche Fragen und Bescheide gehören ins kostenfreie Vorgespräch. Daher: Weiterhin gerne den Kontakt aufnehmen und nach Klärung suchen. Aber sobald etwas in Ihnen den Coach als "Retter oder letzte Rettung" sieht, läuft etwas falsch ab - sie verklären dann die Situation. Nur wenn Sie sich da aussen vor behalten können, sich also nichts vormachen, sondern auf die Veränderungsfähigkeit Ihrer Selbst vertrauen können, dann können Sie auch Coachee werden. Achten Sie sich auf Ihren Modus ... 

Seien Sie herzlich willkommen

Jona Jakob

10.01.17

Was hilft zu unterscheiden, wenn man sich mit seinem Angebot als Coach deutlicher positionieren möchte?

Es gab eine kleine Anzahl von Anstössen, so dass ich mich mit der folgenden Betrachtung beschäftigte:

Es gibt Coaches, die nicht genau sagen können / die es nicht auf den Punkt bringen, was genau sie anbieten. Und selbst wenn auf deren Website Angebote stehen, bleibt mir doch der Eindruck, sie selber würden nicht wirklich hinter den Sachen stehen, die dort aufgezählt sind.

Ich meine, begleiten kann ich jeden, auch ganz ohne Ahnung. Doch wenn ich einen Coach beauftrage und bezahle, dann soll der zwar mich machen lassen (Hilfe zur Selbsthilfe), aber dennoch möchte ich lieber eine erfahrenen Coach als einen unerfahrenen. Sie verstehen mich nicht? - Hier ein Bild:

Sie buchen einen Bergführer für Ihr Besteigungsziel. Natürlich kann Sie wer begleiten, der vom Gehen Ahnung hat. Doch selbst wenn dieser Bergführer/Coach nur hinter Ihnen geht und Sie wirklich coacht, möchten Sie vermutlich doch jemanden, der selber mehr als Sie klettern und besteigen vermag. Sie möchten also neben der coachenden Methode DOCH einen Experten in der Sache selbst - und zwar keinen Theoretiker, sondern einen erfahrenen Praktiker bzw. einen praktisch Erfahrenen, einen 'in der Sache Bewanderten'. 

Jetzt haben Sie eine Coachingausbildung abgeschlossen und haben das Problem (Annahme), bei der nächsten Begegnung nicht genau antworten zu können, wen oder wobei Sie coachen. Sie finden die Worte nicht, Sie finden die Angaben nicht, Sie haben keinen Durchblick, wie man das alles unterscheiden könnte und was davon genau auf Sie zutrifft, damit es authentisch wirken würde.

Hier möchte ich in diesem Beitrag mit einer Einteilung in zwei Dimensionen die Betrachtungen unterstützen und eine Möglichkeit bieten, eine Transparenz herstellen zu können:

Die zwei Dimensionen meiner Coaching-Positionierung


Sie finden im Markt der Coaches und Trainer zwei Typen, die sich wirklich unterscheiden:

a) jener Typ, der in der Tiefe von Methoden Experte ist; oder

b) den Typ, der in einem oder mehreren Feldern Experte ist

Zu c): Hier ist der Bereich, wo jemand allenfalls undefiniert und damit nicht erkennbar erfolglos verbleibt - es ist die Schnittmenge von Coaching, Methoden und Feldern. Und bedenken Sie: Wenn Sie das schon kaum auseinanderhalten können, wie soll der wenig kundige aber potentielle Coachee oder ein Unternehmen erkennen können, was Sie anbieten?

Alle Aussagen in dem Beitrag gelten für alle Geschlechter. 



Jetzt denken Sie allenfalls zuerst an andere, erfolgreiche Coaches, die Sie kennen - welcher Dimension würden Sie deren Angebote, die sie gut nachgefragt anbieten und bezahlt erhalten, zuordnen?

Wenn Sie diese Profile erkennen und nachfühlen können, dann beginnen Sie, Ihre eigenen Bereiche, Erfahrungen, Kompetenzbereiche zu sammen (Zettel: notieren und aufhängen, dann ordnen und weniger relevante wegnehmen).

Oft ist es eine Laune des eigenen Wesens und der persönlichen Bedürfnisse, in welche Richtung man sich als Coach mit seinem Geschäft aufstellen und weiter entwickeln mag. Auch bestimmen alte Erfahrungsbereiche sehr oft, was einem schon ausmacht. Es ist nicht so, dass da nichts vorhanden ist.

Aber nicht ganz einfach geht es meist jenen Coaches, welche von allem viel haben. Die möchten dann vielleicht alles einsetzen - keine ideale Idee. Zumal: bedenken Sie auch, was Sie als Einzelkämpferin und Einzelanbieter für einen Auftraggeber zu leisten vermögen, ob quantitativ oder qualitativ: Es ist nicht wirklich ideal, dann als Beginner das überfordernde Thema 'Unternehmensnachfolge' anzugeben. -

Diese Vorgehensweise erlaubt Ihnen mit der Zeit doch noch, sowohl in die Tiefe wie auch in die Breite anzubieten, also zum Beispiel: Habe viel Erfahrung in erfolgreichen World-Cafés und demokratischen Dialogprozessen, auch bei 200 bis 600 Anwesenden (in die Tiefe). Damit einher geht meine Kompetenz im Vertrag, der Aufstellung und der Realisierung, also dem Umgang mit Organisationen, Parteien, Kirchen, Vereinen, Schulen, Unternehmen. (Feldkompetenz: Gruppen - in die Breite).

Woran Sie sich zusätzlich orientieren können, was Feldkompetenzen angeht:

  • In den meisten Fällen liegen hierfür Primärausbildungen vor: Studium, Fachausbildung
  • In vielen Fällen liegen Berufserfahrungen vor: Jahre im Management, Projekten, Teams
  • In vielen Fällen zeigt sich, dass man sich darin selber weiterbildete: z.B. Heilpraktiker
  • Last but not least tragen eigene, aber verarbeitete, Schicksalsschläge zu Kompetenzen
  • Prägend: Aus welchem Haus komme ich? Bildungsbürgertum? Kirchliches Zuhause?..
  • Referenzen: Neben Namen und Unternehmen die konkreten Leistungen und Projekte nennen
  • Erfahrungen: 100-Km-Lauf, Atlantiküberquerung, Gipfelbesteigung, Brücke gebaut, etc.
  • Bewerten: Jeder Erfolg, aber auch jedes Scheitern stellen eine brauchbare Kompetenz dar
  • Auf alle Fälle: Alles was Sie je lehrend / unterrichtend vermittelt haben

Welche Theorie kann mir zusätzlich helfen, mich profilierter aufzustellen?


Die EKS-Theorie (siehe Wiki: Engpasskonzentrierte Strategie - EKS). Sich als Coach zu 'profilieren' bedeutet, KLARER am Markt erkennbar zu werden, worin man bewandert ist. Es bedeutet nicht, grossspuriger aufzutreten. Es geht also nicht darum, was Sie von sich alles herzeigen möchten, sondern darum, wie klar für einen positiven Entscheid .. oder wie falsch einem die Zuhörenden eintüten.

Ich hoffe, mit den beiden Dimensionen eine Möglichkeit anzubieten, die erlaubt, sich selber zu reflektieren und aufzustellen. 

Herzlich
Jona Jakob
Zürich, Bern Frankfurt

Vorangegangene Blogbeiträge, welche diesen Beitrag ergänzen: 

Eine Coachingausbildung ist keine Kompetenz
http://exhalat.blogspot.de/2013/10/eine-coachingausbildung-ist-keine_15.html

Warum meine angebliche Zielgruppe nicht meine Kundschaft wird - oder wie doch -
http://exhalat.blogspot.de/2014/02/coach-sein-warum-meine-angebliche.html



04.11.16

Deutsche Branchenumfrage für Coaches: Warum sollte ich daran teilnehmen? Warum sich damit befassen?

Empfehlung: Teilnahme an der jährlichen Branchen-Umfrage des Büro für Coaching und Organisationsentwicklung, Deutschland


http://www.coaching-umfrage.de 

Bild: (c) bei Jona Jakob, privat

Seit vier Jahren nehme ich an der Befragung teil. Ob sich diese für Schweizer Kolleginnen und Kollegen eignet, wäre denkbar und möglich. Aber zwei Aspekte begeistern mich Jahr für Jahr:

1) Die Umfrage ist sehr angenehm und wirklich reflektierend gestaltet. Die Fragen bewegen mich, verlangen von mir Selbstreflexion und Bereitschaft, teilweise kneifen sie mich so etwas wie in den Hintern. Das tut gut, meine ich.

2) Die Resultate haben es ebenso in sich. Es rühren mich jene Cluster ebenso, mit denen ich konform liege, wie jene Bereiche, wo ich mit meinen Werten ausschere. Beides gibt zu denken. Beides zeigt mir, wo ich in der Branche liege. Das tut ebenfalls richtig gut.

Der Fragekatalog ist jährlich so gestaltet, dass ein Teil der Fragen die Branche jedes Jahr neu befragt (also wiederholend). Und ein Teil der Fragen ist einem aktuellen Themenbereich gewidmet, dieses Jahr der professionellen Qualität und Evaluation.Letztes Jahr war es das Nutzen digitaler Unterstützungstools.

Sehr spannend die Fragen diesmal um 'Primär-Ausbildungen' als Coach. Was soll das sein?

Gefragt wird nach:
  • eklektische Ausbildung ohne Schwerpunkt in der Beratungsausrichtung 
  • Gestalttherapeutische Ausrichtung 
  • Gruppendynamische Ausrichtung 
  • Humanistische Ausrichtung (z.B. Klientenzentrierte Gesprächsführung) 
  • Hypnotherapeutische Ausrichtung (z.B. nach Erickson) 
  • Körperorientierte Ausrichtung (z.B. Bioenergetik) 
  • Kurzzeittherapeutische Ansätze (z.B. nach De Shazer) 
  • Logotherapeutische Ausrichtung 
  • Mediation 
  • Moderatorenausbildung 
  • NLP 
  • Organisationsentwicklung 
  • Supervision 
  • Systemische Ausrichtung (z.B. Systemische Beratung, Aufstellungsarbeit) 
  • Themenzentrierte Interaktion (TZI) 
  • Tiefenpsychologische Ausrichtung (z.B. Individualpsychologie) 
  • Trainerausbildung (z.B. Train-the-Trainer, Verkaufstrainer) 
  • Transaktionsanalytische Ausrichtung 
  • Verhaltenstherapeutische Ausrichtung (z.B. REVT) 
  • Sonstige

Ich kann das glücklicherweise ausweisen und daher ein Beispiel geben: Meine Primärausbildung ist die zum Zert. Gesprächsberater im Personenzentrierten Ansatz (Person Centered Approach) nach Carl R. Rogers. Ich bin sowohl in der Schweiz durch pca-ch wie in Deutschland durch die GwG hierin zertifiziert. Das ist eine langjährige Grundlagenausbildung in beratenden Berufen mit einem nicht-direktiven und wertfreien Ansatz:

http://www.carlrogers.de/personenzentrierte-ansatz-einstellung-nicht-methode.html

Diese Ausbildung unterscheidet sich von einer Grundausbildung in Coaching. Sie stellt mich über schier fünf Jahre in eine Haltung, während ein Jahreskurs in Coaching das kaum zu vermitteln vermag, hingegen Haltung, Ethik und Grundlagen-Tools schon. Es gibt eine Vielzahl solcher Grundlagenausbildungen. Aber es macht einen grossen Kompetenzunterschied, ob jemand solch eine Primär-Ausbildung als Caoch mit sich bringt, oder eben "nur" die Coachingausbildung, die sich ja noch massiv in Tiefe und Qualität untereinander unterscheiden mag. Last but not least zählt auch, was ein Coach an Selbst- und Lebenserfahrung und auch aktiver Weiterbildung mitbringt und was davon er oder sie in sich übernommen hat, so dass es auch gelebt und getragen wird.

Aus Erfahrung finde ich auch eine Managementausbildung mit strategischer Denk- und Haltungsweise als Primärausbildung geeignet. Sie kann zwar im Coaching 'hinderlich' sein, wenn ein Ex-Manager weiter 'direktiv' handelt und eher berät oder managed (Mentoring), als coacht. Aber für Business-Coachings Positionen, Aufgaben, Verantwortungen, Rollen, Ziele, Organsiationsstrukturen und Dimensionen der Sach- wie Sozialziele zu kennen, ist mE das A und O eines Business-Coachings. Man sollte den Kontext und alle Tragweiten schon kennen, in dem der Klient seine Anliegen lösen soll. Marketingleiter- und Verkaufsleiterausbildungen, KMU-Betriebswirtschafter, Bachelor, Master ... alles Strategisch und ausgerichtet bzw. fokussiert auf zukünftige Potentiale.

So macht es Sinn, auf der Website www.coaching-umfrage.de auch die Resultate der letzten 3-4 Jahre durchzuschauen - es ist erstaunlich, was alles als Hype geht und sich dann doch nicht wirklich bewahrheitet hat - jedenfalls bisher.

Sie kriegen als Coach Fakten - das ist mE selten genug. Daher lade ich die EU-Coaches ein, mitzumachen. Und vielleicht macht es den CH-Coaches doch Sinn, die eigenen Beträge in Euro umzurechnen und sich zu vergleichen. Willkommen auf jeden Fall.

Mit besten Grüssen
Jona Jakob
www.jonajakob.com
Zürich Bern Frankfurt

Foto: Eigene Aufnahme eines Weingutes in Rhein-Hessen

01.10.16

Die Zusammenhänge der Abgrenzung von Coaching

Einleitend ist Coaching erkenntnis- und zielorientierte Hilfe zur Selbsthilfe. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich veranschaulichen, wie komplex sich diese Definition im Feld der Coachinganfragen durch potentielle Klientinnen und Klienten darstellt:

Ich unterscheide Business und Personal Coaching

  • Business Coaching:
    Hier sind die Gründe, bzw. ist die Berechtigung für ein Coaching relativ gegeben. Es gibt meist den hohen Stellen'Wert der Anstellung an sich. Es gibt Ziele des Coachees zur Optimierung. Allenfalls gibt es versteckte Intentionen des Auftraggebers. Aber last but not least geht es beim Coachee um seine Anstellung, Position, Optimierung und nicht zuletzt um 1-2 Jahreseinkommen (Coachingvalue Jahreseinkommen = Annahme 60'000.-- plus pro Jahr).
  • Personal Coaching:
    Hier sind die Gründe, warum jemand aus eigenem Entscheid die Idee von einem Coching aufgreift wesentlich komplexer, dreidimensional und möglicherweise versteckter. Die Not oder Problemstellung kann von der anfragenden Person perspektivisch verzerrt werden und ein Coaching müsste abgelehnt werden. Dennoch werden - wenn nicht distanziert nüchtern - Coach und Coachee gerne verleitet und verführt, ein Coaching zu vereinbaren und dieses wird in der Folge meist ohne grossen Erfolg in einer Art Sackgasse verenden, da unbefriedigend.
    Bei Personal Coaching ist damit zu rechnen, dass Anfragen aus .. oder umgekehrt, hin zur psychisch-therapeutischen Betroffenheit neigen. Es ist dann besonders Achtung zu schenken, ob es sich beim Kundenanliegen um ein Coachingthema handelt, wenn von Krankheiten, Handycaps, Betroffenheiten und Eigenarten die Rede ist. Ebenso wenn frühere Medikamente oder Therapien ausgesprochen werden. Ganz besonders auch, wenn eine ganze Leidensgeschichte präsentiert wird. 
Wichtiger Hinweis für auftragerteilende Unternehmensverantwortliche und auch Coaches:
Mir ist leider noch selten wo deutlich hervorgehoben worden, dass jeder Mensch, der bei der Arbeit ein Coaching angeboten bekommt, nicht einfach unter 'Business Coachee' zu laufen hat. Jede und Jeder, bis hin zum Vorstand, kann - auch im Kontext der Arbeit und seiner Position - tiefgründig und seelisch von Dingen betroffen und dadurch verknotet bzw. blockiert oder beeinflusst sein, die allein mit 'Werten' und dem verbreiteten Verständnis von 'Business Coaching' nicht genügend umfassend abzufangen sind. Kurz: Jedes vermeintliche Business Coaching kann vielmehr ein Personal Coaching sein ... und einen Coach verlangen, der a) den Umfang des Auftrages (qualitativ bzw. kompetenz- oder psycheorientiert) zu prüfen hat und b) der im Fall einer qualitativen Psycheorientierung selber die notwendig profunde Bildung für den Seelenanteil auszuweisen hat. Es kann also mehr als sehr wohl sein, dass ein 'Personal Coach' gefragt ist, der psychologische Ausbildungsanteile und Erfahrung im Umgang mit solcher Klientel bzw. mit solchen Coachings hat. Ein Beispiel wäre: ein Coaching für einen Hochbegabten Erwachsenen mit dem Coachingziel: Optimierte Sozialkompetenz. Hier braucht es einen entsprechenden Coach, ansonsten der Klient unverantwortbar wahrgenommen und eher verscheucht oder nie wirksam erreicht wird. 

Coaching ersetzt keine Psychotherapie - oder wie schwierig es ist, Coaching abzugrenzen:

Auf den meisten Coaching-Webseiten oder -Unterlagen finden Sie den Ethik-orientierten Satz: 
  • Coaching ersetzt keine Psychotherapie
Das scheint auf den ersten Blick eindeutig. Aber in der Praxis hat sich mir gezeigt, wie trickreich und wie schwierig es ist, 
  • .. das Kundenanliegen professionell zu durchschauen und zu prüfen bzw. abzugrenzen
  • .. das erkannte Anliegen in seinen Dimensionen und Tragweiten einzuordnen und
  • .. last but not least für den Menschen der anfragt die richtigen Worte für eine Klärung zu finden
Aus diesem Grund hatte ich das Bedürfnis, die diversen Aussagen und Wertvorstellung, aber auch die Tiefen von Seiten der anfragenden Menschen in einer Darstellung zu erfassen, die ich unten vorstelle: 


Die Coachingabgrenzung 


- grafisch dargestellt von Jona Jakob, 2016

Die Coachingabgrenzung Jona Jakob - Alle Rechte vorbehalten - 2016


Was versucht diese Grafik alles auszuweisen?
  1. Coachbarkeit bzw. Selbstbestimmungskompetenz:
    Auf der Horizontalen finden Sie die Achse, welche die 'Coachbarkeit' eines Klienten darstellt. 'Coachbar' ist jemand, dessen Selbstbestimmungskompetenz für die Hilfe zur Selbsthilfe intakt ist. Dabei habe ich die anfängliche Idee um einen Aspekt erweitert: Man kann skaliert von 0-10 'coachbar' sein - aber man kann auch von 0 bis Minus-10 (linke Seite) weit weg von 'coachbar' sein.
  2. Auf der Vertikalen stelle ich dar: Wie hoch ist der 'Coaching-Value'?
    Mit Coaching-Value meine ich, wie sachlich / monetär / schicksalsmässig / gesundheitlich WERTVOLL ist das Anliegen bzw. das unbewältigte Anliegen ... oder anders gesagt:
    - Was wäre mit einer Lösung an Schaden zu verhindern (z.B. Fehlentscheid / Konsequenzen)?
    - Was wäre an Substanz zu erhalten? (z.B. Erhalt von Beziehungen / Verhältnissen / Projekten)
    - Was wäre zu gewinnen? (z.B. neue Stelle / mehr Einkommen / Entwicklung / Gesundheit)
    Wenn es Ihnen schwer fällt, das so zu sehen, weil sich in Ihnen etwas weigert, dann fragen Sie sich: Wie würde das Ihr Anwalt / deren Anwalt einschätzen?
    Auch hier zeigt sich: nicht jeder Wert ist die Investition eines Coachings wert. Es lohnt sich nicht, was z.B. dann der Fall ist, wenn ich jemandem in 10 min einen Input am Tel. liefere, damit die Person weiterarbeiten kann. Problem gelöst - weiter geht es. 
  3. Quadrant links-unten:
    Kein Coaching. Die Klienten in dem Feld sind aktuell in einer Situation, die man als 'nicht-coachbar' einschätzen muss. Es darf hier kein Missbrauch stattfinden. 
  4. Quadrant links-oben: 
    Die anfragenden Menschen sind aktuell nicht coachbar, aber das Anliegen bzw. ein möglicher Schaden könnte wertvoll bzw. teuer sein. Dann kann ich als Coach das Coaching ablehnen, aber dennoch honorarfrei kurz versuchen, mit Ratschlägen, Hinweisen, Kontakten oder Ideen dem Menschen einen Weg zu zeigen, sich anderswo Rat, Hilfe oder Unterstützung zu holen, damit kein Schaden entsteht oder eine Lösung gefunden werden kann (z.B. sich Unterstützung beim Arbeitsamt zu holen)
  5. Quadrant rechts-unten:
    Wie schon unter 2. notiert: Der Aufwand für ein Coaching ist nicht gegeben. Dann kann man das Problem kurz aus der Welt schaffen - per normalem und nichthonoriertem Gespräch, von Mensch zu Mensch. Ok, wenn Sie Telefoncoaching in 10-Min-Abrechnung anbieten, dann sollten Sie das aber vor der Problemklärung mit dem Klienten vereinbart haben, also dessen OK und Zustimmung für die Honorierung erhalten haben. 
  6. Quadrant rechts-oben: 
    Das ist der Coaching-Quadrant. Hier ist jemand intakt in seiner Selbstbestimmung und das Anliegen hat einen natürlich hohen Coaching-Value - es lohnt sich und wird zum investierten Gewinn, ein Coaching zu vereinbaren und gegenseitig den Beitrag zur Lösungsentwicklung zu leisten. Hier entsteht ein Win-Win. Hier ist man als Coach ethisch korrekt und als professioneller Berufsmensch stimmig aufgestellt. Und hier sind die Gewinnfelder, die Entwicklungsmöglichkeiten, die Lösungsfindungen für den Klienten realistisch erarbeitbar und ganz und gar möglich. Hier fühlt sich das alles gut an. 
Wie gesagt, mir persönlich war es ein Anliegen, den Sachverhalt darzustellen. Ich gewinne damit Sattelfestigkeit für Erstgespräche, für Finten, für seelisch erschwerte Anliegen, für eine präzise Abgrenzung - denn auch handicapierte oder sonst betroffene Menschen können korrekt angelegte Coachingprozesse absolvieren! - aber man muss das als Profi klären und getrennt halten KÖNNEN. Und man muss stets die richtigen Worte bzw. Sprache für alle Menschen haben, ganz besonders, wenn der "kaufbare" Coach drei von vier Bereichen abzulehnen hat. 

Ich hoffe, ich kann damit dienen. 

Mit besten Grüssen

Jona Jakob

Zur Person:

Zu Coaching:

03.08.16

Betroffenheit und/oder Bedürftigkeit - Wenn Coaches antriggern oder seelisch hungern

Am 1. August publizierte ich im 'Blog für Cochees' einen Beitrag, dass Coachees, die zu bedürftig sind, eigentlich nicht coachbar, da sie im Moment nicht mit genügend intakter Selbstbestimmungskompetenz gesegnet, sind.

Link: http://individuare.blogspot.de/2016/08/zu-hohe-bedurftigkeit-verhindert-ihre.html

Bedürftige interagieren so, dass nicht unser Miteinander gedeiht, sondern die eigene Notlage genährt wird.
    Auf diesen Beitrag hin fragte ein Leser:

    ... & wenn der Coach - oder die Coachin - selbst "bedürftig" ist?


    Was ist, wenn Coaches BETROFFEN sind?


    Ich unterscheide 'betroffen' von 'bedürftig' - zuerst 'betroffen: 

    Es kommt nicht zu selten vor, dass Personen durch eine Schicksal-mässige Betroffenheit ExperteIn, Coach, TherapeutIn oder VortragsrednerIn werden. Z.B. bei
    • Burnout-Betroffene
    • HB-HS-Betroffene
    • Mobbing-Betroffene
    • Gewalt-Betroffene
    • Krankheit-Betroffene
    • etc. 

    Das mag auf den ersten Blick "verständlich" wirken, ist aber genau zu trennen: 
    Steckt die 'begleitende' Person noch in einer hohen Betroffenheit des Themas, ist sie selber nicht wirklich 'distanziert', jedenfalls nicht zu diesem Thema:
    • weder zu sich und den eigenen Empfindungen und Reaktionen
    • noch zum Thema an sich, wenn es wo aufkommt
    • noch dann zu fremden Menschen, allenfalls Klientel, welches mit dem Thema ankommt

    Diese fehlende Distanz und Geklärtheit lässt "Coaches oder eben sonst wie Themen-Fachspezifische" antriggern und sie sind somit im Thema und ihren eigenen Dingen befangen und verfangen. Sie geraten in Emotionen und damit in etwas, das dringend unterschieden werden muss: Sie identifizieren sich mit den Klienten - und das sollten sie NICHT. 

    Das ist nicht einfach zu verstehen noch zu beschreiben. Sie müssten das Thema erfahren haben, es kennen, eigene und fremde Erfahrungen mitbekommen haben, aber diese Erfahrungen müssten verarbeitet und geklärt sein, ganz im Sinn von: "Das ist nicht mehr meine Baustelle / mein Thema." Nur so können Sie wertfrei und doch empathisch für jemanden präsent sein, ohne im Coach-Klienten-System Energie und Präsenz auf sich selber zu ziehen.  

    In dem Setting ist es normal und korrekt, dass man zwar für jemanden präsent ist, aber man nicht seine 'Dinge' übernimmt. Die müssen bei dem bleiben, der daran arbeitet. Natürlich würde das Klientel noch so gerne die Dinge übernehmen lassen, ist es anstrengend genug, die Betroffenheit zu haben. Am liebsten würden sie sie abgeben und nix mehr damit zu tun haben. Aber genau diese Zuwendung wäre komplett falsch und unprofessionell und ein Schaden für die Auftraggeber, welche auch bezahlen. 

    Kurz: Man muss das Thema ALS BETROFFENHEIT von der Backe haben - sonst betrügt man die Klientel um den Nutzen einer Wirkung. Das ist ein wirklich heikler Punkt, da man genau an dieser Stelle 
    • a) die eigene Auftragslage aufbessern kann, anstatt abzulehnen
    • b) die Klientel sofort anspringt und einem erwählt, weil es sich gemeinsam schöner weint und heult
    • c) dieses falsche Miteinander eine um so höhere Trüglichkeit empfinden lässt, da sie emotionaler und näher wirkt und einem dabei verführt. 

    Deshalb befürworte ich auch keine Fremdzahler in Personal-Coachings. Also wenn z.B. ein Partner oder Eltern sagt/sagen: "Komm, ich zahle dir das Coaching, du hast ja gerade kein Geld in deiner Arbeitslosigkeit." - Da läuft das Gift der Verführung (Entzug der Selbständigkeit = Minderung der Selbstbestimmungskompetenz) schon ins Boot, wenn man es nicht strikte unterbindet. Entweder zurückweist oder den Klienten auffordert, selber fürs Geld aufzukommen, ansonsten er/sie sich schon an der Stelle nicht SELBSTBESTIMMT und sich damit - auf Kosten anderer - sich was vormacht, ohne wirklich die Verantwortung (für sich und das Coaching) zu übernehmen. 

    Hinweis: Jeder Jung-Coach geht durch eine solche Phase, aber nur teilweise und meist mit sehr geringem Verfälschungsfaktor. Zudem sollten hierfür 5 - 10 erste Gesprächssitzungen reichen, um in seiner eigenen Reflexion, was er oder sie als Jung-Coach im letzten Gespräche bewirkt aber auch angerichtet hat, gleich hygienischer zu werden. Diesen Prozess haben wir aber auch bei einem Jung-Gewerbler, Frisösen, Köchen, Kundendienstler, Vertriebler. Eine Latenz eines solchen Effektes wäre wohl auch bei einem jungen Gründer zu entdecken und zu finden - auch dort ist viel Raum, den Auftrag an sich zu ziehen und mit nicht-professionellen Anteilen cachierend und lavierend bezahlt zu bekommen. 

    Aber dem gegenüber gibt es leider Menschen, die aus ihrer Betroffenheit nie wirklich rauskommen und die als Coach, Trainer, Tierliebhaber und Helfer eigentlich zu meiden sind. Solche Menschen haben den Hang 
    • zu Missionieren
    • sind Überzeugungstäter
    • gerne mal RechthaberInnen
    • lavieren zwischen nährenden und unnahrhaften Energiequellen
    • wirken unsicher
    • weichen selber der Reflexion aus, haben eigene Ausreden, stellen sich nicht

    Tipp: Wie kann ich als Jung-Coach damit umgehen? 

    Was man tun kann: Wenn man latent noch betroffen / oder Jung-Coach ist, kann es einem immer mal passieren, dass man wegen der Aussagen eines Klienten aus der Fassung gerät. Beispiel: Die Klientin erzählt, dass sie sich von ihrem Mann trennen möchte und da mitten drin steckt ... und nun gerät die Jung-Coachess in den Trigger und fängt an zu weinen, weil sie davon selber stark betroffen ist. Sie kann vor zu geringer Distanzierung vom eigenen Schmerz den Schmerz der Klientin so sehr nachfühlen, dass die starke Reaktion folgt und sie selber anfängt zu weinen.. Sie konnte aber vor dem Coaching nicht ahnen, dass die Klienten mit dieser Information rausrückt. 

    Was nun tun?
    1. Sich kurz entschuldigen und die Meta-Ebene des Gesprächs suchen. (Meta-Ebene = Helikopterebene: Mit Klient übers Gespräch sprechen.)
    2. Vor sich selber hart prüfen, ob das Coaching (bei einem nächsten Termin) fortgesetzt werden kann - wenn nicht sicher, dann es besser sein lassen. Sich also aus dem Auftrag verabschieden - das ist eine verantwortungsvolle Orientierung für den im Moment zurückbleibenden Klienten.
    3. Damit auch deutlich aussprechen, diese Sitzung nicht zu verrechnen. Klienten reagiern oft mit: "Doch, verrechnen Sie nur, das geht ok." Nicht machen. Bei sich bleiben und nicht verrechnen. Es geht um die Wiederherstellung der verlorenen kritischen Distanz. Also nun nicht in der Bedürftigkeit der eigenen Krise die Gegenangebots-Hilfe annehmen. Selber verkraften. 
    4. Lerne: Man muss IMMER bereit sein, ein Coaching abzubrechen und nicht zu verrechnen. Das gehört zu den Grundlagen der Ethik und der Selbstbestimmung von Coach und Coachee.

    Was ist, wenn Coaches BEDÜRFTIG sind?


    Die obigen beiden Beiträge beziehen sich darauf, wenn Coaches oder TherapeutInnen BETROFFEN wären, also antriggern könnten. 

    Aber es geht im Sinne der Leserfrage auch darum, was ist, wenn jemand coacht, der im Übermass also stark bis hin zu krankhaft/pathologisch BEDÜRFTIG ist nach
    • Zuwendung, 
    • Annahme, 
    • Akzeptanz und 
    • Bestätigung
    • Star-Allüren
    • Aufmerksamkeit

    Da ist die Antwort eindeutiger: So jemand sollte nicht jemand anderen "begleiten" (coachen oder therapieren). Das darf mE ethisch und wegen der Funktion des Coach-Klienten-Systems, die intakt bleiben muss, NICHT angeboten oder gemacht werden! 

    Warum? Die unterschwellig laufende Bedürftigkeit, welche in diesem Fall den Coach oder Therapeuten nähren soll (eine Art Befriedigung) stell nicht weniger dar, als einen klaren Missbrauch des Coach-Klienten-Systems bzw. -Verhältnisses.  

    Hat zum Beispiel jemand eine Persönlichkeitsstörung, wie z.B. einen ausgeprägten Narzissmus oder sogar eine Boarderline-Persönlichkeit, sollte es mE nicht weiter erlaubt sein, Klienten anzunehmen. Ob Narzissmuss oder Boarderline, es müsste abgeklärt und fachlich belegt sein, aber so jemand sollte mE nicht noch so tun und reden und schreiben, wie es ginge, wenn es einem selber nicht geht, dass man die eigene Bedürftigkeit nicht wirklich wegbringt, auch nicht für die wenigen Stunden mit dem Klienten. Beide Krankheitsbilder sind erwiesener Massen lebenslänglich manifest. 

    Der letzte Absatz mag meine subjektive Meinung sein, aber man möge mir sonst gerne erläutern, wie das doch sauber funktionieren kann, ohne dass dabei der zahlende Klient um sein Recht auf Wirkung betrogen bzw. beraubt würde. 

    Dass es im Aussen doch vorkommt, ist mE zu bestätigen, das gibt es. Menschen mit entsprechenden Persönlichkeitsstörungen sind HÖCHSTTRAINIERTE SchauspielerInnen. Gerade weil sie seit vielen Jahren sehnsüchtig nach Zuwendung streben und gleichzu cachieren müssen eine Art 'Vampir' zu sein, sind sie manipulative und wort- wie schriftgewandte, wie meist sehr schmeichelhafte Wesen, die einem mit ihrer Aufmerksamkeit so betören können, dass man zu gerne in gegenseitiger Bestärkung auf das verfälschte und krankhafte Angebote reinfällt. Man merkt anfänglich nicht, dass man in die Fänge einer Krake gerät.

    Eigentlich sind beide Opfer und ziehen sich darin an. Kein schönes Erwachen. Die Entlarvung solcher Personen ist auch schier nicht möglich, da Kritiker oder Kläger durch solche Personen gerne juristisch mundtot gemacht werden. Die fahren dann mit Drohungen und Verleumdungen auf, um auf keinen Fall aufgedeckt zu werden. An der Stelle kann es ungeahnt aggressiv werden. Nicht zu selten verlassen Klienten und TeilnehmerInnen von Kursen und Ausbildungen solche Auftragsverhältnisse mit einem Schock, oft mit juristischen Streitereien und last but not least einem argen Trauma in der Erfahrung durch begleitenden Fachpersonen, sprich 'Coaches'. Sich neu anzuvertrauen kann dann schwierig werden. 

    Ich danke für die Anregung, diese Betrachtungen niederzuschreiben. Ebenso hoffe ich, anderen in der Sache mehr Sicherheit oder Aufmerksamkeit ermöglichen zu können. Für Coaches oder angehende Coaches bedeutet es, die eigene Lage und Situation zu reflektieren, allenfalls mit jemandem zu besprechen und zu klären. 

    Mit besten Grüssen

    Jona Jakob
    Zürich Bern Frankfurt

    26.07.16

    Wenn Werte und Haltungen des Fortschritts und des Menschlichen mit den Füssen getreten werden

    (M)eine Wutrede:

    Ich bin, und das beeinflusst mich immer noch, erst in den letzten wenigen Jahren nach Deutschland eingetreten. Auch ich, aus der Schweiz stammend, muss mich assimilieren. Heimisch werden, sozusagen. Ich erlebe das Land sehr unterschiedlich. Und ich erlebe, wie auch ich für mich persönliche Eindrücke wahrnehme und wie sich diese noch in relativ kurzer Zeit verändern.

    In diesem Tagen bin ich bei den "Grössen" Winterkorn, Beckenbauer, Niersbach und Thomas Bach überhaupt. Von VW zu Fussball, von Fussball zu Olympia, ein riesen Gemauschel, ein Pragmatismus sondergleichen. Brüderschaft trinken und Geld zustecken ... Formate, dich ich in diesem Land nicht in solcher Häufung erwartet hätte. Eher falle ich aus allen Baumkronen. Dieses Land, das täglich dazu neigt, dich auf Kommafehler hinzuweisen, diese Kultur endloser Regelungen und Gesetze, .. es bringt aktuell Bescheisser hervor, da ist der Lebenslauf der Frau Hinz eine echte Belustigung.

    ---

    Ein Erleben, welches ich noch heute übel nehme, ist die Werbung bei der Fussball-EM. Zum ersten Mal realisiere ich, Werbung hinnehmen zu müssen, die von Anbietern kommt, die ich nicht annehmen oder vertreten bzw. akzeptieren möchte. Drei Hauptsponsoren haben die EM mit Geld benutzt, um sich "gut" darzustellen. Dass eine Organisation wie die UEFA darauf eingeht und das Geld annimmt, kann nur stattfinden, wo eigens eine solche interne Geisteshaltung und "Kultur" Vorrang und Geschichte, sprich Methode, hat.

    Nun befürchte ich, wird es bei den Olympischen Spielen vielleicht wieder so sein. Ich projiziere, ich weiss, aber das gehört zum Menschsein und lässt ihn vorsichtig werden. Vermutlich werde ich keinen Sport schauen, da ich mich verweigere. Mindestens 5 Instanzen heben sich gegenseitig juristisch auf, eine Art lächerliches "Rösslispiel". Bach vergibt die Entscheide an die Verbände zurück. Damit ist es das kleinere Problem, dass dieses Jahr Russland dabei sein wird und nicht ausgeschlossen ist. Viel grösser ist das Problem, dass an diesem Exempel nun ein für alle Zeiten jedes Land nichts zu befürchten hat, egal wie heftig es systematisch dopt. China, Amerika, Deutschland - egal. Passiert ja nix.

    Zynisch ausgedrückt würde ich vermutlich eher einer Olympiade frönen, bei der Doping ausdrücklich und unbegrenzt erlaubt wäre. Den Unterhaltungsfaktor sähe ich darin, dass mir das Doping entweder zeigt, was an Superleistungen machbar wird, oder ich könnte wie bei der Formel 1 warten, dass ab und zu eine Sportlerin oder in Sportler über den Jordan hüpft, ist gerade die Halsschlagader geplatzt, das Gehirn explodiert oder der Magen-Darm-Trakt innerlich in Fetzen aufgelöst. Blut scheissen wäre das kleinste Übel.

    ---

    Nicht egal. Je höher ich mit meinem Helikopter über den Dingen fliege, ergibt sich mir - auch bei aller Unvollständigkeit der Fakten - ein Bild, welches der Jugend nur eines klar macht: Mit normalen Mitteln ist es nicht mehr zu machen. Wenn du worin gross werden willst, musst du pervers denken und alle Tatsachen Lügen strafen, deine Wirklichkeiten auslegen, dass die Balken krachen und sich dabei so ein No-Face aneignen wie Merkel, Putin, Erdogan, de Maiziere, Herrmann, Winterkorn bis hin zu Thomas Bach - nicht lächeln, nicht erstaunt gucken, einfach nichts im Gesicht haben, schon gar keine Regungen. Keine Regungen. Bleibe ungerührt, dann bleibst du unberührt. 

    Kleine Anmerkung: der von der EU, Junker, der emotionale, gefühlsbetonte Filou, der wirkt geradezu schwach mit seiner höchst menschlichen Körpersprache. Niemand nimmt ihn ernst - er lacht, weint, küsst, umarmt, säuft ... Nicht so dir anderen, die Roboter, Eiszapfen, Toxiker.

    Dass aktuell für solchen Dreck, für solches Ganoventum in Russland, der Türkei, in China, in vielen Kleinstaaten oder in Afrika die Intelligenzia abgeführt und jeder Souveränität, der Menschenrechte und letzter Würde entzogen wird, macht mich so unendlich wütend, dass ich nicht weiss, wohin. Ordentlich dem Denken zugeordnet, muss der protestorientierte Gedanke des Freitodes auf den Tisch. Was ekelt mich die ganze Ohnmacht an, die mich als fiese Fratze aller Gemeinheiten ins Gesicht lacht und mich den ganzen Tag bescheisst und nochmals bescheisst. Wir klagen im Internet über Trolle - dabei gibt es da draussen reale Figuren, die uns Lebensqualitäten und hoffnungsvolle Aussichten toxisch unterminieren, bloss um Egos aufzubauen und mit Feindschaften anzugeben.

    Der Autor Etgar Keret meinte einst: "Lieber bin ich ein kluges Opfer als ein dummer Täter." ... irgendwo in dem Dilemma stecken wir. Und in diesen Monaten tun sich deutsche Köpfe geradezu darin hervor. Das ärgert, im Land der Dichter und Denker, der Pauker und Regler. Es gibt eine TV-Ärzteserie namens 'Monday Mornings' wo ein koreanischer Hirnchirurg namens Dr. Paik zu einer Klientin und deren Anwalt sagt:

    "Sie schämen! Sie sich schämen! Und Sie auch: sich schämen!"

    #NOLYMPIA

    19.05.16

    Autorität bei Führungskräften? Anmerkungen zu einem Beitrag von Dr. Rolf Meier bei bilanz.de


    Herr Dr. Rolf Meier, Systemischer Management Coach aus Henstedt-Ulzburg, publizierte bei BILANZ.de online einen Artikel mit dem Titel "Führungskräfte müssen Autoritär sein."

    Link zum Beitrag von Dr. Rolf Meier:
    https://www.bilanz.de/management/fuehrungskraefte-muessen-autoritaer-sein

    Dieser Beitrag hat in mir den Impuls ausgelöst, mir in der Sache meine eigenen Antworten zu geben. Mir fehlte ein 'Art Vollständigkeit. Da meine Gedanken als berechtigt bestätigt wurden, poste ich diese hier im Blog.

    Meinen Kommentar bei BILANZ.de:
    https://www.bilanz.de/management/fuehrungskraefte-muessen-autoritaer-sein#comment-2678880962

    Ich füge meinen Kommentar direkt hier ein - er weicht in wenigen Worten ab:

    Guten Tag

    Zum Schluss hin hab ich dann klar bekommen, worum es geht. Und ja, damit kann ich d'accord sein. Es wird beschrieben, wie das Bestimmende, das Autoritäre entsteht, in jedem von uns selbst.

    Was mir, ich bitte jetzt schon um Entschuldigung, wenn ich es überlesen hätte, ... was mir fehlt ist folgende Sache: Ein Jedes hat seine zwei Seiten. Ein gute und eine schlechte, eine schöne und eine hässliche, eine tolle und eine unangenehme. Und egal wie humanistisch und modern ich erkläre, was ensteht, wenn jemand seinen Entscheid durchsetzend bestimmt, ob mit oder ohne Gefolgschaft, so entsteht dabei immer ein Anteil Pro und ein Anteil Kontra. Egal wie, wann, wo und unter welchen Rahmenbedingungen, Positionen, Zusammenhängen ... immer hat es auch eine unangenehme Seite dabei.

    Bei all denen, die nun im Hau-Ruck-Stil ihre Entscheide oder das Bestimmende durchsetzen, muss ich vermuten, dass so Dinge wie Macht, Kraft des Amtes, Institutionelle Kompetenzen, Gier, Manien, Männlichkeit oder sonst teilweise Wahnsformen besonders "beschützend helfen", sein eigenes Ding zu machen. Braucht man sowas, um eben diesen unangenehmen Teil zu übertünchen, kann ich es genauso gut gleich lassen, mich partizipativ zu bemühen, einer Schmierenposse gleich - ist einfacher, simpler, weniger verräterischer, wenn man schon die Arschseite seiner Wesenzüge zeigt. Ungeliebt und unbeliebt eben.

    Es sind also, wie im BILANZ-Beitrag von Hrn. Dr. R. Meier, noch alle sozusagen "unschuldig", was mE auf den ersten Blick beruhigen vermag, obwohl es einem weiter ohnmächtig zurück lässt, Doch es schliesst weiterhin nicht ein, was mir in der Kolumne fehlt:

    Die Annahme der nicht-goldenen Seite der Medaille.

    Wir können, ob wir wollen oder nicht, meiner Meinung in keiner Handlung, Entscheidung, noch beim PEAK (Planung Entscheidung Anordnung Kontrolle) vermeiden, dass der kleinste Fingerstreich seine unangenehme, negative Seite hat um es vollständig werden zu lassen. Es bleibt stets die Opportunität. Es bleibt die dunkle Seite des Mondes. Es ist nicht aus der Welt zu reden, dass ein Jedes seine zwei Seiten hat.

    Und weil wir Menschen dazu nicht gerne stehen, allein dem Gedanke des eigenen Todes gehen wir aus dem Weg wie dem Fegefeuer, allein deshalb versuchen wir wie verkrampfte und wenig erwachsene 'Idiotes' {Wiki: Idiotes (altgriechisch: ἰδιώτης) war eine nicht wertende Bezeichnung für einen Privatmann und im militärischen Bereich für einfache Soldaten.) (Quelle: Botho Strauss: Lichter des Toren - Der Idiot und seine Zeit) "es RICHTIG zu machen". Unemanzipiert von den Konditionierungen von Eltern, Lehrern, Meistern und Prüfungen betteln wir darum, es richtig zu machen. Schimär und unheilvoll in seiner jahrelangen Wirkung.

    Denn wir machen es bei jedem richtigen Tun gleich auch falsch. Es gibt immer eine Gegenseite. Und so wenig ich vom zweiten Weltkrieg weiss, so schreibe ich doch: Churchill muss darum gewusst haben. Er schickte seine Soldaten nicht ohne eigene Worte über die Möglichkeit des Sterbens in den Kampf. Blut, Schweiss und Tränen. Er war ehrlich. Er benannte die Misere, den Verlust, den Opferanteil an seinen Entscheiden - UND DAS LIESS IHN AUTORITÄR aber angenommen führen. Denn wenn man wenigsten weiss, man stirbt für den unschönen Teil der Sache, so stirbt man eben nicht sinnlos, sondern immer noch für die Sache. Das ist eine ganz andere Wachheit und Erfüllung. Hier kriegt die Sache plötzlich Sinn und wird für Führende vertretbar / ver'antwortbar.

    Zurück zu heutigen Führungsinstrumenten - zurück zu Blake / Mouton und ihrem Führungsgrid: Es gibt eine Sozialzielorientierung, aber es gibt gleichzeitig ausgleichend die Sachzielorientierung. Und die kann Teile von Aufopferung bedeuten.

    Würden wir alle diesen Anteil des Verlustes, des Unerfüllten, des Opportunitätsaufwandes, des Falschen und Ungelösten in unseren Handlungen annehmen / einschliessen / akzeptieren, ohne Stress, sondern als waches und erwachsenes Denken der Dinge, so würden wir uns - so meine eigene Vermutung - leichter zu Menschen hinsetzen und sie fragen, was sie von den Lösungswegen halten. Denn wir wären uns alle einig: irgendwas wird an der Sache nicht gut sein - was also ist für uns im Moment das Beste. Und fürs andere wird jemand oder etwas verlieren. - Wir hätten keinen VW-Skandal ...

    Was aber ist nun die zentrale Handlung, in der wir wirtschaften? Wir mehren investierte Schulden zu mehr Geld. Hierfür liegt ein Zweck des Unternehmens in seinen Satzungen zugrunde. Hierzu verfolgt der kleine oder grosse Geldkreislauf seinen Zweck. Peter Sloterdijk beschreibt das in seinem mE empfehlenswerten Buch 'Im Weltinnenraum des Kapitals' vorzüglich und höchst unterhaltend. Er beginnt mit dem Schuldenmachen, das vor über 500 Jahren begann, welches alleine uns zwingt, autoritär zu werden und konsequent zu handeln.

    Wissen Sie, ich reiste drei Jahre durch Middle East als Handelsreisender. Und so fragte ich während der Kuwait-Krise Kunden, wie die Händler ihre Geschäfte nicht verlieren, wenn Sie für drei Monate oder ein Jahr ihre Rollläden vor den Geschäften schliessen und einfach nicht weiterarbeiten? Da sagte mir der arabische Gastgeber: "Nun, bei uns ist immer alles gleich bezahlt! Wir müssen nicht wegen Krediten arbeiten und wachsen." Das hat gesessen.

    Wir müssen. Ok. Die Wohlfahrt ist seit dem zweiten Weltkrieg unvorhersehrbar besser geworden. Aber dennoch: The show must go on - ob wir wollen oder nicht: Wir müssen. Wir müssen auch sterben.

    Und so sollten wir - so meine Meinung - nicht nur festhalten, dass Autorität ein Konstrukt ist, das mal mit oder auch gleich ohne jede Beteiligung für das Unangenehme 'unschuldig' bleibt, ... wir sollten auch wesentlich mehr beachten und berücksichtigen, dass wir es niemals "richtig" machen können. Das gibt es nicht. Es gibt nicht nur die Goldene Seite der Medaille. Es gibt sie, aber dann gibt es die finstere auch. Und die schwingt mit, egal wie ich handle. Wir vermögen es nicht, es richtig zu machen. Wir bräuchten so auch nicht den ganzen Tag zu zweifeln und uns schuldig zu fühlen, für all das Verfehlte.


    Vielmehr sollten wir an Grösse und damit Autorität gewinnen,
    in dem wir einen transparenten Blick auf den immerwährenden Anteil einer Sache werfen, den wir fürs Resultat zu bezahlen haben. DAS wäre jener Anteil von Vertrauen und Qualität, die einer Führungskraft mE Gefolgschaft gewährt.


    Mein Vater sagte mal: "Ein guter Patron hat seine Leute um sich." Ich hoffe, meine Gedanken ergeben zur Kolumne einen Sinn.


    Herzlich

    Jona Jakob

    www.consensus-coaching.com

    Zürich Bern Frankfurt

    05.05.16

    Coaching-Verbände? Anmerkungen auf einen Beitrag Dr. Rolf Meier bei BILANZ.de

    Herr Dr. Rolf Meier, Systemischer Management Coach aus Henstedt-Ulzburg, publizierte bei BILANZ.de online einen Artikel mit dem Titel "Wozu brauchen wir Coaching-Verbände?"

    Link zum Beitrag von Dr. Rolf Meier:
    https://www.bilanz.de/management/coaching-verband

    Dieser Beitrag hat in mir den Impuls ausgelöst, mich reflexiv niederzuschreiben, mir in der Sache meine eigenen Antworten zu geben, auf dass meine Haltung mir klar wird und veröffentlicht auch anderen zur Orientierung zur Verfügung steht. Ich mache mich also transparent.

    Meinen Beitrag kann als Kommentar bei BILANZ-Online gelesen werden:
    https://www.bilanz.de/management/coaching-verband#comment-2653308389


    Ich füge meinen Kommentar direkt hier ein:

    Zum Grusse

    Die Geschichte vom Bollwerk:


    Ein Geschichtslehrer kam zum Thema 'Ritterzeit' mit der Aufgabe in die Klasse, wir mögen einmal an der Tafel das "beste" Bollwerk zeichnen. Wir kannten Grundformen und waren motiviert, komplexere Gebilde zu bauen, bei denen man den Feind noch leichter in den Rücken schiessen konnte - doch je verwinkelter und komplexer wir die Trutzmauer um den Ort und das Schloss zeichneten, desto anfälliger, angreifbarer und verwundbarer wurden wir selber.

    Die fehlende Kohärenz:


    Beim Lesen des Beitrages konnte ich mit den Aussagen wenig anfangen, da (noch) nicht wirklich lösbar, also wie mit der realen Situation draussen. Erneut der Versuch einer Kritik, die berechtigt sein mag, aber dann mE nicht wirklich greift, weil eine Lösung längst da wäre, wäre sie festmachbar. Aber jeder einzelne Begriff wird uns durch die Hand flutschen, muss ich vermuten. Danke Herr Meier für Ihren Beitrag.

    Das Mass an Jahresbeiträgen:


    Ich bin erst seit zwei Jahren in Deutschland, da ich die früheren 50 Jahre in der Schweiz lebte. Ich versuche daher mich zu 'orientieren', was meine Wachheit auf die angeprangerte Situation steigert. Ich möchte wirklich zu gern wissen, wo es toll wäre, dabei zu sein. Und so stehe ich unter nicht zu wenigen Einflüssen, die zumindest gerne meinen Jahresbeitrag hätten.

    Für Jahresbeiträge - wäre man in 3-5 verschiedenen Organisationen, nicht nur Coaching-Verbänden, könnten leicht Euro 2'000.-- ausgegeben werden, ein Betrag, den ich eigentlich bei max. 10% meines Marketingbudgets halten möchte, welches auch nicht mehr als 20% meines Umsatzes ausmachen soll. Jetzt: entweder ich mache massig Umsatz oder die Rechnung geht nicht auf. Eher geht die Rechnung nicht auf.


    Welcher ist mein Beitrag? Und (ver)mag ich den wirklich leisten?


    Last but not least lebe ich als Coach eine bewusst selbstverantwortende Haltung. Ich will vor mir selbst wissen, was ich tue. Und für wen ich 'da' bin. Mitgliedschaften sind für mich keine blinde, subordinierte Gefolgschaft, sondern ein partnerschaftliches Einstehen, ein Mitmachen, ein Beitragen, ein Arbeiten und Auseinandersetzen und Unterstützen. Und so steht dann plötzlich die Frage - eben nicht mal so im "Raum" - sondern vielmehr alleine vor mir selbst:

    - WO mag ich mich eingeben?

    - MIT WEM mag ich arbeiten?

    - WOFÜR stehe ich ein, nach Innen und nach Aussen?

    - WER oder WAS verkörperte das MEINE, WIE und WARUM?

    Die Krux mit der korrekten Distanz bzw. sich selbst keine 'Orden' anbatschen:


    Und so bedacht könnte mir ein Existenzialist oder "Diogenes" gut argumentieren: "Als Coach mit korrekter Haltung darfst du gar nicht wo dabei sein - alles, was du als Verbands-Image für dein Standing ausweist, wirbt für dich ... und davon hast du für den Auftrag gefälligst die Finger zu lassen! - Du hast keine Coachees zu werben!"


    An was mag ich mich, JJ, also orientieren?


    a) Ich habe mein Schiff zur Zeit hinter einer Insel fest gemacht und warte in dieser Frage die Entwicklungen ab - noch bin ich nirgendwo Mitglied.

    b) Ich habe mich entschieden, bewusst zu aktiven Anlässen der verschiedenen Verbände hinzugehen, alleine um zu SPÜREN, ob ich mich mit den dortigen Menschen wohl fühle. Ich war beim ICE und ECA. Ich hoffe, nächstens den DBVC wo zu erleben, was ich tangentiell durch eine Ausbildung tue. Aber noch lieber wäre mir ein Tag oder Workshop mit Kollegen aus dem Verband.

    Da ich jahrelang in Personenzentrierter Gesprächsberatung und als Marketingleiter ausgebildet bin, bin ich bereits zertif. Mitglied bei der GwG e.V. und als Berufsprüfungsexperte bei Swiss Marketing (zusammen: Euro 600.-- p.a.)

    Danke an die bereits erlebten Organisationen


    Ich möchte an dieser Stelle allen fünf Organisationen danken. Überall war es toll, waren umwerfende Menschen und Praktiker, die mich herzlich empfingen und dir mir stark das Gefühl vermitteln konnten, dass wirklich alle im höchsten Mass ihre Haltung trugen, für Menschen ein gutes und sich positiv anfühlendes Leben und Arbeiten gestalten zu mögen - womit auch immer. Das WOFÜR stand stets spürbar im Raum.

    Ich werde nun bis Frühjahr 2017 abwarten, hinschauen, nachfühlen und mir auch die Möglichkeiten meines - nicht nur finanziellen - Beitrages erkunden, und dann werde ich mich vermutlich ein erstes Mal für wen entscheiden.

    Es wird mir also nicht zu sehr die Frage der Satzung werden - ich werde mich mit höchster Wahrscheinlichkeit für 'humanness' entscheiden, weil es mir an solchen Orten leicht fällt, Geld, Zeit und Kraft einzubringen und mein Gutes zu tun, auf das hin es allem besser geht.

    Manchmal ziehe ich mich bis auf Theorien der Betriebswirtschaft zurück. Ein davon nennt sich 'Das Führungsgrid - nach Blake / Mouton (siehe Wiki). Es fragt sowohl nach der Sozialzielorientierung wie nach der Sachzielorientierung - irgendwo in diesem Spagat wird meine ganz eigene Wahrheit liegen.

    Ich bedanke mich an dieser Stelle für die Gelegenheit, mich damit reflektieren zu können.

    Mit besten Grüssen
    ...

    Ich möchte noch querdenken:


    Eine der grössten Kräfte und einer der stärksten Momente in Coachings ist jener, bei dem wir Coaches eine 'lethologische Haltung' einnehmen. Es ist meist einer der wahrsten Kerne dessen, was Coaching sein könnte.

    Input: Lethologische Haltung:
    Lethologische Begabung. Lethologie ist nach Heinz von Foerster (von Foerster u. Bröcker. 2002, S. 305 ff.) die Lehre des Nichtwissens.

    Es sind die Momente, wo wir von unserer Seit her das Nichts zur Situation liefern, ausser vielleicht Bemerkungen wie: "Das kann ich nicht wissen / Weiss nicht / Das müssen Sie wissen / Sagen Sie es mir / Keine Ahnung / etc."

    Und mein Gedanke ist es, dass sich genau DAS schneiden könnte: der (deutsche) Anspruch, alles wissen und erklären zu können, bis hin zur letzten Kommaregel und eben diesem unfassbar offenen Raum, wo Coaching seine Wirkung entfaltet, und jene "Wahrheiten und Wirklichkeiten" konstruiert und systemisch entstehen, die für den Coachee gelten - nicht aber für sonst jemanden, jedenfalls nicht zwingend. Es gibt also allenfalls nicht DIE Wahrheit und Wirklichkeit, die es für verbandsmässige Aussagen bräuchte.

    Wenn der Verband Deutscher Arbeitsgeber oder Industrie Aufträge gewinnen möchte, dann kann der ausdrückliche Wille dieser Verbände das weitaus definierter in Satzungen ausdrücken. Das ist sozusagen 'handfest'.

    Bei uns bleibt das aber selbst im Businesskontext 'das' Moment der Schöpfung im Sinne der sokratischen Hebammenhilfe (Maeutik) und bleibt spätestens im Moment nicht in Worte zu fassen.

    Und ich meine doch:

    Wir sollten vielleicht anstelle einer gefassten Formulierung eher ausdrücken, dass wir dazu stehen, "es nicht zu wissen" und dass besonders diese Haltung und diese Überzeugung das gemeinsame Verständnis aller Coaches ausmacht und definiert. Darin könnte das Gemeinsame liegen.


    Lethologisch gesagt: "Keine Ahnung." :-)

    Jona Jakob

    www.consensus-coaching.com
    Zürich Bern Frankfurt

    17.03.16

    Grösste Herausforderung: Sich selbst vertrauen.

    Ich absolviere zur Zeit eine Ausbildung zu einem systemische Coach. Ich mache das aus drei Gründen:
    • weil ich mich assimilieren möchte, dank besserem Verstehen
    • weil ich für den deutschen Markt einen deutschen Ausweis haben möchte.
    • weil es solche Ausbildungen vor 10 Jahren noch nicht wirklich gab

    Ich coache aber schon seit 10 Jahren. Insgesamt geht es dabei an die 400 Mandate. Und klar, in zehn Jahren verändert man sich in seiner Arbeit. Ich werde besser, ich werde schlechter, ich werde erkennbarer und ich verliere mich. Da hat die Ausbildung eine massive und sehr geschätzte Wirkung, mich zu konsolidieren, mich noch viel mehr zu stärken und mich noch professioneller werden zu lassen. Es ist ein enormer Gewinn, etwas zu lernen, was man schon so lange lebt, arbeitet und macht. 

    Aber warum stelle ich das 'so dar? 

    Weil neben mir noch Personen die Ausbildung absolvieren, die Beginner sind. Und weil die sich in der Ausbildung 'zeigen', die also 'sichtbar' für mich werden, wenn die ihre Stufen des Erfahrens begehen. Wir sind aktuell in einer Lernstufe, wo ein Beginnen mit Coachingerfahrungen möglich wird. Was hat sich aber gezeigt?

    Bisher wurden wir Schritt für Schritt ans Coachen herangeführt. Zuerst waren es Wissensanteile, Kopfertes. Dann erste Methoden. Später folgten weitergehende Möglichkeiten, sich auf den Coachingprozess einzulassen. Irgendwie wurde spürbar, dass die Teilnehmenden sich an Formen von Rettungsleine klammerten und es wurde schon zum Bestreben, in den Übungen den 'Leit-Fäden' (Methode, Ablauf, Fallvorlage) zu entsprechen. Irgendwie, "als wäre Abweichen nicht gefragt". 

    Und nun kam's. Am vergangenen Ausbildungstag ergab sich ein Rollenspiel mit einem Gast-Coachee. Vielleicht die erste echte Coachingsituation. Wir wussten fast nichts von Coachee. Er klärte mit uns das Vorgespräch und in einer zweiten Runde den sozusagen 'ersten Termin / das erste Coaching'. Dauer: je Vorgespräch und Ersttermin ca. 40 min.

    Was zeigte sich mir im Umfeld der Klasse / Gruppe / Kollegen?

    Es war von höchst nervöser und unangenehmer Wahrnehmung, Herausforderung und Unsicherheit, als sich einige gewahr wurden, in einem Coaching höchstmöglich und in bisher nicht bekanntem bzw. nicht bewusst gemachten Umfang SICH SELBST VERTRAUEN ZU MÜSSEN. 

    Es zeigte sich, dass es für ein erstes Mal keine Methode, keine Vorgehens- oder Verfahrensweise gab, die einem eindeutig leitete, trug und an der man sich strukturiert orientieren konnte. Es war, als würde man jemanden bei Nacht auf offener See aussetzen, mit der Aufgabe, einen Fremden kompetent dabei zu unterstützen, nach Hause zu schwimmen. Irgendwie so. Es war aufsmal alles komplett offen. 

    Und diese Erfahrung hatte ich vor 10 Jahren gemacht. Ich erinnere mich genau und auch, was mich damals stärkte. Ich hätte nicht mehr daran gedacht noch es mir bewusst gemacht. Ich arbeite ja seither so. Bei jedem neuen Auftrag ist es erst einmal eine Art Blindflug, bei dem Zuhören und Einfühlen meine einzigen Mittel sind, mich für das Coaching des Coachees zu orten, mich reinzufinden und mich so zu finden, dass ich fragend den Coachee zu seinen Reflexionen bringen vermag. 

    Nochmal fürs Auge: Ich weiss nichts. Kaum etwas. Besser gar nichts. Und dann beginnt das Gespräch und ich soll in knapper Zeit dann Fragen stellen, welche den Coachee in seiner Selbsthilfe fördern. So muss sich Basejumping anfühlen. Ich springe ab und es bleibt einzig an mir, ob ich nicht zerschelle. Es rettet mich kein Anzug, kein Schönwetter, kein Aufwind oder sonst Berechenbares. Ich lasse mich fallen, lasse los, bin ohne Boden - und: Was ich zur Hand habe, ist einzig mein Vertrauen in mich / in mein Ganzes meines Ichs.

    Das schien mir, meine Kolleginnen und Kollegen beobachtend und auch laut vernehmend eine Stelle, wo ausgesprochen wurde: "Also so weit möchte ich da gar nicht hin - so weit möchte ich nicht gehen." 

    Diese Aussage ist aber nicht so zu hören, dass man für den Coachee nicht so weit gehen möchte. Diese Selbstangabe meint: "Ich - für mich - möchte mich nicht so weit einlassen."

    Warum nicht?
    • Da kenne ich mich nicht aus
    • Das ist mir zu intesiv
    • Das habe ich mit mir selber noch nie geklärt
    • Das bin ich mir selber noch schuldig - Antworten zum Beispiel, wer und wie ich bin
    • Das ist ausserhalb meiner Werte, Konventionen und allenfalls Sozialisationen
    • Vor so viel Loslassen habe ich einfach Schiss - egal, ob ich schon weiss warum
    • In dieser Tiefe / Intensität / Raum habe ich nichts mehr, woran ich mich festhalten kann
    • Ich darf aber nicht versagen / nicht schwächeln / nicht scheitern / nicht nicht-weiterwissen
    • etc.
    Doch. Es gibt durchaus ruhige Herangehensweisen. Sie bedeuten viel eigene Reflexion, viel Verstehen vom Ansatz Hilfe zur Selbsthilfe und irgendwie braucht das alles seine Zeit. Das ist so ein Teil, von dem man zu Recht sagen könnte: "Unbezahlbar - ... und damit nicht käuflich." Er muss erfahren werden. Das Wort Selbsterfahrung steht im Raum. Sich selber wagen, um wagen zu lernen.

    Und noch dein 'Doch': Man muss an dieser Stelle das Denken und Kognitives wie Methoden, Tools, Rettungsanker vergessen, weil man an dieser Stelle NUR MIT FÜHLEN / SICH SELBER KENNENLERNEN PER FÜHLEN , weiterkommt. Ich-Kompetenz im Bauch und im Herz, in einem 6. Sinn vielleicht.

    Der Mensch entwickelt sich durch Krisen. Krisen sind nicht immer Verluste und Probleme. Viele Krisen sind einzig das Gefühl von Unsicherheit / Verlorenheit / Orientierungslosigkeit. Im Aussen ist nichts passiert und nicht verloren gegangen - aber gefühlt ist es eine eigene Zeit der Ohnmacht und Formen von Unsicherheit bis Angst. Die Chancen also, dass sich diese negativ verbundenen Gefühle auflösen, verdunsten und sich als Nebel verziehen, sind gross. Die Zeit hilft oft am meisten. 

    Und dann gilt weiter: 

    "Dem Traum folgen und nochmals dem Traum folgen
      - und so bis in alle Ewigkeit."
     Joseph Conrad, Engländer, eigentlich Pole 

    Es mag eine der grössten Herausforderungen sein, sich als Mensch dahin zu entwickeln, sich selbst zu vertrauen. Wenn das einem schockt und stocken lässt, kann ich das gut nachfühlen. Daran aber werden Sie Ihr Wirken als Coach selber gefühlt ermessen.

    • Vertrauen Sie sich? 
    • Und wenn Ja, wie weit? 
    • Was wissen Sie in der Sache über sich selbst?
    • Schon mal gewagt?



    Herzlich

    Jona Jakob

    consensus-coaching.com
    Zürich Bern Frankfurt

    Beiträge aus dem Blog, die zum obigen Thema passen könnten bzw. in Verbindung stehen:

    1) Coachingausbildung wird zum Loch, in das man fallen kann
    http://exhalat.blogspot.de/2013/10/coachingausbildung-wird-zum-loch-in-das.html

    2) Eine Coachingausbildung ist keine Kompetenz
    http://exhalat.blogspot.de/2013/10/eine-coachingausbildung-ist-keine_15.html 

    21.12.15

    Wann genau entwickle ich mich nachhaltig?

    In diesem Blog gibt es zwei vorangegangene Beiträge, welche die folgenden Betrachtungen unterstützen:

    a) Ungeduld ignoriert die Mittel zur Erreichung von Zielen:
    Beitrag in diesem Blog 'Geduld'

    b) Selbstwerdung durch eigene Antworten
    Selbstwerdung durch eigene Antworten

    Bei einer genaueren Beobachtung der Coachingverläufe (Phasen der Zusammenarbeit und Verblieb), zeigten sich Erscheinungen von

    • eilig
    • kürzer
    • weniger Zeit = Honorar
    • gute erste Gefühle genügten
    • keine Zeit nochmals zu kommen
    • Aufwand wird gemieden
    Diese Beobachtung zeigen uns menschlich, sachlich, vernufts- und nutzenorientiert. Ich will das an dieser Stelle auf keinen Fall bewerten - ich möchte es festhalten, um die Betrachtung um weitere Gedanken ergänzen zu können.

    Was geschieht?


    1. Phase: Fragen:


    Klienten wenden sich mit ihren Anliegen an einen Coach. Sie möchten Ungeklärtes per Coaching klären. Sie ergreifen die Initiative und nehmen mit einem Coach Kontakt auf, es kommt zur Zusammenarbeit. Dabei wird eher geäussert:

    • Ich habe ein Problem und weiss nicht weiter
    • Ich habe eine Unklarheit und kann mich nicht entscheiden
    • Ich habe eine verlorene Orientierung und weiss nicht, wonach mir ist
    • Ich möchte mal mit jemandem mein Thema besprechen
    • etc. 

    Hinweis: Ich werde später erläutern, warum diese Äusserungen, welche das Anliegen ausdrücken, nicht wirklich ideal und nicht vollständig sind. Sie sind ein Anfang, sogar ein guter Anfang, aber in Wirklichkeit greifen sie mE ein wichtiges Stück zu wenig.

    2. Phase: Verstehen:


    In der Zusammenarbeit mit dem Coach ensteht, wenn es ideal läuft, ein Verständnis für das eigene Anliegen. Was zuvor noch unklar schien, wird erkennbar, nachvollziehbar, fühlbar. Man entspannt sich, fühlt, dass es gut ist, sieht neue Perspektiven und kann auch besser annehmen, was ist, selbst wenn es Schwächen, Missstände, Vermisstes oder Ungelöstes ist. Es ist, was ist. Gut so. Jedenfalls schon viel besser als zuvor.

    Und an dieser Stelle geschieht dann gerne, was ich anmerken möchte: Die Klienten verabschieden sich. Wer oder was diese Verabschiedung hervorruft, ist vielseitig, kann von Coach und Klienten hervorgerufen werden, durch Abmachungen, Aufwandschätzungen, Geld- und Zeitnutzenrechnungen, whatever ... - und auch das bleibt unbewertet und ok. Man hat ja nun den neuen Durchblick und weiter geht es ... die meisten Klienten sind durchaus zufrieden und können nächste Etappen bewältigen. Aber meine Anmerkung geht dahin, dass hier ein grosser Teil der möglich erreichbaren Wirkung verloren geht. Was fehlt mir?

    3. Phase: Eigene Antworten auf die Erkenntnisse bilden:


    Im Grunde ist mit dem Verstehen bzw. dem Verständnis nur der erste Schritt des 'Erkennens' gewonnen. Man hat Erkenntnis gewonnen. Das ist aber nicht gleichzusetzen mit dem nun folgenden Bilden eigener Antworten, welche die Erkenntnis betreffen!

    Damit ich mich bilde und meine Persönlichkeit sich manifest entwickelt, bedarf es zur neuen Erkenntnis der Antworten, Haltungen, Gedanken, Konzepte und Begriffe, die in der Situation FÜR MICH STEHEN:

    • Wie stelle ich mich dazu?
    • Was ist meine Antwort darauf?
    • Was ist meine Position dazu?
    • Wie geht es mir damit? 
    • Was ist davon meines, was schreibe ich anderem zu?
    • Was sagt mir das?
    • Wie reagiere ich darauf?
    • Wie macht mich das aus?
    • Wer bin ich nun damit?
    • Wie will ich zukünftig sein?
    • Wie will ich mich verstanden und gesehen fühlen?
    • etc. 

    Um die Gegenprobe zu machen: Was geschieht, wenn ich mir auf die neue Erkenntnis keine eigenen Antworten bilde? Ich werde nicht wirklich jemand. Wie ist dieser provokative Gedanke zu verstehen?

    Gemäss dem Johari-Fenster und der Theorie des Fremd- und Selbstbildes versteckt jeder Mensch einen Teil seines Wesens hinter einer Fassade. Das hat seine guten Gründe: es schützt uns und gewährt uns eine gewisse Deckung, was strategisch von Vorteil sein kann. So schweigen wir und geben uns nicht zu erkennen - eine ideale Strategie, möglichst jede Option erst zu prüfen und dann das Optimalste zu versuchen. Doch mit dieser Strategie entwickeln wir uns allenfalls zum erfolgreichen Opportunisten und Egozentriker, womit viele Karrieren steil verliefen. 

    Doch wer Lust hat zu leben, sich zu sein, sich zu befreien und sich zu werden, statt einem 'Schnäppchenjäger', der leistet es sich, auf die Dinge in seinem Leben Antworte zu definieren, ob ausgesprochen, niedergelegt oder geschrieben verfasst. Solch ein Mensch wird erkennbar, transparent, authentisch und meist sehr souverän, da gelassen in sich ruhend. So jemand entwickelt Selbstführung und strahlt mit seinem Wesen auf andere aus - selbst wenn er schweigend nur dabei ist. 

    Es ist ein ganz besonderes Vermögen, in einem Coaching statt der 2 x Fr. 500.-- dann 3 x 500.-- auszugeben, um beim dritten Termin und Nachmittag vorzutragen, was man aus den Erkenntnissen gewinnt, was man angenommen hat und was nun die eigenen Antworten wegen dem neuen Verstehen sind, bis hin zu konkreten Schritten und Massnahmen. MAN WIRD SICH. Man baut sich aus, wächst, entwickelt sich. 

    Und last but not least: Wer auf diese Weise mit seinem Zugewinn an Erkenntnis arbeitet, wird auf aktuelle Fragen wie Flüchtlinge, Terrorismus, Gesellschaft, Politik, Weltwirktschaft und Kultur die Fähigkeit ausweisen, mit Menschen per Fragen und Antworten im Gespräch zu sein, nie Recht haben müssend, sondern stets interessiert daran, was Neues kommt und wie es dann damit zu leben ist. Solche Menschen entwickeln Format und legen Grundsteine. 

    Klärung ist mit gewonnener Erkenntnis nicht wirklich vollendet, auch wenn sich das so anfühlen mag. Mit der Erkenntnis mag das Baumaterial geliefert worden sein, aber nun ist daraus heraus und auf diesem Boden das eigene Haus zu bauen. Wer also sein Coaching zum Abschluss wie mit einem Leverage-Effekt wirklich grossartig wirksam werden lassen will, der strebt nach der Erkenntnis noch eine Phase der Beantwortung an, die dem Coach vorgetragen und präsentiert wird. 

    Hat man nach der Präsentation nicht einmal das Bedürfnis, vom Coach eine Bewertung zu erhalten, ist man mich sich ganz sich selber. Gratuliere, in dem Fall. 

    Was also wollen Sie wirklich? 

    Zürich Bern Frankfurt